Zur Hauptseite Döring

25. September 2013, Im Zwischenbereich

Heute ist Mittwoch. Vor einer Woche lebten wir schon im Zwischenbereich, weil unsere Möbel und all unser Hab und Gut im Container bereits auf dem Weg nach Brasilien waren und wir uns in einem leeren Haus befanden.
Vor zwei Wochen war der letzte Tag, in dem wir noch in einem intakten Haus in Frankfurt lebten, denn am nächsten Tag fielen die Packer ein, um alles zumeist in Luftpolsterfolien zu verpacken. Seitdem herrscht bei uns also Ausnahmezustand. Jedoch ist es im Rückblick kaum zu glauben, dass das erst so wenige Tage her ist, denn zu viel hat sich in diesen zwei Wochen verändert.

Wie leben wir jetzt? Seit knapp 10 Jahren verbringen wir ständig unseren Urlaub in Bombinhas und wohnen hier in der Wohnung von Auroras Schwester Inha. Inhas Wohnung ist eine Ferienwohnung, meist nur im Sommer genutzt und sie liegt im 5. und damit obersten Stockwerk eines Hauses nahe am Strand. Bis dorthin sind es nur 30 Meter. Bereits vor der Zeit unserer Urlaube hatte unser Freund Rudi zusammen mit einem Maurer auf das flache Dach über Inhas Wohnung eine Suite gebaut. Eine Suite in Brasilien ist ein Zimmer mit Bad. Beides fiel sehr großzügig aus. Hier, so war die Meinung, sollte Aurora ihr Feriendomizil haben. Von Inhas Wohnung aus kommt man über eine Art Wendeltreppe auf das Dach, auf dem nun diese geräumige Suite umgeben von einer Terrasse steht, in der wir seit Jahren Urlaub machen. Hier nun wohnen wir auch jetzt. Inha selber wohnt zusammen mit der Mutter in São Paulo. So steht uns die Wohnung samt Dachsuite zur Verfügung. Für uns bedeutet das Wohnen hier eigentlich nichts anderes als Urlaub, denn so sehr unterscheidet sich ein Urlaub nicht von dem jetzigen Leben. Immer gab es vor allem eins: Erledigen dessen, was erledigt werden muss. Und was erledigt werden muss, hat entweder mit unserer späteren Wohnung und deren Fertigstellung zu tun, oder mit den Behörden. So ist es auch jetzt.
Die ersten Tage waren angefüllt mit Bürokratie. Da wurden zunächst eine Menge Kopien von diversen Papieren erstellt, die dann auch noch notariell beglaubigt werden mussten. Das ging sehr ins Geld. Aber wenn es denn sein muss ... Dann folgte eine besonderer Akt, denn die Zugehörigkeit zum Finanzamtsdistrikt musste geklärt werden. Das ist nötig, um den Container aus den Klauen des Zolls zu bekommen. Da gab es zunächst ein Missverständnis, denn Aurora meinte, wir müssten beim Finanzamt als Ausländer registriert sein, was sie nicht war. Das aber wäre auch nicht nachträglich zu bewerkstelligen gewesen, weswegen die arme Aurora bis zur Klärung ganz schön ins Schwitzen kam. Wir müssen uns lediglich bei dem hiesigen Finanzamt anmelden. Das wiederum ist wirklich einfach und bei der Post zu erledigen. Immerhin hat uns dieser Irrtum eine Fahrt nach Itajai, dem Städtchen am Atlantik, in dem auch der Flughafen Navegantes liegt, das aber doch noch rund 70 km von uns entfernt liegt, eingebracht. Jetzt kennen wir uns dort auch aus, was allemal wichtig ist, weil hier die wichtigsten, für uns zuständigen Behörden lauern. In den nächsten Tagen müssen wir wegen meinem Dauervisum auch dorthin zur Bundespolizei, weil von dort die Nachricht kam, dass noch Papiere fehlten.
Aber auch um unsere Wohnung müssen wir uns kümmern, weil sie so noch nicht ganz bezugsklar ist. Vor allem muss der Wasserdruck erhöht werden. In Brasilien steht auf jedem Haus ein großer Wassertank. Das Leitungswasser wird dort hinauf gepumpt, um dann durch den Eigendruck in die Wohnungen verteilt zu werden. Je höher man also wohnt, desto geringer ist der Wasserdruck. In unserer Wohnung liegt er bei ungef. 0,5 bar. In Deutschland sind mindestens 2 bar vorgeschrieben, oft werden 4 bar erreicht. Das Wasser läuft, aber eben mit sehr geringem Druck. Das hat Auswirkungen auf die Warmwasserversorgung, denn der zentrale Gas-Durchlauferhitzer braucht einen Mindestwasserdruck. Also - und das würde auch die Duschqualität erhöhen - brauchen wir eine Anlage zur Erhöhung des Wasserdrucks. Das wiederum möchte Rudi mit einem Verfahren erreichen, das hier niemand kennt. Davon aber lässt sich Rudi nicht beeindrucken und so herrscht hier seit Jahren Stillstand. Rudi gibt nicht nach und die Handwerker spielen nicht mit. Ich werde sauer, aber auf Rudi kann man nicht richtig sauer sein, weil er einfach zu hilfsbereit und unser guter Freund ist. Der Ton wird mit sich näherndem Einzug aber bestimmter. Jetzt meint Rudi, einen Menschen gefunden zu haben, der das nach seiner Anweisung machen wird. Mal sehen.
Ansonsten ist sehr erfreulich, dass wir in der Wohnung Gas haben und in jedem Raum auch einen Gasofen, mit dem wir in solch kalten Tagen, wie wir sie derzeit erleben, heizen können. Das macht die Wohnung recht behaglich, auch wenn es draußen kalt ist. Auch diese Öfen stammen von Rudi und arbeiten hervorragend. Gestern haben wir sie probehalber in Betrieb genommen. Außerdem muss die Pumpe des Whirlpools repariert werden. Auch das ist in Auftrag gegeben und wurde heute, wie auch eine Rollladenreparatur erledigt. Aurora hat außerdem mit unserem Möbelschreiner gesprochen, um mit ihm einige Dinge zu verabreden, die er machen soll, damit alles fertig wird. Also so langsam ...

