13. April, Freitag, Das Natur-Aquarium

Das mit dem Schlafen war heute Nacht so eine Sache. Das Bett hat brasilianische Ehebetten-Ausmaße, also vielleicht 140 cm mal 190 cm. Für einen Mann mit großer Würde (Die Würde eines Mannes zeigt sich am Bauchumfang) mit einer zarteren Frau ist das schwierig. Hinzu kam, dass es ziemlich warm war. Die Klimaanlage lief, wir schliefen ein, da kam der Rest der Gruppe angereist. Die Ankunft war voller Freude und – wie aufmerksame Leser meiner Berichte wissen – solche Freude äußert sich in Lautstärke. Was dann große Freude bedeutet, kann man sich vorstellen. An Schlaf ist da kaum noch zu denken. Als sich das dann gelegt hatte, ging es aber und wir schliefen friedlich mit Unterbrechungen bis 6 Uhr, der Aufstehzeit. Denn um 7.30 Uhr sollte es schon los gehen. Frühstück in einer unterkühlten Kantine, vorbereiten für den Ausflug, d.h. Badehose an, Restkleider einpacken, Fotoapparat, Geld und Sonnenschutz.

Die Busfahrt dauerte nur wenige Minuten, denn das Ziel war die „Reserva Ecológica Baía Bonita“ (Bild 1) und darin vor allem das „Natur-Aquarium“. Das liegt nur wenige Kilometer vom Hotel entfernt. Für uns war es zunächst einmal eine wunderschöne Anlage (Bild 2 – 19). Während ich loszog, um Fotos zu machen, bekamen die anderen ihre Instruktionen, wie das so funktionieren sollte mit dem Ausflug in dieses Aquarium, was kein richtiges Aquarium ist, sondern ein Flusslauf mit sehr klarem Wasser und einer großen Fischmenge. Diesen Flusslauf sollten wir hinab schnorcheln nach einer anfänglichen Gruppeneinteilung, weil immer nur bis zu 9 Leuten gehen durften, und einem Training, bei dem die Leiterin feststellte, ob man dafür geeignet ist, oder nicht. Ich hätte schwören können, dass Aurora das nicht machen würde. Sie hatte ja schon früher einmal bei einem ähnlichen Ausflug gekniffen. Aber jetzt ging sie ganz vorsichtig dran, probierte, nahm ihren Mut zusammen, hielt sich an mir fest und siehe da: Sie schaffte es – die gesamte Tour mit Schnorchel und allem. Meine Aurora! Ich bin maßlos stolz auf sie und sie meinte hinterher, dass jetzt nur noch fehlt, dass wir zusammen einen Fahrradausflug machen sollten. Wunderbar!

Jede Kleingruppe gab sich einen Namen. Unsere Gruppe hieß Saca-Rolhas, Korkenzieher. Warum, weiß ich nicht. Meinen Beitrag zur Gruppe leistete ich insofern, als dass ich statt des üblichen Cheese beim Fotografieren, die Franksche Version „Ameisenscheiße“ einführte. Mein Bruder Frank hatte diesen Ruf einstmals in Rio eingeführt. Jetzt hat er sich in meinem Kopf festgesetzt und erschall zunächst aus Auroras und meinem Mund. Da wollte die anderen wissen, was denn Ameisenscheiße ist. Wir übersetzten und das überzeugte alle, so dass unser Ruf „Ameisenscheiße“ bei jedem Foto weit durch den Urwald von Bonito klang. Unsere Instruktorin schließlich griff ein und meinte, wir sollten jetzt mal mit unserem Mantra aufhören. Seitdem weiß ich, dass Ameisenscheiße ein Mantra ist. Das hat nun allen auch sehr viel Spaß gemacht.

