Zur Hauptseite Döring

15. Dezember, Sprache lernen

Wenn wir jetzt ziemlich fertig mit dem Einrichten und Herrichten der Wohnung sind, habe ich Zeit, mit dem intensiveren Sprachstudium anzufangen. Darum habe ich mich bei Babbel.com eingeloggt und auch gleich 6 Monate Kursus bezahlt. Das ist nicht teuer, aber es macht weit mehr Spaß, als wöchentlich zweimal zu einem Volkshochschulkurs zu fahren, um dort auf eine sehr verschulte Weise Portugiesisch zu lernen, und wenn die Lehrerin noch so nett ist. Am 2. Dezember habe ich mich angemeldet und seitdem bin ich jeden Tag mehr oder weniger lange an diesem Programm und dringe in tiefere Geheimnisse der portugiesischen Sprache, die mich einerseits faszinieren, andererseits die Sprache schwieriger machen. Bisher habe ich 8.571 Babbel-Punkte gesammelt. Ob das viel oder wenig ist, kann ich nicht sagen. Die Punkte richten sich einmal nach dem Lernfortschritt, aber vor allem auch an der Zeit, die man im Programm verbringt. Denn man kann Punkte sowohl dadurch sammeln, indem man strikt eine Lektion nach der anderen möglichst erfolgreich bearbeitet, man kann aber auch Punkte sammeln, indem man immer dieselbe Lektion bearbeitet. Dann kann man sie in- und auswendig und bekommt immer volle Punktzahl. Ich habe vor allem und besonders bei den ersten Lektionen das erste Verfahren gewählt und mich von Lektion zu Lektion weiter durchgearbeitet. Das war aber auch nicht so schwierig, weil ich ja nun kein Anfänger mehr bin, mich aber eben dort registriert habe. Dass ich das gemacht habe, liegt natürlich daran, dass der Volkshochschulkurs und Babbel in den Lernstoffen nicht deckungsgleich laufen. Je weiter ich bei Babbel komme, desto mehr Neues erfahre ich. Das Bekannte nimmt ab und das Neue zu. Es gibt aber keinen Punkt, wo man sagen kann: ab hier ist alles neu und bisher war alles bekannt.

Ich habe also mit Anfängerkurs Portugiesisch Nr. 1 angefangen. Das ist wirklich sehr basic. Inzwischen bin ich bei Anfängerkurs Nr. 3 angelangt. Das ist schon nicht mehr basic, obwohl es noch eine Menge gibt, die ich in der Volkshochschule gelernt hatte, die jetzt noch nicht dran waren. Aber es gibt auch schon eine Menge neuer Dinge, die ich lernen musste.
Das erste, was mir weiterhin zu schaffen macht, ist die Aussprache und das schnelle Sprechen, bei dem alle Worte teils verschluckt, teils miteinander verbunden werden. Babbel liebt die Cariocas, also die Bewohner von Rio de Janeiro, denn das Programm fährt voll ab auf deren Dialekt mit den vielen Zischlauten, die wir in São Paulo oder Santa Catarina nicht kennen. Wenn ich also mit Mikro lerne und dabei so spreche, wie ich das von hier kenne, erhalte ich schlechte Aussprachenoten. Die braucht kein Mensch, weswegen ich ohne Spracherkennung weiter mache. Aber wenn mir ein Satz vorgesprochen wird, den ich dann aufschreiben soll, ist es unglaublich schwer, das zu verstehen. Die Artikel, bestehend aus „o" für „der" und „a" für „die", werden einfach in die Worte hineingezogen, wenn sie mit einem Vokal beginnen oder enden. Wie soll der Anfänger wissen, ob hier ein Artikel ist oder nicht, wenn man ihn einfach nicht hören kann? Dazu kommt die schwierige Aussprache mancher Buchstaben. Das R z.B. kann wie „r" oder wie „h" gesprochen werden - wer käme in Deutschland auf die Idee, r wie h auszusprechen! Das H hingegen wird fast nie ausgesprochen. Wenn ja, taucht es gerne hinter einem N auf und wird dann wie J ausgesprochen. Am Wortanfang aber wird es übersehen und steht nur da, weil es so hübsch aussieht. Schlimm ist das L, denn es kann sowohl wirklich ein L sein, kann aber auch ein U sein. So nehme man das nette Wort „Hotel", im Deutschen so ausgesprochen, wie es da steht. Im Portugiesischen aber wird daraus ein „Oteu", was ziemlich verrückt klingt. Aber das ist immer noch nicht alles, denn es gibt auch einige Ausdrücke, die einen erstaunen lassen. Sprachphilosophisch gesehen, scheint mir im Portugiesischen das Individuum sehr viel mehr im Mittelpunkt zu stehen als im Deutschen. Es gibt Situationen, die man im Deutschen nur umständlich wiedergeben kann, die aber mit wenigen Worten im Portugiesischen abgehandelt sind. Beispiel: Für das Deutsche „tragen, bringen, mitnehmen ..." gibt es zwei portugiesische Wörter: „trazer" und „levar". Trazer beschreibt den Vorgang für den Fall, dass sich der Sprecher an dem Ort befindet, zu dem etwas getragen werden soll. Während das Wort „levar" dasselbe bedeutet, wenn der Sprecher etwas woandershin bringt. „Ich bringe einen Kuchen" mit „trazer" heißt, dass ich einen Kuchen zu mir bringe, also einen Kuchen hole. „Ich bringe einen Kuchen" mit „levar" bedeutet, dass ich einen Kuchen wegbringt. Verstanden? - Fällt mir auch schwer und ich mache da immer Fehler. Aber mit der Zeit wird es wohl werden. Mir macht das Babbeln mit Babbel aber richtig Spaß und ich freue mich, wenn es Fortschritte gibt. Und die gibt es, wie mir meine Mitwelt bescheinigt. Heute früh war ich erstmals ganz alleine einkaufen und habe auch die Gespräche an der Fleischtheke gut bewältigt. Da ich auch Amarildo, den früheren Bauleiter an unserem Gebäude, der noch heute ab und zu für uns tätig ist, getroffen habe, habe ich mich mit ihm auch noch über das Wetter unterhalten. Das ging fast gut. Ich konnte zwar was sagen, aber die Menge an Worten, die seinem Munde entströmten, wurden für mich eher zu einem Lautbrei, also einem Brei aus Lauten.

Gestern haben wir auch einen Fernseher gekauft. Sony. Er steht jetzt im Wohnzimmer, ist nicht allzu groß, aber für uns hinreichend. Fernsehen können wir noch nicht, doch ist das Ding sogar ans Internet angeschlossen. Ob es jemals deutsche Fernsehprogramme darauf zu sehen gibt, wird sich am Montag herausstellen, wenn ein Fachmann kommt, um uns das Teil funktionsfähig zu machen. In Klein haben wir schon einen Teil der Heute-Show von gestern sehen können. Aber wir haben es nicht fertig gebracht, das Bild groß zu bekommen. Am Montag kommt ein Fernsehtechniker zu uns.

Zum Seitenanfang