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22. Oktober, Fortschritte

Wir erleben Fortschritte. Endlich! Etwas habe ich gelernt. Wenn man sich mit Brasilianern, besonders mit Handwerkern, verabredet, so wird die Zeit in der Regel nicht eingehalten. Dann sitzt man da und wartet - vergeblich. Nach ein paar Tagen ruft man den Handwerker wieder an und fragt, wann er denn zu kommen gedenkt. Dann macht man wieder einen nächsten Termin aus, ist anwesend und wartet. Dann kommt er vielleicht. Natürlich nicht zur verabredeten Zeit, doch vielleicht 1 Stunde später. Wenn er zuverlässig ist, dann ruft er an, um die Verspätung zu erklären. Dann fühle ich mich zufrieden. So verbrauchen wir enorm viel Zeit mit Warterei. Hier geht es zu wie in Deutschland bei der Telekom: Die 1. Verabredung klappt nie, die 2. Verabredung manchmal und die 3. klappt dann in der Regel.
Es gibt aber auch Menschen, die gar nicht kommen wollen. Sie sagen zwar zu, kommen aber nicht. Dann ruft man an und fragt nach einem neuen Termin, erhält eine Zusage, die wieder nicht eingehalten wird. Und so weiter. Das liegt an einer Nationaleigenschaft, die man einfach kennen muss. Sie besteht darin, dass ein Brasilianer in der Regel nur sehr schlecht nein sagen kann. Lieber vertraut er drauf, dass die anderen um dieses Problem des Neinsagens wissen und sich das nach spätestens drei vergeblichen Verabredungen selber sagen und nicht länger darauf pochen, dass der andere kommen soll. Für unseren Freund Rudi, der sich mit dem unwilligen Installateur und Elektriker Vita mehrfach verabredet hatte, hatte das einen Verdienstausfall von mehreren tausend Euro zur Folge, weil er wegen der Warterei seiner Arbeit nicht nachgehen konnte. Das ist sozusagen ein Lehrgeld für brasilianische Art. Jetzt haben wir es verstanden. Wenn auch die 3. Verabredung nicht klappt, sollte man das Vorhaben mit diesem Menschen vergessen.

Wie gesagt: Wir haben gelernt. Und wir haben einen neuen Elektriker namens Paulo kennen- und schätzengelernt. Bei der 2. Verabredung kam er, wenn auch mit Verspätung. Und dann war er den ganzen Tag bei uns und hat uns die Lampen angebracht. Heute nun kam er noch einmal, um auch die Küchenlampe zu installieren, eine deutsche Lampe, für deren Montage erst noch Voraussetzungen geschaffen werden mussten. Aber jetzt ist sie angebraucht und leuchtet. Damit sind die vorläufigen Arbeiten an der Elektrik abgeschlossen. Jetzt warten wir auf den Container, in dem weitere Lampen sind.
Und während Senhor Paulo noch arbeitete, kam Amarildo, um eine wichtige Arbeit in der Waschküche zu machen. Denn dort soll der Anschluss für den Gas-Durchlauferhitzer von innen nach außen verlegt werden. Fliesen werden abgeklopft, die Mauer aufgebrochen und Anschlüsse werden umgedreht, so dass sie nach außen gehen. Am Ende wird die Arbeit in der Wohnung kaum sichtbar sein, jedoch ist sie ein Riesenaufwand mit viel Baudreck verbunden. Amarildo war beim Bau des Hauses Bauleiter im Auftrag der Baufirma Makom, hat sich dann aber selbständig gemacht. Derzeit wohnt er im Haus. Er hatte die Durchführung der Arbeit schon für das Wochenende angekündigt, aber er kam nicht. Und heute war er ohne weitere Aufforderung da, um die Arbeit zu beginnen und fertigzustellen, bevor der Container kommt. Aurora und ich sind sehr glücklich darüber. Amarildo wird auch in der Lage sein, uns bei der Installation der Wasserdruckanlage zu helfen, denn er kennt sich wie kein Zweiter in unserem Haus aus.

Und noch etwas konnten wir erledigen. Die Besitzurkunden für unsere eigene, große Wohnung ist ja schon seit zwei Wochen fertig. Jetzt sind auch die Maßnahmen für die kleine Wohnung soweit gediehen, dass wir nur noch auf die Fertigstellung warten müssen.

Und wo bleibt der Container? - Wir haben bisher keine andere Auskunft erhalten, als dass er übermorgen endlich in Paranaguá ankommen wird. Mal sehen, ob es stimmt.

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