16. April, Montag, Campo Grande

Kaum sind wir in Bonito angekommen, müssen wir auch schon wieder abreisen. Heute früh war es so weit. Schon um 7.30 Uhr fuhr der Bus ab. Da die Leute vorher gewarnt worden sind, sich nicht zu verspäten, kamen auch alle pünktlich und pünktlich ging es los. Dafür mussten wir allerdings auch schon früh aufstehen, weil wir ja auch noch auschecken mussten. Also was tue ich dann auf der langen Fahrt von Bonito nach Campo Grande? Ich tue das, was meine geliebtes Weib in der Nacht am besten macht: schlafen. Ich glaube, die halbe Fahrt habe ich sitzenderweise im Tiefschlaf verbracht. Beim Rest habe ich versucht, die Emus zu fotografieren, die uns da an und zu über den Weg liefen. Erwischt, so dass man es vorzeigen könnte, habe ich sie leider nicht. Dafür entstanden einige Landschaftsaufnahmen, die ziemlich typisch für diese Gegend sind. Da ist flaches Land und sehr viel Himmel. Das Land wird intensiv genutzt und der Mais, der dort wächst, erstreckte sich bis an den Horizont. Monokultur, wohin man auch schaut. Schade und vielleicht auch keine besonders gute Art der Landwirtschaft, jedoch anscheinend hoch profitabel. Immerhin sind die Gesetze hier so, dass auf alles genutzte Land eines Farmers ein gewisser Prozentsatz ungenutztes Land verbleiben muss. So ist die Summe des privaten, ungenutzten Landes größer als die sämtlicher Nationalparks. Um 9 Uhr gab es dann in einer kleinen, ordentlichen Stadt eine Kaffeepause (Bild 1 + 2). Danach ging es weiter übers Land (Bild 3 – 6). Pünktlich gegen 12 Uhr kamen wir dann in Campo Grande an. Der erste Eindruck von der Stadt war nicht besonders gut. Da reihte sich über viele Kilometer ein Gebrauchtautoladen an den anderen. Wie soll man bei solch einem Angebot ein Auto finden? Und besonders schön waren die Geschäfte auch nicht. Ich hätte da kein Vertrauen. Aber ich lebe ja auch nicht hier. Überhaupt erscheint alles ein wenig dreckig und armselig, wenigstens auf den ersten Blick. Bei der Stadtrundfahrt werden wir dann mehrerleben. Die erfolgt aber erst am Nachmittag. Zuvor steuerten wir das Hotel an, dann ein Restaurant. Pause bis 14 Uhr. In dieser Pause entstand nun der erste Teil meines Tagesberichtes. Vor der Abfahrt hatte ich dann noch die Gelegenheit, das Hotel zu fotografieren (Bild 7). Es sieht von außen nicht besonders schön aus, eher ebenfalls verkommen. Innen aber ist es im Verhältnis zum Sesc-Hotel in Bonito richtig komfortabel und schön. Ob das bei der ganzen Stadt so ist? Wenn ich mir so unsere Gruppe anschaue, finde ich ja auch, dass das, was nach außen hin unscheinbar erscheint, innen recht schön und gut sein kann. Aber das nur nebenbei.

Inzwischen ist es 17 Uhr und wir sind wieder zurück von der Stadtrundfahrt. Mein erster Eindruck war nicht ganz falsch. Es scheint sich um eine eher ärmere und mit wenig Kultur versehene Stadt zu handeln. Nur eine richtig schöne Straße habe ich gesehen und auch gleich fotografiert (Bild 8). Darum zunächst einmal seine Bedeutung. Campo Grande ist also die Hauptstadt von Mato Grosso do Sul, also von Süd-Mato-Grosso. Sie hat 850.000 Einwohner. Eigentlich ist sie schon über 100 Jahre alt, jedoch war sie früher wohl recht bedeutungslos, bis sie vor 41 Jahren Hauptstadt des Bundeslandes wurde, als Mato Grosso in zwei Bundesstaaten geteilt wurde. Warum die Stadt nun so verwahrlost aussieht, kann ich nicht recht verstehen, denn die Einkünfte und Steuern des Landes sprudeln dank 2 jährlichen Ernten von enormen Ausmaßen richtig gut. Ob da wieder die Politiker abgreifen, was abzugreifen geht?

Wir fuhren also los mit unserer neuen Stadtführerin. Die stand vorne im Bus und hauchte ihre Beschreibungen in das Mikrophon, was dann bei uns hinten im Bus wie ein sorlender Bach ankam. Schon nach kurzer Zeit aber stiegen wir aus, um ein oder das „Kunstwerk“ der Stadt zu sehen und um damit fotografiert zu werden. Es waren drei große Plastikararas auf einem großen Plastikast. Darum herum war so eine Art Park angelegt (Bild 9 – 14). Hier also entstanden Gruppenfotos von uns unter lautem Getöse von „Ameisenscheiße“. Dann zurück in den Bus und weiter in Richtung Flughafen, vorbei an endlosen Kasernen. Campo Grande ist also vor allem ein Kasernenhof von enormen Ausmaßen. Da die Stadt in der Nähe von Paraguay liegt, ist hier das westliche Heereskommando stationiert und damit zusammen alle möglichen Waffengattungen der brasilianischen Armee bis zur Luftwaffe in Flughafennähe. Wir fuhren sogar an einem großen Militärkrankenhaus vorbei. Mehrere Kilometer lang waren die Gebieten mit Kasernen, Wohnanlagen für die Angehörigen und die dazu gehörige Infrastruktur. Das sah alles recht ordentlich aus (Bild 15 – 19). Danach ging es weiter an die Kleinmarkthalle mit einem enormen Angebot von Dingen für das tägliche Leben (Bild 20 – 22). Hier bekam ich zwei neue Naturschwämme und Aurora ein Päckchen mit Curry. Eine halbe Stunde wurde uns dafür gegeben, bevor es weiter ging. Ich dachte schon, dass wir jetzt zurück ins Hotel führen, aber weit gefehlt. Durch armselige Häuschen fuhren wir in eine Art Vorstadt, in der sich die Regierungsgebäude befinden. Sie wurden in ein früheres Naturschutzgebiet gebaut, wobei es sich dabei um enorm viele Gebäude handelt: Parlamentsgebäude, Abgeordnetenbüros, Regierungsbüros, Gouverneurspalast, Gerichtsgebäude für alle Instanzen, dazu einem Menge Wohnraum für Angestellte und Parkplätze. Vom Naturschutzgebiet ist wohl nicht mehr viel übrig. Die Gebäude selber konnte ich nicht mehr fotografieren, weil wir dort nicht stehen blieben und weil es schon zu dunkel war, um noch gute Fotos aus dem Bus zu bekommen. Aber das war auch nicht so schlimm, weil es sich ausschließlich um einen Baustil in Beton von vor 40 Jahren handelt, also keine architektonischen Kunstwerke, sondern eher Zweckbauten. Von dort aus ging es dann zum Hotel, vorbei an diversen Universitäten. Es wurde heute früh dunkel, weil wieder Gewitter im Anzug sind. In ganz Brasilien, erfuhren wir dann im Fernsehen, gab es heute Überschwemmungen.

Zum Seitenanfang