Zur Hauptseite Döring

18. November, Widerstände

Da ist es also geschafft: Die Möbel sind da und mit ihnen auch eine Menge von Kartons mit unserem Zeug drin. Am 13. November kam der Container schon um 7.45 Uhr. Wir wollten gerade an den Strand gehen, um noch einmal unsere Runde zu drehen, da rief uns unsere neue Nachbarin Malvina an, um uns mitzuteilen, dass der Container gerade vorgefahren sei. Wir spurteten also hin und richtig: da war das Ungetüm mit unseren Sachen drin. Recht zügig konnte jetzt die Arbeit beginnen. Von der Terrasse unserer Penthouse-Wohnung aus beobachtete ich, wie die Plombe, die Herr Inderthal dereinst am 16. September gesetzt hatte, auf gesägt wurde. Als erster unserer Gegenstände kam die Küchentrittleiter hervor. Es war irgendwie bewegend, nun die Dinge, die uns in Frankfurt umgeben hatten und die einen Teil unseres dortigen Heimatgefühls ausmachten, in dieser neuen Umgebung zu sehen und zu erleben, wie sie nach und nach unsere bis dahin leere Wohnung füllten. Wir schufteten bis zum Umfallen, denn es ist gar nicht leicht, die so gut verpackten und verklebten Möbel aus ihrer Verpackung zu holen. Gott sei Dank nahmen sich die Packer, nachdem sie den Container geleert hatten und alle Sachen in der Wohnung waren, des Aufbaus der Möbel an. Zunächst waren die Kleiderschränke dran, denn dafür waren alle Teile vorhanden. Ich hingegen musste erst mal nach den Schrauben suchen, mit denen mein Schreibtisch und die anderen Betten zusammengeschraubt werden. Erst am Nachmittag wurde ich schließlich fündig, so dass die Packer auch die letzten Möbel zusammenschrauben konnten. Ich muss sagen, dass die brasilianischen Packer sehr, sehr fleißig und engagiert waren. Sie leisteten eine hervorragende Arbeit und das bei einer Arbeitstemperatur von sicherlich 30°. Der Schweiß floss bei uns allen in Strömen.

Am Ende des 13. Novembers waren also die Möbel alle aufgebaut und einigermaßen an ihrem Platz. Im Wohnzimmer aber türmten sich die Kartons, soweit sie nicht schon ausgepackt waren. Denn bei der Suche nach den Schrauben mussten wir in fast alle Kartons hinein schauen. Einige wurden dann auch schon geleert. Das Leeren der Kartons aber war hauptsächlich dem 14. und 15. November vorbehalten. So wurde mein Geburtstag zu einem sehr arbeitsintensiven Ereignis. Am Ende des Tage türmten sich die Kleider auf dem Ehebett, Auroras Zimmer war voll von Sachen, die teilweise für andere bestimmt sind, teilweise auch noch keinen Ort zugewiesen bekommen hatten und in meinem kleinen Zimmer wurde vor allem aller Computer- und Technikkram gestapelt. Die Sofaecke ist schon aufgebaut. Dahinter stehen auf dem Boden alle unsere Bilder - und wir haben viele davon. Die meisten Kartons sind verschwunden. Es blieben noch einige übrig mit vor allem Schuhen. In Deutschland braucht man viele Schuhe, hier in Brasilien aber eher nicht. Wohin mit allen diesen unnötigen Schuhen?

Am 16. November fuhr dann Aurora ab nach São Paulo, um ihre Mutter und Schwester zu besuchen. Das war recht gut, denn im Laufe der letzten Tage war Aurora stark an ihre Grenzen gekommen. Sie ist ein Mensch, der Ordnung und Sauberkeit um sich braucht. Dafür macht sie alles. Jetzt aber in diesem Chaos war sie wie eine Ertrinkende. Die Unordnung und der Schmutz schlugen quasi über ihr zusammen und sie litt sehr. Da war es gut, dass sie langfristig geplant und durch den Erwerb einer Flugkarte gezwungen war, sich vom Umzug eine Auszeit zu nehmen. So brachte ich sie nach Navegantes bei Itajai zum Flughafen. Bis zum 20. November ist sie nun weg. Selber nahm ich mir für diesen Tag auch frei, denn auch ich brauchte eine Verschnaufpause.

