12. April, Donnerstag, Anreise nach Bonito

Warum nur müssen wir immer mitten in der Nacht aufstehen, um an unser Ziel zu gelangen? Niemand begibt sich gerne um 4 Uhr morgens aus dem schönen Bett, um sich für eine Reise fertig zu machen. Aber was bleibt einem anderes übrig, wenn das Flugzeug um 7 Uhr in Navegantes losfliegt. Ankunft in Navegantes um 6 Uhr, Fahrt dorthin eine Stunde, also ab 5 Uhr und aufstehen entsprechend um 4 Uhr, wenn der Schlaf am süßesten ist. Aber das Ziel ist ja auch allerliebst und somit wird es sich sicherlich lohnen, dorthin zu fliegen.

Vorab sei gemeldet, dass ich in diesem Bericht immer wieder auf die Fotos, die in den Fotoalben zu sehen sind, eingehen werde. Am besten schaue man sie während des Berichtes an oder auch danach, was vielleicht technisch gesehen einfacher ist.

Unser ungewollter Wecker ging schon um 2 Uhr in Form des Katers, des 10-kg-Untiers, das sich laut maunzend auf Arora stellte, seinen Kopf in ihr Gesicht fuhr, damit sie aufwachen solle, um ihm das gewünschte Futter zu geben. Er bekam es auch, aber wohl nicht genug, denn um 3.30 Uhr wiederholte sich der Vorgang und ab da war dann an Schlaf nicht mehr zu denken. Um 4 Uhr piepste dann unser eigentlicher Wecker vorsichtig – im Gegensatz zum Gebahren des Katers. Ich stehe auf und mache wie jeden Morgen erst mal das Katzenklo sauber. Ein schöner Anfang, der einen aus zumeist himmlischen Träumen kommend wunderbar erdet. Frühstück machen, während Aurora sich um das restliche Gepäck kümmert. Frühstücken und duschen. Um 5 Uhr saßen wir dann schon im Auto und fuhren durch die menschenleere Gegend ohne Probleme nach Navegantes zum Flughafen. Lediglich 45 Minuten brauchten wir, während wir noch vor wenigen Tagen 1 – 2 Stunden einplanen mussten. Einchecken, warten bis wir dann um 7.15 Uhr losflogen. Die Sonne ging gerade erst über dem Flughafen auf (Bild1). Über Navegantes und Itajai, der Nachbarstadt jenseits des Flusses, lag noch ein dünner Wolkenschleier, aber man konnte schon aus dem Flugzeug bis nach Balneário Camboriú schauen, ein herrlicher Blick (Bild2 + 3). So ging es nach São Paulo, Congonhas, dem Stadtflughafen über eine wolkenlose Megacity (Bild 4 + 5). Dort erwartete uns Inha, die bereits zweimal den Flugsteig hatte wechseln müssen, weil man sich Congonhas nicht einig werden kann, wo denn letztlich welches Flugzeug abfliegen wird. Aber auf diese Weise hält man die Passagiere in Trab.

Die Wartezeit war dieses Mal nicht so lang und bald saßen wir im nächsten Flieger nach Campo Grande. Der Name bedeutet so viel wie Großfeld. Warum er so heißt, zeigte sich schon in der Luft, denn die Landschaft besteht aus riesigen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dazu aber später noch. Zunächst ging es wieder mit dem Flugzeug hoch über São Paulo (Bild 6 – 8). Den Flug selber habe ich so gut wie verpennt, denn das frühe Aufstehen und das eintönige Brummen der Motoren bewirkten bei mir eine Art Hypnose. Kurz vor dem Ziel erst wachte ich wieder auf. „Campo Grande“ sah ich als Schriftzug am Flughafengebäude durch mein kleines Fenster (Bild 9). Eine Hitzewelle schlug uns entgegen, als wir ausstiegen. 29° im Schatten, aber wo war Schatten? Im Flughafengebäude war es schön klimatisiert, aber draußen war klare, heiße Luft. Die Konturen der Dinge waren sehr klar und trotz der Hitze war es auch vor dem Flughafengebäude richtig schön, selbst auf dem Parkplatz. Irgendwie ist das Licht hier anders als bei uns in Bombinhas. Einige riesige Tujujus, die Wappenvögel des Pantanals, begrüßen die Gäste vor dem Flughafengebäude (Bild 10 + 11).

