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21. November, Bald Weihnachten

Es gibt auch Kurioses zu berichten, und das handelt von Weihnachten. Als ich gestern in den Eingangsbereich des Hauses, in dem wir noch immer in unserer Ferienwohnung leben, kam, fand ich es festliche geschmückt. Über allem stand: „Feliz natal!" also: Frohe Weihnachten. Und dabei war ein Weihnachtsmann abgebildet, natürlich einer in Cola-Rot. Das Lustige dabei ist, dass der arme Kerl genauso vermummelt und angezogen ist wie in Deutschland oder den USA. Er hat einen warmen Pelzanzug an, eine warme Zipfelmütze und Stiefel. Allein vom Hinsehen beginne ich zu schwitzen. Denn hier sind inzwischen täglich rund 30°, zumeist verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit. Jedes Textil, was zu viel ist, treibt den Schweiß, der nicht einmal verdunstet, sondern abgetrocknet werden muss.
Also ehrlich: wenn man sich hier unter diesen Umständen befindet, erscheint einem ein Weihnachtsmann in Badehose - von mir aus auch in Cola-Rot - wesentlich verträglicher und sinnvoller. Also fragte ich Aurora, was sie dazu meint. Und sie meinte, dass man in Brasilien schlicht und einfach alles aus den USA oder Europa ungefiltert übernähme. So wäre das auch mit dem armen Weihnachtsmann, der also auch in Brasilien mitten im Sommer so tut, als befände er sich im Schneetreiben. - Na ja, immerhin beginnt man erst jetzt mit der weihnachtlichen Dekoration und nicht schon im September wie in Deutschland, was ja auch eine Kuriosität ist.

Die Beobachtung an sich selber, warme Kleidung nicht mal anschauen zu können, macht mich auf einen vielleicht allgemein menschlichen Mangel an Vorstellungskraft aufmerksam. Ich Deutschland wussten wir, wie warm es hier in Brasilien wird. Wir wussten aber auch, dass es hier im Winter manchmal kühl werden kann. Also haben wir entsprechend unsere Kleidung eingepackt, die Norwegerpulis und Schneeanzüge zurück gelassen und alles Sommerzeug bis hin zu den Herbstsachen eingepackt. Dasselbe galt für die Schuhe. Jetzt packen wir die Sachen aus und stellen fest, dass wir uns kaum vorstellen können, diese warmen Schuhe und Hausschuhe oder diese wunderschönen Pullover aus Baumwolle überhaupt jemals tragen zu können. Beim Einräumen in den Schränken kamen diese Sachen alle ganz nach unten, wo alles lagert, was man sowieso kaum jemals braucht. Selbst Sandalen scheinen zu warm zu sein. Lediglich Badeschlappen sind erträglich. In Deutschland fiel es uns trotz reichlicher Erfahrung mit brasilianischem Klima schwer, uns die Hitze hier vorzustellen. Und hier fällt es uns schwer, uns unsere mangelnde Vorstellungskraft in Deutschland über die hiesigen Klimabedingungen vorzustellen. Nun, wir werden eine Regal aufbauen, in das wir all die vielen Schuhe packen, die wir mitgebracht haben und die noch was taugen.

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