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21. September 2013, Die Reise

Der 19. September ist der Tag X, an dem die Reise in das neue Leben beginnen sollte. Lange hatten wir ihm mit frohem, aber auch besorgtem Blick entgegen gesehen. Am meisten zu schaffen machte uns seit Jahren der Gedanke an die beiden Katzen, die diese lange Reise überstehen müssten, die aber schon so jämmerlich drauf sind, wenn sie nur wenige Meter zur Tierärztin gefahren werden müssen. Wie sollte das nur werden?!
Der Tag war genau durchgeplant. Morgens wollten unser Freund und Nachbar Michael Eyrich und ich das Auto ummelden auf seinen Namen. Unser Auto sollte sein Zweitauto für den Sohn Lukas, der gerade seinen Führerschein macht, werden. Zuvor noch haben Aurora und ich unsere letzten Einkäufe bei Aldi gemacht. Die dortige Filialleiterin verabschiedete uns mit einer großen Umarmung. Sie ist eine sehr nette! Dann ging es mit Michael zur Ummeldestelle, die allerdings erst eine Stunde später öffnete. Warten. Ummelden. Dann weiter in die Innenstadt, weil dort um 11 Uhr das Blindentreffen war. Ich wollte mich bei den Menschen noch für das wunderschöne Bild bedanken, das sie mir zur Verabschiedung geschenkt hatten. So konnte ich noch einmal meine lieben Menschen aus der Blindenarbeit in den Arm nehmen. Das tat uns allen gut.
Aurora war daheim geblieben, weil sie noch die vorhandenen Reste aufräumen und einpacken wollte. Dabei stellte sich heraus, dass wir dringend noch ein weiteres Gepäckstück haben müssten, um wirklich alles mit zu bekommen. Wieder kamen uns die Eyrichs zur Hilfe, denn eine Trainingstasche von Michael wurde jetzt zu unserem 5. Gepäckstück und siehe da: alles konnte eingepackt werden. Besprochen wurde diese Hilfe beim gemeinsamen Mittagessen, das Daniela Eyrich für uns vorbereitet hatte, sozusagen die Henkersmahlzeit.
Gegen 15 Uhr kamen dann zwei Mitarbeiter des Evangelischen Regionalverbandes und nahmen die Wohnung ab. Alles war in Ordnung. Michael würde die restlichen Möbelstücke entsorgen, nachdem auch Sule, unsere Putzfrau, sich die ihr versprochenen Sachen herausgeholt hat.

Um 18.30 Uhr fuhren dann beide Autos von Eyrichs, dabei auch unser alter Golf, vor und wir fingen die Katzen ein, um die lange Reise zu beginnen. Sie sollte, so war die Planung, ungef. 20 Stunden lang dauern, bis wir am 20. gegen Mittag in Bombinhas eintreffen würden. Die Koffer wurden verladen. Die Katzen miauten jämmerlich in unserem alten Golf auf dem Weg zum Flughafen. Aurora saß Gott sei Dank in dem anderen Auto. Am Flughafen begann das Einchecken. Es ging auch ziemlich glatt, weil ja alle Papiere stimmten und vorhanden waren. Wir bezahlten für die Fahrt der Katzen noch einmal 360 € und konnten sie dann abgeben - ein schmerzlicher Augenblick, als sie in ihren beiden Katzenkörben von einem fremden Mann weggeschoben wurden. Aber sie hatten sich inzwischen einigermaßen beruhigt. So konnten wir uns dann von Eyrichs und von Christine und Walter Naegele, die auch zur Verabschiedung gekommen waren, in Ruhe verabschieden. Tschüss! Und danke für alle Freundschaft und Zuwendung!
Es war über allem doch später geworden, so dass wir gar nicht lange auf den Abflug warten mussten. Um 22.05 Uhr sollte er sein und so war es auch. Die Reise begann mit einigen besorgten Gedanken in den Gepäckraum, wo unsere Katzen saßen. Der Flug selber aber war sehr in Ordnung. Wir konnten beide relativ gut und viel schlafen. Und so verging der Flug wie im Fluge. Gegen 5 Uhr Ortszeit waren wir dann in Guarulhos, dem Flughafen von São Paulo. Das Gepäck wurde entladen und in Empfang genommen. Zuletzt kamen auf dem Gepäckband auch die beiden Katzenkörbe mit sich bitter beklagenden, laut miauenden Katzen. Welch ein Gezeter! Ich vermute, sie hatten noch mit verstopften Ohren vom Flug zu tun, denn im Gepäckraum ist kein Druckausgleich. Als sie dann aber bei uns waren, legte sich das Gemaunze recht schnell. Ansonsten hatten sie und die Körbe die Reise gut überstanden.