Das Wetter spielt hier eine größere Rolle als in Frankfurt, weil sich hier in der Regel sehr viel mehr Leben im Freien abspielt. Wir wurden ja durch eine richtig schlechte Wetterfront empfangen, die in ganz Santa Catarina Überschwemmungen verursachte. Inzwischen hat sich das Wetter sehr gebessert und die Sonne scheint. Warm ist es dennoch nur in der Sonne. Immerhin ist der Wind so stark, dass Aurora jetzt waschen konnte und die Wäsche im Wind sehr schnell trocknet. Das erleichtert das Leben sehr.
Weil wir viel zu tun haben, gehen wir auch oft mittags zum Essen in ein Restaurant, in dem wir schon am ersten Tag waren. Hier gibt es für sehr wenig Geld sehr gutes Essen, das meistens so reichhaltig ist, dass es bis zum Frühstück reicht.
Und die Katzen? - Sie sind noch immer ziemlich unsicher, vermissen sehr die alte Umgebung, die sie seit ihrer frühen Kindheit kennen. Chico ist noch schreckhaft und versteckt sich den ganzen Tag, um dann nachts laut zu maunzen. Susi sucht sich auch immer wieder neue Plätze und man muss sehr vorsichtig mit ihr umgehen, damit sie nicht flieht. Sobald sich aber etwas an der Haustür regt, flitzen beide unter irgendwelche Betten. Auch für sie ist diese Bleibe nur ein Zwischending, was sie allerdings nicht wissen. Wenn die Wohnung dann fertig eingerichtet ist, werden sie dann auch noch einmal neu anfangen müssen - wie wir beiden Menschen auch.
Zuletzt noch eine Besonderheit: Die Schlüsselfrage. Schließanlagen scheinen hier unbekannt zu sein, was sicherlich auch einen guten Sinn macht. Deswegen müssen wir immer mit sehr viel Schlüsseln herum laufen. Jede Wohnung hat ihren eigenen Schlüsselbund. Wenn man das portugiesische Wort für Schlüsselbund wörtlich übersetzt, bedeutet es Schlüsselsoße. Genauso ist es auch: ich laufe immer mit weiten Hosentaschen voller Schlüsselsoßen herum.

Eingangsbereich zu Inhas Wohnung Küchen- und Treppentür
Eingangsbereich zu Inhas WohnungKüchen- und Treppentür

Küche Wohnzimmer
KücheWohnzimmer

Essecke mit Frühstück Treppenaufgang zu unserer Suite
Essecke mit FrühstückTreppenaufgang zu unserer Suite

Eingang zu unserer Suite Unser Bad
Eingang zu unserer SuiteUnser Bad

Terrasse um unssere Suite mit Grillstelle Waschplatz
Terrasse um unssere Suite mit GrillstelleWaschplatz

Blick aufs Meer von unserer Terrasse Fischerboot
Blick aufs Meer von unserer TerrasseFischerboot

Diese Schlüssel brauchen wir alle! Aurora am Abend
Diese Schlüssel brauchen wir alle!Aurora am Abend

Zum Seitenanfang