14. April, Samstag, Attraktionen in der Nähe von Bonito

Nach einer geruhsamen Nacht folgte ein schöner Tag. So war es also heute. Wieder klingelte der Wecker zu einer Zeit, in der man lieber schlafen möchte. Um 5.45 Uhr war die Nacht vorbei und wir machten uns fertig, um zu frühstücken. Um 7.00 Uhr sollte es los gehen. Ging es natürlich nicht, weil wieder die Hälfte der Leute fröhlich zu spät kam. Wir waren natürlich fertig und warteten im Bus, bis auch die letzten den Weg dorthin gefunden hatten. Da war es schon 7.15 Uhr. Wir hätten also auch eine viertel Stunde länger schlafen können. Ich könnte mir vorstellen, dass das in Deutschland bei Reisegesellschaften einigen Unmut ausgelöst hätte. Nicht so hier. Alle warteten fröhlich und geduldig, machten Scherze und benahmen sich wie Brasilianer, was wohl daran liegt, dass sie welche sind. Dann aber ging es los in Richtung der zweiten großen Attraktion von Bonito, der Grotte mit dem blauen See. 20 km ging es dorthin über einen Weg, der einem eher schlechten, deutschen Feldweg glich. Es rumpelte, schaukelte, wippte und schlug mal rechts, mal links. Arme Achsen des Busses und wir armen Leute. Denn der Bus ist für Menschen mit einer maximalen Größe von 1,60 m ausgelegt. Ich sitze dort enger als in der Holzklasse von Flugzeugen. Da tun Schläge extra weh. Aber was macht das schon, wenn man ein schönes Ziel vor Augen hat: die Grotte mit dem blauen See, die älteste Attraktion von Bonito (Bild 1). Es handelt sich dabei um ein tiefes Loch in der Erde, das etwas Ähnlichkeit mit einer Klamm hat, die eben nur keine Ausgänge hat. Es geht steil nach unten. Oben sieht man noch das Licht, selbst wenn man ganz unten ist. An den überhängenden Felsen haben sich im Laufe der Jahrmillionen Stalaktiten gebildet wie in einer Tropfsteinhöhle. Nur ist die Grotte eben oben offen.

Bis in die 70er Jahre war das Gelände und die Grotte noch Privatbesitz und war damals sowohl noch beliebter Grillplatz und Badeort für Wagemutige. Spuren davon sind auch noch heute zu sehen. Dann aber hat der Staat alles Gelände drum herum aufgekauft und daraus einen Park gemacht, in dessen Mittelpunkt die Grotte liegt. Im See hat man besondere Höhlentiere gefunden, die kein Licht brauchen und selten sind. Darum ist der See auch streng geschützt. Nicht mal einen Finger darf man da rein halten. Die Höhle selber wurde für die Allgemeinheit zugänglich gemacht und der Zutritt darum reguliert. 300 Stufen führen von oben nach unten. Immer nur Gruppe von bis zu 15 Leuten dürfen gleichzeitig nach unten, wobei es schon vorkommt, dass sich mehrere Gruppen gleichzeitig auf der langen, verwinkelten Treppe befinden.

Wie es nun dort aussieht, kann man angemessen kaum beschreiben. Ich habe noch nie Stalaktiten im Tageslicht gesehen. Immer sind sie in Höhlen gewesen. Hier aber sind sie draußen. Dennoch wird es immer dunkler und auch glitschiger, je tiefer man kommt. Fledermäuse hängen an den Decken und ihre Ausscheidungen machen, dass man hier ein wenig vorsichtig sein muss mit der Hygiene. Wir alle bekamen Helme auf den Kopf, wobei ich denke, dass sie nicht wegen der Stoßgefahr verabreicht wurden, sondern eher wegen eventuell ungezügelt von sich machenden Fledermäusen. Nach und nach stiegen alle, selbst die ältesten Mitglieder der Gruppe nach unten, wo uns jener klare, blau bis türkis schimmernde See erwartete. Es war unbeschreiblich schön und die Mühe und Herzmassage durch die vielen Treppenstufen durchaus gerechtfertigt. Man sehe sich die Bilder an (Bild 2 – 24), die dort in der Grotte entstanden.

Spannend war noch die Gruppeneinteilung für den Abstieg in die Grotte. Da wollte der Guide meinen Namen aufrufen, was ihm folgendermaßen gelang: „Hans George (englische Aussprache) Fafafa Schweinsteiger“ Der ehemalige Fußballer von Bayern München war ihm ein Begriff. Den Namen kannte er und hat ihn trainiert. Und wenn man einen so schwierigen Namen wir ich hat, dann muss eben Schweinsteiger herhalten.

