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22. September 2013, Der erste Tag

Mein blinder Freund Walter Lichau wies mich in einer liebevollen Mail darauf hin, dass ich, wenn ich am ersten Tag in Bombinhas aufwache, nicht mehr in einem Urlaub bin, sondern für immer und ganz. Was ist das für ein Gefühl, fragt er. In der Tat war das auch im Laufe des gestrigen Tages eine Frage für mich. Jetzt also habe ich hier keine Zeitbegrenzung auf wenige Wochen oder Tage mehr, sondern kann allem den zeitlichen Raum geben, den es braucht, um sich entwickeln zu können. Andererseits: Die Lebensbedingungen sind jetzt so, wie sie hier nun mal sind. Es gibt kein Zurück mehr in vertraute Umgebungen mit vertrauten Menschen und Umständen. Manchmal war bekanntlich Brasilien für mich kein Traum, sondern ein Albtraum. Besonders prickelnd hatte dieser Umzug ja auch nicht begonnen, und wenn ich mir das Wetter anschaue, so legt es Schlimmes nahe. Noch nie in meinem Leben habe ich ein 24-stündiges Gewitter erlebt mit sturzbachartigen Regenfällen. Es regnet fast ohne Unterbrechung, und unter Regen verstehe ich wirklich Regen, keinen deutschen Landregen, sondern wahre Sturzfluten, die da über uns niederprasseln. Gut, dass das Meer in der Nähe ist und die Wassermassen aufnehmen kann, denn sonst wären wir schnell sehr überschwemmt. An einen ersehnten Gang an den Strand ist nicht zu denken. Gut, dass unser neues Auto im 1. Stock des Hauses, in dem sich die Wohnung von Auroras Schwester befindet, geparkt ist und wir es trockenen Fußes erreichen. Für Aurora ist das Wetter besonders schwierig, denn sie möchte so gerne Kleider waschen, kann das aber nicht, weil nichts trocknet. Nach 3 Tagen Nässe beginnt es zu modern. Selbst die Menschen setzen Grünspan an, wenn das so weiter geht. Nicht umsonst haben wir uns in Deutschland einen guten Trockner bekauft, auch wenn die Umweltbilanz eines solchen Gerätes nicht besonders gut ist.

Wie verlief nun der erste Tag? Als erstes machten wir uns auf, Dinge einzukaufen, die wir brauchen. Dazu gehören vor allem Früchte des Landes: Papaya, Mango, Limetten, Mandarinen, aber auch Süßkartoffeln, Manjok und Brotbackmehl. Im Vergleich zu früheren Aufenthalten sind die Preise nicht zu hoch, denn der Real ist ja im Vergleich zum Euro stark gefallen, so dass man jetzt für seine Euros sehr viel mehr Real erhält. Hatte ich vor einem Jahr noch rund 350 Euro für 800 Real bezahlen müssen, kostet der gleiche Realbetrag jetzt nur noch 250 €. Das macht einen riesigen Unterschied zu unseren Gunsten und die Preise für Lebensmittel entspricht in Etwa unseren Lebensmittelpreisen.
Nach dem Einkauf besuchten wir unsere neue Wohnung in der Rua Gavião, die ja noch unmöbliert ist, um wenigstens Emails abzuholen. Hier haben wir schon Internetanschluss, den unser jetziger Aufenthaltsort nicht bieten kann. Die Wohnung ist in sehr gutem Zustand. Man merkt, dass dort eine sehr fleißige Hand tätig war, die alles auf Hochglanz gebracht hat. Leider stellten wir dennoch einige Mängel fest. Das Wlan, das wir vor 6 Monaten zurückgelassen hatten, war verschwunden. Statt dessen gab es ein neues Wlan, jedoch ungesichert. Das geht bekanntlich gar nicht an! Auch funktioniert der Öffner unserer Garage nicht, so dass wir sie derzeit nicht nutzen können. Änderung kann es frühestens morgen geben, denn heute ist Sonntag - Wahlsonntag in Deutschland! Aber das alles sind eher Kleinigkeiten und dazu gemacht, Gelassenheit der Seele zu üben.
Danach Besuch bei Rudi und Marlete, mit denen wir in ein neues Restaurant gingen, das vor allem traditionelles, brasilianisches Essen für Einheimische bot. Es gab keine Riesenauswahl an Essen, jedoch bei weiter genug und vor allem sehr schmackhaft. Ich bezahlte am Ende für alle 4 Personen 68 Real = 33 €. Dafür durfte man sich von allem nehmen so viel man essen konnte. Das kostete pro Person nur umgerechnet 5 €, plus Getränke. Hier werden wir in Zukunft öfter einkehren.
Der Nachmittag und Abend war dann dem Aufräumen vorbehalten. Es fühlt sich gut an, wieder Musik hören zu können, im eigenen Bett zu schlafen und dabei auch noch die eigenen Katzen schnurren zu hören. Dem Chico, der sich abends ganz vorsichtig auf die Dachterrasse, auf der sich unser Zimmer mit Bad befindet, traute, erzählte ich, dass wir immer hier waren, wenn sie alleine in Frankfurt geblieben waren und Daniela und Timo Eyrich auf sie aufgepasst haben. Ich glaube, es hat ihn nicht so interessiert. Jetzt aber begann unsere Musterexemplar von feigem Kater mit der Erkundung der neuen Umwelt. Mit hin und her schlagendem Schwanz schlich er vorsichtig in unbekannte Gefilde, so dass er von mir den Beinahmen von Humboldt erhielt. Jetzt heißt er Chico von Humboldt. Sein Namensvetter hatte ja dereinst auch - allerdings mit sehr viel mehr Mut - den Amazonas durchforscht. Inzwischen bewegen sich beide Katzen ohne Probleme zwischen den Stockwerken, wobei sie dabei durch den anhaltenden Regen gestört werden.

Man versichert uns, dass bis Mittwoch hochsommerliche Temperaturen geherrscht hätten, dass aber seitdem ein großes Tief über Bombinhas hinweg streicht, das wohl auch noch eine Weile erhalten bleibt. Regen gab es alle Jahre immer wieder, aber nicht so stark. Möge es bald besser werden. So aber erhalten wir schon gleich am Anfang eine Härtelektion in Bezug auf das Wetter.

Früchteeinkauf Auf unserer Terrasse
FrüchteeinkaufAuf unserer Terrasse

Chico unter der Decke Susi
Chico unter der DeckeSusi

Chico auf Entdeckungstour Bombinhas - eine Stadt zum Ausspannen
Chico auf EntdeckungstourBombinhas - eine Stadt zum Ausspannen

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