9. März 2017, Donnerstag, Canyon Rio do Boi

Das Wetter wurde besser. Der Morgen empfing uns mit herrlichstem Sonnenschein. Der Tag versprach, herrlich zu werden. Um 8 Uhr frühstückten wir und erlebten wieder, dass wir in einer recht schlichten Pousada gelandet waren. Gott sei Dank hatten wir unser eigenes Brot mitgenommen und hatten auch ein Glas Marmelade eingepackt, so dass wir auf das weißeste Weißbrot aller weißen Weißbrote nicht zurückgreifen mussten. Der Kaffee aber war vorzüglich.

Um 9 Uhr kam dann Rogerio, unser Guide, mit seinem Auto angefahren und lud uns ein. Rogerio ist ein Lehrer mit Europaerfahrung und mit einem großartigen Erzählvermögen. Er konnte erzählen und berichten, so dass selbst ich fast alles verstand. Und er war super nett.

Gemeinsam fuhren wir die elende Strecke, die wir gestern schon am späteren Nachmittag den Berg hoch gefahren waren, wieder hinauf. Ich bedauerte sein Auto, doch er meinte, dass es das gewohnt sei und ihm hier noch nie was passiert sei. Nach rund 15 - 20 km gelangten wir an das Tor zum Nationalpark. Dort taten bis vor einigen Jahren noch richtige Rancher Dienst. Dafür musste man aber auch etwas Eintritt zahlen. Heute ist der Eintritt frei, die Rancher weg und die ihre Arbeit wird von einer freiwilligen Organisation erledigt, die dafür am Tor Spenden sammelt. Die Pflege des Nationalparks ist der Wirtschaftsflaute zum Opfer gefallen. Wir spendeten freiwillig und fuhren weiter zum Parkplatz vor den Einstiegen in diverse Wanderwege. Rogerio führte uns gleich mal auf den für heute weitesten Weg zum Ellenbogen-Canyon. Wir liefen also oben auf dem Plateau auf die Canyons zu, die wir dann als tiefe Einschnitte sahen. Der Hinweg war richtig gut. Ich sah zwei kleine Schlangen und zwei kleine Leguane und fühlte mich fit wie Fiffi. 3,3 km war der Weg weit, bis wir an die Aussichtsstellen kamen, die uns diese großartige Landschaft vor Augen führten. Besser als alle Worte sind hier aber die Fotos, die ich gemacht habe.

Nach einer kurzen Pause ging es dann zügig zurück und ich merkte, dass ich doch anscheinend nicht so fit war, wie ich mich auf dem Hinweg gefühlt hatte. Das lag einfach daran, dass es auf dem Hinweg unmerklich leicht bergab ging, während es auf dem Rückweg ganz leicht, aber doch sehr merkbar bergauf ging. Welch ein Unterschied für die Beine! Ich war froh, als wir dann wieder zurück kamen und uns ein wenig verschnaufen konnten. Dabei erfuhr ich, dass noch ein kleiner, weiterer Spaziergang angesagt sei, nur kurz, mal um die Ecke. Also los, mal um die Ecke, rund 1,5 km pro Wegesstrecke, aber wieder zu einmalig schönen Aussichten auf den Canyon, in dessen Tiefe der Rio do Boi (Ochsenfluss) floss. Richtig sauer kann man da dann doch wohl nicht werden, auch wenn die Beine noch so schwer wurden. Wer weiß, wann wir wieder hierher kommen. So habe ich es geschafft und freute mich auf eine geruhsame Heimfahrt über die Schotterstraße, als Rogerio wieder anhielt und sagte, wir könnten alles im Auto lassen, es sei nur noch mal eine wunderschöne Aussicht, nur 5 Minuten von hier. Raus aus dem Auto, keine 5 Minuten, sondern ein Weg von rund 1 km über eine Wiese, einen Bach, den Hügel runter, auf der anderen Seite wieder hoch bis an den Rande des Canyons, von dem aus der Wasserfall in seiner ganzen Länge zu sehen war samt der ganzen Struktur des Canyons. Es war atemberaubend. Nur bin ich auf dem Weg dorthin mit dem Fuß umgeknickt in einem Loch, das ein Wildschwein dort gegraben hatte. Denn Wildschweine gibt es hier und Nasenbären. Gesehen haben wir von diesen Viechern aber keins. Schmerzen hatte ich keine, aber ich war sehr dreckig. Und die Laune wird durch sowas ja auch nicht gerade gut. Und dann fragt mich auch noch Rogerio, ob ich mich alt fühle oder jung. Natürlich alt, gab ich ihm zur Antwort, denn gestern sei ich noch jünger gewesen. Da konnte er nichts gegen sagen.

Um 14 Uhr waren wir dann in der Pousada und ich konnte erst mal duschen, etwas essen und dann schlafen. Meine Beine waren schwer wie Blei. Nachmittags fuhren wir noch mal runter in den Ort, weil wir ja kein Mittagessen bekommen hatten, und kauften etwas Essbares ein. Vermutlich brauchen wir das auch morgen noch, wenn wir wieder so einen Ausflug machen.

Danach aber war nur noch Ruhe und dann frühes Schlafen angesagt.

Zur Pousada sind aber noch ein paar Anmerkungen zu machen, die wir nicht vergessen sollten. Sehr positiv ist, dass das Internet gut funktioniert, besser als in manchen Hotels gehobenerer Klassen. So können wir abends sogar im iPad das Heutejournal schauen und/oder einen Film, was uns allerdings ziemlich überfordert, weil uns mitten im Film die Augen zufallen und dann das iPad hinfällt. Auch wird man hier eher nicht durch den Lärm fremder Menschen belästigt, weil es nicht viele Gäste gibt und die Lage sehr ruhig ist. Schlafen kann man hier sehr viel besser als in Bombinhas, wo im Gebäude und in der Stadt immer recht viel Lärm herrscht.

Weniger gut ist, dass es keinen Zimmerservice gibt. Das bedeutet, dass nicht sauber gemacht, die Handtücher nicht gewechselt und der Müll nicht beseitigt werden. Das haben wir reklamiert, woraufhin es dennoch geschah, allerdings mit dem Hinweis, dass das nicht üblich sei. Das finden wir seltsam. Wie wir später erfuhren, haben die Betreiber der Pousada diese nur gepachtet, so lange ihre eigene Pousada noch nicht geöffnet wurde. So aber ist die dortige Infrastruktur recht mangelhaft, denn es gibt noch nicht einmal eine Stelle, wohin man seinen eigenen Müll bringen kann und es gibt auch so simple Dinge wie Gläser nicht. Wir kauften ein paar billige Gläser im Supermarkt in Praia Grande.  Gut war immerhin, dass die anfangs sehr schwache Beleuchtung inzwischen stärker gemacht worden ist. Jetzt kann ich etwas besser sehen. Starkes Licht oder gar eine Lampe, die vom Bett aus bedient werden kann, suchten wir hier vergeblich.

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