Es war schon fast gegen Mittag, als wir alle wieder im Bus saßen und jetzt zu einer besonderen Attraktion fuhren, den „Balneário do Sol“. Das ist eine Art Naherholungsgebiet für Mensch und Tier (Bild 25 – 26). Denn hier tummelten sich wilde Äffchen, die sich von Menschen nicht stören ließen – eher umgekehrt, denn es handelt sich um eine diebische Affenherde, die alles klaut, was für sie interessant sein könnte. Davor wurden wir gewarnt, aber gemerkt haben wir nichts, denn die Affen waren mit dem Fressen von Früchten einer Palme vollauf beschäftigt. Offenbar gehörten diese Früchte zu ihrer Lieblingsmalzeit. Ich habe es per Bild (Bild 28 – 34) Video festgehalten. Aber bevor wir das alles live erlebten, aßen wir noch gemeinsam zu Mittag. Dabei kamen wir mit einer Dame aus Tocantins ins Gespräch, die sich für Curitiba anmelden will. Die Reise dorthin wird im September angeboten, also noch im Winter. Da sei es dort aber kalt, meinte Aurora. „Eben darum! Wir wollen mal erleben, wie es ist, wenn es kalt wird.“ (Bild 27) Es ist die Dame auf der rechten Tischseite. Das Kälte ein Reiseargument sein kann, ist für uns kaum vorstellbar. Aber für Leute aus Palmas, der heißesten Stadt Brasiliens, ist das eine echte Attraktion. Dort sind die kältesten Tage immer noch 29° heiß. Übrigens werden wir uns für diese Reise ebenfalls anmelden, weil wir auf diese Weise Ziele kennenlernen, die wir auch mit Besuchern aus Deutschland anfahren können. Curitiba ist normalerweise recht teuer, aber mit einer Sesc-Reise von Tocantins ist das erschwinglich, was wohl eben auch der Jahreszeit gedankt sei. Wir werden also mit jener Dame aus Palmas zusammen frieren. Sie wird es genießen, wir werden es zu verhindern wissen.

Nach dem Mittagessen war also die Begegnung mit den Affen, die dort nicht etwa leben, sondern wie die Menschen dort einfallen, weil es dort etwas Leckeres zum Fressen gibt. Das erzählte uns die junge Dame mit dem Arara auf dem Arm. Der Arara ist zahm, weil er schon als kleiner Vogel mit gebrochenem Flügel aufgenommen wurde und bis zu seinem heutigen Alter von 35 Jahren durchgefüttert wurde. Der liebte seine Betreuerin zärtlich. Araras sind treue Tiere. Sie suchen sich einen Partner oder eine Partnerin, mit dem oder der sie dann bis zum Lebensende zusammen bleiben, also bis der Tod sie scheidet (Bild 35 – 37).

Die eigentliche Attraktion dieses Naherholungsgebietes ist aber der natürlich Pool. Ein Flüsschen hat hier einen ziemlich breiten, jedoch niedrigen Wasserfall gebildet, an dessen Fuß sich eben dieser Pool gebildet hat. Teilweise herrscht hier eine starke Strömung, teilweise aber auch nur einfach ein wundervolles Schwimmwasser. Es war recht frisch, jedoch sicherlich noch um die 25° (Bild 38 – 42, 47). Für Inha und mich war es in Ordnung, für Aurora zu kalt. Hier schwimmen also Fische und Menschen um die Wette. Eine besondere Attraktion ist hier eine Art Seilbahn, mit deren Hilfe man auf abenteuerliche Weise ins Wasser springen kann (Bild 44 – 46).

Auf dem Rückweg kurz bevor wir das Gelände verließen, kamen wir dann noch bei einer weiteren Attraktion vorbei. Da waren eine kleine Lamaherde und ein gesattelter Büffel, auf den alle, die wollten klettern konnten, um mal zu sehen, wie es sich auf solch einem mächtigen Tier sitzt. Gut sitzt es sich, wie ich feststellte (Bild 48 – 50). Dann aber ging es zurück zum Hotel, wo wir gegen 17.30 Uhr eintrafen. Nichts ging mehr. Er reichte für heute. Pause. Tagebuch schreiben, Fotos sichten, ausruhen und schlafen.

Gute Nacht!

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