Jetzt zum Ablauf dessen, was sich zu diesem wundervollen Unterwassererlebnis entwickelte. Nachdem die 3 Gruppen gebildet waren, bekamen wir als letzte Gruppe die längste Wartezeit, in der mir eine Teilnehmerin aus Belo Horizonte erst einmal ausführlichst alles Mögliche erzählte, von dem ich nur die Hälfte verstand. Schlimm war das nicht, nur etwas peinlich, als sie mal nachfragte. Darum war es eine Erlösung, als wir zum Einkleiden gebeten wurden. Jeder bekam einen Dioptrinanzug – andere sagen dazu Neoprenanzug – und ein paar Gummischuhe. Damit zogen wir in die Umkleidekabinen. Mühsam war das Anziehen und warm war es. Als wir damit fertig waren, bekamen wir auch eine Taucherbrille mit angeheftetem Schnorchel. Spätestens nach dem Anziehen dieser Utensilien war niemand mehr vom anderen zu unterscheiden, was sich auch in den Fotos wiederspiegelt, die vor allem dann im Wasser gemacht wurden. Nach der Einkleidezeremonie, zu der auch noch eine Schwimmweste gehörte, ging es dann an den Pool zur Instruktion (Bild 20 – 24). Da saßen wir alle 9 vergnügt am Beckenrand, ich ganz rechts außen, Aurora ganz links außen und Inha in der Mitte. Das also war die Korkenziehergruppe. Aurora bekam von der Instruktorin die Anweisung, sich an meiner Schwimmweste festzuhalten, wenn ihr das Sicherheit gäbe. Gab es und so sind wir daran zu erkennen, dass wir immer zwei Parallelfische sind: ich vorneweg und Aurora an meiner Seite etwas dahinter. Nach der Instruktion ging es dann durch einen etwas erhöhten Holzpfad bis an den Fluss. Wie schade, dass ich keine Kamera dabei hatte, denn der Wald hier war besonders schön und wir sahen auch einige Tiere, die ich gerne fotografiert hätte. Aber Gepäck war nicht drin. Also muss es eben ohne gehen. Am Fluss angekommen, konnten wir erst in dem relativ ruhigen See, der sich gleich nach der Quelle des Flusses gebildet hat, unsere neue Schnorchelkunst ausprobieren. Einer nach dem anderen schwamm los. Aurora und ich waren die letzten, bevor noch unser Guide hinterher kam. Das Video davon ist ebenfalls bei den Fotoalben zu finden. Es gibt aber ein wenig das wieder, was wir hier erlebten: eine eigene Welt unter Wasser mit vielen Fischen und Pflanzen, eben wie in einem Aquarium. Und wir sind mitten drin. Ein paar Runden schwammen wir. Dann bekamen wir die Anweisung, hinter einander weg uns jetzt die nächsten 700 m von der Strömung treiben zu lassen und die Unterwasserwelt zu genießen. Wieder waren Aurora und ich die letzten. Und da die vor uns Schwimmenden auch etwas unsicher waren, kamen wir recht bald ab vom Weg und besonders ich verhedderte mich in den dichten Pflanzen. Aber das war nicht weiter schlimm. Aurora und ich schwammen so gemeinsam ungefähr die Hälfte der Strecke. Danach war Aurora so mutig, dass sie los ließ und wir dann in unterschiedlichem Tempo unterwegs waren. Ich wollte zwar immer wieder auf sie warten, doch was das bei der herrschenden Strömung schwierig. Aurora kam als letzte ans Ziel, aber sie kam an ohne Hilfe des Bootes, das immer bei ihr in der Nähe war. Das war wirklich eine große Tat von ihr!

Zurück ging es dann über einen anderen Waldweg bis zum Ausgangspunkt. Mittagessen und dann ausruhen. Eigentlich hätten wir bis 16.30 Uhr dort bleiben sollen, aber allen wurde etwas langweilig, so dass wir schon gegen 14.30 Uhr zurück zum Hotel fuhren. Dort machten wir erst mal eine längere Pause und Aurora schlief nach getaner Heldentat einen Heldenschlaf. Gegen 18 Uhr brachen wir dann noch einmal auf, um nach einem Supermarkt zu suchen. Denn Abendessen gibt es hier nicht. Also pilgerten wir bei Nacht – denn 18 Uhr ist hier schon dunkel – in Richtung Innenstadt, wo wir auch ein kleines Lebensmittelgeschäft fanden, wo es das Nötigste gab. Er lag am großen Platz, dem Zentrum von Bonito (Bild 41). Auf dem Rückweg kamen wir noch an einem großen Wahlplakat von Bolsano vorbei. Dieser Typ ist ein ehemaliger Offizier, Rechtspopulist mit einem bereits ausgearbeiteten Vernichtungsprogramm für Indianer und ein Anhänger der Militärdiktatur. In seinen Formen ist er schlimmer als Trump und ein wirkliches Ekel. Dabei steht auf seinem Wahlprogramm: Für Ehre, Ethik und Moral (Bild 42).

Als wir dann wieder im Hotel waren, gab es nur noch Abendessen – frisch gekauft – und dann noch etwas Fernsehen und Schlafen. Morgen wird wieder ein anstrengender Tag.

Noch etwas muss ich gestehen: Das Video und die Fotos vom Schwimmen habe nicht ich gemacht, sondern ein Fotograf, der mir daraus eine CD brannte.

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