Wir hatten unsere Fahrt nach Bonito selber organisiert, weil die Gruppe aus Tocantins, mit der wir hier unterwegs sein würden, erst am späteren Nachmittag kommt. So wurden wir abgeholt und in einen Kleinbus verfrachtet. Ich hatte das Glück, vorne sitzen zu dürfen, so dass ich aus dem Vorderfenster immer wieder raus fotografieren konnte und auch ungehinderte Sicht auf das Geschehen hatte. Die Straße nach Bonito ist zumeist schnurgerade und in recht gutem Zustand (Bild 12). Der Weg selber ist immerhin 300 km lang, also schon ein Weg von 4 Stunden. Ich saß also neben dem Fahrer, der diese Strecke seit 8 Jahren tagtäglich hin und zurück fährt. Er steht mit der Straße und den Löchern, Baustellen und schönen Abschnitten auf Du und Du, wie man sich denken kann. Gleich hinter Campo Grande fanden wir neben der Straße in dem recht breiten Straßenstreifen immer wieder kleine Verschläge, manchmal mit kleinen Anpflanzungen. Hier wohnen die Landlosen, die Vertriebenen. Hier ist das arme Brasilien zu Hause (Bild 13 + 14). Aber auch diese Hütten hörten bald auf und wir fuhren durch eine intensiv genutzte Agrarfläche, relativ eben, sanft hügelig mit roter Erde. Die Gegend scheint sehr fruchtbar zu sein und ist wohl mit ein Grund für den eigentlichen Reichtum Brasiliens, die landwirtschaftliche Produktion. Riesige Weiden mit Kühen drauf, die verstreut dort grasten. Immer wieder mal sahen wir auch kleine Gruppen von Emus herum laufen. Tujujus allerdings sahen wir nicht, obwohl wir alle Ausschau danach hielten. So näherten wir uns Bonito, das am Fuß von einem Gebirge liegt, das wohl auch die Besonderheit dieser Gegend ausmacht. Während die Vorderscheibe immer dreckiger wurde, wurde die Landschaft immer schöner (Bild 15 – 18). Das Hotel von Sesc, in dem wir in den nächsten Tagen wohnen werden, nahm uns freundlich auf, denn wir waren ja die Vorhut der Gruppe, die da kommen wird. Aurora und Inha stürzten sich auch gleich in die Fluten des Pools, während ich erst mal meinen Bericht begann zu schreiben. Die ersten Eindrücke von dem Hotel sind dann die restlichen Bilder der heutigen Bilderserie. Da ist der Poolbereich (Bild 19) zu sehen, der überdachte Gang zu dem Haus (Bild 20), in dem unsere Zimmer sind. Da ist der Pool (Bild 21)mit seinem lauwarmem Wasser und Aurora (Bild 22), die sich von des Tages Mühe ausruht. Schließlich ist da noch die Aktivitätshalle (Bild 23) und ein Blick in die nähere Umgebung (Bild 24). Nachmittags um 17 Uhr wird dann noch abschließend für den Tag Kuchen und Obst angeboten, die sich jeder nehmen darf. Uns hat das auch gereicht für heute und wir waren froh, als wir recht früh ins Bett gehen konnten. Die Gruppe selber kam dann erst gegen 21 Uhr im Hotel an. Die Leute werden eine kurze Nacht haben, denn morgen geht es schon früh raus. Wie zufrieden die beiden Damen mit dem Tag waren, zeigt letztlich Bild 25.

Auf ein kleines Video will ich noch hinweisen. Ich habe mal den Start des Flugzeugs in Congonhas nach Campo Grande gefilmt. Man kann auf diese Weise miterleben, wie das Flugzeug erst steht. Dann heulen die Motoren auf und die große Maschine setzt sich in Bewegung, zuerst an all den hinter ihr auf den Start wartenden Flugzeuge vorbei, dann am Flughafengebäude selber, um dann kurz danach abzuheben und über die Hochhäuser hinweg fliegen. Es ist ein hübsches, kleines Video geworden.

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