Jetzt war also nur noch der Flug von 1 Stunde nach Florianopolis zu absolvieren. Das wären wir sicher auf einer Backe absitzen - dachten wir. Also suchten wir, nachdem wir durch den Zoll gegangen waren, was auch eine Weile dauerte, nach dem Eincheckschalter für den nächsten Flug. Dort war eine sehr lange Schlange, denn wir waren dank Zoll die letzten. Da kam eine Dame der Luftfahrtsgesellschaft auf uns zu und sagte Aurora, dass man hier mit den Katzen nicht einchecken könne, sondern ganz woanders hin gehen müsse. Aurora wurde ziemlich ungehalten, sagte zu mir, dass ich hier auf sie warten solle, bis sie die Katzen abgegeben habe. Dann war sie weg. Ich wartete. Sicher vergingen 2 Stunden. Aurora kam nicht zurück. Ich dachte, ich müsste hier stehen bleiben bis zum Jüngsten Tag. Ob der Flug schon weg ist? Dann kam eine Durchsage, dass sich - es folgte ein Name, der so ähnlich wie meiner klang - beim Infoschalter melden sollte. Es war ein Infoschalter in der NÄhe und ich meldete mich. Dort war Aurora nicht zu finden. Also telefonierten die netten Damen mit anderen Infoschaltern und nach weiteren 10 Minuten kam Aurora, den Tränen nahe. Sie hatte die Katzen abgegeben und sie seien jetzt auf dem Weg nach Florianopolis, während wir den Flug verpasst hätten. Sie habe die Katzen aufgeben können, habe mich dann aber vergeblich gesucht - eine Stunde lang. Schließlich sei sie total wütend auf mich und seelisch am Ende zum Infoschalter gegangen, damit sie mich ausrufen. Die weigerten sich erst, gaben aber dann den Tränen nach. So fanden wir wieder zusammen. Ich selber hatte ja auch unschöne Gedanken, allerdings nicht gegen Aurora, sondern gegen Brasilien: Kaum ist man im Land, fangen die Probleme an. Brasilien ist das Problem usw. Wie sollen denn auch schöne Gedanken aufkommen, wenn die Katzen schon nach Florianopolis fliegen, wir aber zurück bleiben?
Zusammen sind wir zum Einchecken gegangen, wo uns gesagt wurde, dass das Flugzeug noch nicht weg sei, weil da die Besitzer der Katzen, die schon an Bord seien, nicht eingecheckt hätten. Jetzt seien die beiden Katzen wieder abgeladen worden und wir könnten sie demnächst zurück bekommen. Dass wir vielleicht noch hätten mitfliegen können, war nicht vorgesehen. Wahrscheinlich hätten uns auch die anderen Fluggäste gekillt, weil der Flug eine große Verspätung hatte wegen uns und der Katzen.
Gott sei Dank wurden uns und den Katzen noch Plätze im nächsten Flug gegeben, der allerdings 7 Stunden später ging. Welch eine Tragödie. Wir stehen auf dem Flugplatz mit dem ganzen Gepäck und den beiden Katzen. Erst mal die Katzenkörbe richten, Kaffee trinken, etwas essen, warten, warten, warten ... Die letzte Stunde waren wir dann noch in der Flughafenkapelle, weil dort ein ruhiges Plätzchen war. Dann einchecken, was wieder lange dauerte, aber dieses Mal von Erfolg gekrönt war. Aurora, die sich an dieser Verspätung schuldig fühlte, ging es am schlechtesten. Den Katzen und mir ging es da noch recht gut.
Um 15.40 Uhr ging dann der Flug los. Eine Stunde später waren wir dann endlich vor Ort. Es regnete wie aus Kübeln. Gepäck abholen. Wieder kamen die Katzen zuletzt an und maunzten wieder voller Protest. Erst als wir uns dann ihrer annahmen, beruhigten sie sich. Und dann die fröhliche Empfang durch Rudi und Marlete, die seit dem Mittag dort auf uns gewartet hatten. Welch eine Freude und Erleichterung mit den beiden Freunden! Und die Katzen wurden von beiden voller liebevoller Freunde begrüßt. Rudi hat einen Lieferwagen, in den unser Gepäck und die Katzen leicht passten. So fuhren wir Richtung Bombinhas. Es schüttete vom Himmel, 20 km Stau aus Florianopolis raus. Die Katzen waren schon apathisch und sagten nichts mehr trotz mancher Schläge durch schlechte Straßen. Erst gegen 19.30 Uhr waren wir dann endlich vor Ort. Bei 5 Stunden Zeitverschiebung waren wir jetzt also genau 29 Stunden unterwegs gewesen. 29 Stunden waren die Katzen im Katzenkorb gewesen. Und als sie dann in unserer Bleibe, der Wohnung von Auroras Schwester, ankamen, stolzierten sie ganz ruhig aus dem Korb, nahmen die neue Umgebung in Besitz und widmeten sich sofort ausgiebig dem neuen Katzenklo, auf dem es ein richtiges Gedränge gab. Beide hatten sich die ganze Zeit gehalten, jetzt aber kam alles aus ihnen heraus. Und beide fraßen und tranken und suchten sich ihr Plätzchen. Sie hatten die Reise von uns allen am besten überstanden, während Aurora am schlimmsten dran war vor Sorge.

Bombinhas nahm uns von keiner schönen Seite in Empfang, denn es kübelte und gewitterte die ganze Nacht. So viel Regen kommt in Frankfurt im ganzen Jahr nicht vom Himmel. Dazu herrschen hier Temperaturen um 17°. Die Wohnung ist klamm und kühl. Dennoch haben wir wunderbar geschlafen, weil wir total erledigt waren von dieser langen Reise. Heute nun werden wir erst mal aufräumen und es behaglicher machen. Chico hat schon seinen Platz auf dem Bett gefunden und er schläft. Susi hat sich ein verborgenes Plätzchen gesucht und schläft auch. Aurora aber macht das, was sie in Frankfurt auch immer machte: aufräumen, gemütlich machen, sauber machen, die Infrastruktur zu schaffen, mit der es sich hier leben lässt. Das Leben in Bombinhas kann beginnen ...

Fotos vom Flug sind in den Fotoalben zu finden

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