Gestern aber wurde ich dann doch wieder aktiv und versuchte, einige zu erledigen. Zunächst räumte ich in unserem Schlafzimmer auf. Die Schränke wurden ausgewaschen und dann die Textilien provisorisch eingeordnet. Am Ende kehrte, staubsaugte und wischte ich noch den Raum aus und siehe da: ein großes Erfolgserlebnis, denn der Raum sah richtig bewohnbar aus. Beflügelt von dieser positiven Erfahrung machte ich mich auch an mein eigenes Zimmer, wo ich den PC aufbaute, Drucker und Scanner anschloss, so dass wir jetzt das, was wir zuvor im Internetshop machen mussten, wieder alleine erledigen können. Die Kommoden wurden eingeräumt, das Bett bezogen, die Wasserpfeifen zusammengesetzt und wieder zuletzt gekehrt, gestaubsaugt und gewischt. Und so ist auch mein Zimmer in einer passablen Verfassung.

Dennoch gibt es eine Menge Widerstände zu überwinden.
Der Putz der Wände ist so hart, dass sich keine Nägel einschlagen lassen. Sie verbiegen sich und der Putz platzt ab. Woher bekommt man Nägel, die hier zu gebrauchen sind? Ich könnte schon Bilder aufhängen, aber weiß nicht weiter.
Beim Aufbau des Billy-Regals in der Waschküche stellte sich heraus, dass die Stifte, mit denen die Regalbretter angebracht werden, nicht vorhanden sind. Ich habe eine Hilfemeldung zu Inderthal geschickt, aber von dort noch keine Antwort erhalten.
Bei einer unserer Stehlampen fehlt die Feststellschraube für den Lampenschirm. Es ist ein kleines Plastikteil, doch als ich hier nach einem Ersatz fragte, wurde mir beschieden, dass man nur ganze Lampen habe, keine Ersatzteile. Übrigens ist das eine Erfahrung, die ich schon öfters gemacht habe. Man führt keine Ersatzteile, und das in einem Land, in dem sehr viel selbst gemacht, gebastelt und repariert wird.
Zwar wurde das meiste Verpackungsmaterial von der Umzugsfirma mitgenommen, jedoch waren noch nicht alle Kartons leer, als das Verpackungsmaterial abgeholt wurde. Jetzt haben wir ein massives Müllproblem, das kaum zu lösen ist. Hier gibt es keinen Sperrmüll, keine Papiersammelstellen. Die Müllabfuhr kommt zwar oft, nimmt aber kaum Extramaterial mit. Bei uns vor der Wohnungstür liegen ungef. 30 zusammengefaltete Kartons und wir wissen nicht wohin damit.
Wir hatten vor einigen Monaten 4 Ventilatorlampen der brasilianischen Firma Arno gekauft. Die sind wirklich gut, laufen leise und haben eine Fernbedienung. Das Problem ist nur, dass alle Lampen auf die Fernbedienung anspringen. Man muss etwas im Fernbedienungscode ändern. Wie man das macht, steht in der Anleitung, nur klappt das nicht so, wie es da steht. Mehrere, selbst IT-Fachleute, haben es mit negativem Ergebnis versucht. Der Service sagt, dass es klappt und will darum nicht kommen. Ich vermute, sie haben selber keine Ahnung und wollen sich nicht bloßstellen. Auch gelingt es ihnen nicht, einen Ersatzlampenschirm zu besorgen, weil einer kaputt gegangen ist. Wie gesagt: Ersatzteile sind nicht vorgesehen.
Unser guter Geist Amarildo, der unsere Maschinen schon angeschlossen hat und der auch die Wasserdruckanlage installiert hat, ist in den letzten Tagen auch nicht mehr gekommen. Jetzt liegen überall die restlichen 15 Lampen, die an die Decke bzw. an die Wände kommen müssten, herum.
Es sind noch eine Menge Möbel und Gegenstände da, die für Rudi und Marlete, bzw. Auroras Schwester Inha bestimmt sind. Diese Sachen können erst aus der Wohnung gebracht werden, wenn Rudi da ist. Er aber kommt frühestens in 2 Wochen hierher.

Bleibt also nichts weiter, als sich in Geduld zu üben. Aber das ist für hier nichts Neues. Gerade warte ich geduldig auf einen Teletechniker, der gesagt hat, er käme irgendwann zwischen dem 17. und 20. November. Er legt unser Telefon um von unserer Ferienbleibe in unsere neue Wohnung. Übrigens ist damit eine sehr viel besserer Internetzugang verbunden, durch den wir auch deutsches Fernsehen problemlos sehen können.

Zum Seitenanfang