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2. Oktober, Evangelische Gemeinde in Bombinhas

Es ist jetzt einen Monat und eine Woche her, dass ich in einem Abendmahlsgottesdienst in der katholischen St. Josefskirche von Eschersheim Abschied von meinen vielen Freundinnen und Freunden in der Blindenarbeit und der Andreasgemeinde genommen habe. Gestern nun waren Aurora und ich erstmals hier in Bombinhas in einem Gottesdienst der lutherischen Gemeinde von Bombinhas.
Nachmittags hatten wir wieder einmal den Architekten unseres Hauses „Frankfurt" besucht und von ihm erfahren, dass es abends in Bombinhas einen Abendmahlsgottesdienst geben sollte. Das passte uns ja ganz gut, hatten wir uns doch von unseren Freunden ebenfalls in einem Abendmahlsgottesdienst verabschiedet. Jetzt würden wir, so unsere Hoffnung, auf diese von uns gut empfundene Weise unseren Weg mit dieser neuen Gemeinde beginnen. Zwar hatte ich Bedenken wegen meiner mangelnden Sprachkenntnisse, doch ist es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn man nicht immer alles versteht. Das Sammeln von Eindrücken und Emotionen ist vielleicht auch ganz wichtig.

Um 19.30 Uhr sollte der Gottesdienst beginnen. Wir fuhren gegen 19 Uhr los, um die Kirche auch bei Dunkelheit gut zu finden. So waren wir schon 15 Minuten früher dort und wurden sehr freundlich schon vor der Tür vom stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, hier Presbyterium genannt, auf Deutsch empfangen. Es stellte sich heraus, dass fast alle Gottesdienstbesucher Deutsch konnten, wobei sie untereinander munter zwischen den Sprachen wechselten. Aurora tat es ihnen gleich, sprach hier Deutsch, dort Portugiesisch.
Ungefähr 35 - 40 Personen waren gekommen. Die meisten schienen sich gut zu kennen und gingen unter lauten Freundenausrufen und herzlichen Umarmungen aufeinander zu. Eine Pfarrerswitwe nahm sich unserer besonders an. Sie konnte wirklich sehr gut Deutsch, war Tochter eines deutschen Einwanderers und seit 7 Jahre Witwe. Ihr Mann und sie hatten vor vielen Jahren in Bombinhas ein ziemlich großes Haus gebaut und dort lebte sie jetzt alleine. Von ihr erfuhren wir, dass die Gemeinde recht klein ist, lediglich vielleicht 100 Mitglieder, jedoch nur rund 20 aktive Familien, die sich durch ihre Kirchenabgaben auch ökonomisch an der Gemeinde beteiligen. Für die kleine Anzahl Gemeindeglieder war der Gottesdienst also ganz gut besucht.

Wir saßen auf weißen Plastikstühlen in einem weiten Bogen um den Altar. Eine Kanzel gab es nicht, auch keine Orgel oder Klavier. Die Lieder wurden von zwei alten Herren begleitet, von denen der eine Gitarre spielte und der andere dazu eine dumpfe Trommel schlug. Gesungen wurde sehr kräftig. Ich wäre mit meinem lauten Organ dort gar nicht aufgefallen. Aber ich hatte sowieso beschlossen, es langsam angehen zu lassen und hielt mich darum ziemlich zurück - ja, ich kann das, wenn ich will. Aurora dagegen wurde gleich von den Frauen umlagert und man sprach gerne mit ihr voller Neugier, woher wir denn kämen und wie und wo wir jetzt leben. Der Pfarrer war ein freundlicher Mann geschätzte Mitte 40 und aus Itapemas Stadtteil Meia Praia. Die Kirche ist ein großer, weißer Saal mit einfachster Ausstattung. In einer Ecke hatte man eine offene Küche eingebaut. Hinter dem Altar war an der Wand ein großes Holzkreuz angebracht. Während des Gottesdienstes war hinten noch ein Maler damit beschäftigt, die Wand zu weißen. Es hat nicht weiter gestört.
Die Gottesdienstteilnehmer waren zumeist ältere Frauen - wie in Deutschland. Es gab auch einzelne Familien, eine Konfirmandin und ein Kind.

Der Verlauf des Gottesdienstes war ungewöhnlich. Begrüßung, Lied, Abkündigungen, Lied, Sündenbekenntnis und Absolution, Lied, Textlesungen, Predigt, Abendmahl, Lied, Fürbitten, Lied, Segen, und noch mal eine Fürbitte. Verstanden habe ich wenig, aber nicht nichts. Das Glaubensbekenntnis und Vaterunser waren durchaus als solche zu erkennen. Fremd waren mir die Lieder, die alle aus heimischer Produktion waren, also keine alten, übersetzten, deutschen Lieder. Die Liturgie wurde inbrünstig gesungen, jedoch nach keiner mir erkennbaren Melodie. Nur ein liturgisches Stück war mir bekannt. Bemerkenswert war, dass die Predigt von einer Melodie der Natur unterlegt war, denn durch die offene Tür drang das Zirpen von Grillen und das Quaken von Fröschen: die Melodie einer subtropischen Natur.
Zu Beginn des Gottesdienstes sollten erst mal alle die aufstehen, die sich erstmals dort befanden. Außer uns beiden waren das weitere 5 Menschen. Wir alles stellten uns vor, wobei ich nicht verriet, dass ich selber auch Pfarrer war. Neben uns aber saß ein weiteres, neu dazu gekommenes Ehepaar, bei dem der Mann auch pensionierter Pfarrer war.
Nach dem Gottesdienst wurde noch einmal mit allen gesprochen und man verabschiedete sich voneinander mit herzlichen Umarmungen. Aurora und ich nahmen in unserem kleinen Corsa die Pfarrerswitwe und eine Freundin mit, die in unserer Richtung wohnten. Dabei erfuhren wir, dass die Pfarrerswitwe die Seniorenbeauftragte und -aktivistin der Kommune Bombinhas ist und hier ein Seniorentreffen leitet, zu dem vor allem einheimische, schlichte, alte Menschen kommen. Ich habe gleich mein großes Interesse an sowohl den Treffen, als auch an den Menschen bekundet.
Ich denke, wir werden Anschluss an diese Gemeinde suchen, weil es dort viele nette Menschen gibt. Mit diesem guten Gefühl kamen wir dann gegen 21 Uhr nach Hause.

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