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16. Dezember, Kaffetrinken mit Dona Malvina und Seu Osvaldo

Das Haus von Malvina und OsvaldoDie zu vermietenden Häuser von Malvina und Osvaldo

Das Außenbett Wir finden neue Freunde und kommen in Bombinhas immer besser an. Im Anwesen, das unserem Haus „Frankfurt" gegenüber liegt, wohnt ein älteres Ehepaar - so wie wir - aus Blumenau, die sich hier in Bombinhas einen Zweitwohnsitz geschaffen haben. Sie selber wohnen hier zeitweise zusammen mit ihrer Tochter und Schwiegersohn, die beide ebenfalls in Blumenau leben und arbeiten und die gerne am Wochenende hierher kommen, in einem Haus, das sie sich in den letzten Monaten gemeinsam gebaut haben. Wir waren Zeugen der letzten Arbeiten am Haus. Im wahrsten Sinne des Wortes von oben herab konnten wir den Bauarbeiten folgen und dabei sehen, mit wie viel Fleiß und Geschick Seu (Herr) Osvaldo hier ein wirklich schönes Haus zustande gebracht hat. Wir waren auch schon einmal drinnen. Es ist geräumig und gemütlich.
Früher war an der Stelle, an der jetzt Kies liegt, ein Manjokfeld gewesen. Schade um das Feld, jedoch hat mir Osvaldo versichert, dass er noch ein schönes Feld in Blumenau habe. Hier sieht jetzt alles sehr viel zivilisierter, moderner und mit viel Lebenslust gebaut aus. Allein schon das Doppelbett im Freien, auf dem ab und zu mal abends jemand von den jungen Leuten liegt und sich ausruht, ist eine gute Idee. Wenn es regnet, wird die Matratze natürlich rein geholt.
Malvina und Osvaldo haben nicht viel Geld. Sie bekommt als Rente ein Mindestgehalt, also rund 700 Reais, und er vielleicht 2 Mindestgehälter. Darum vermieten beide ihre drei kleinen Häuschen, die sich neben ihrem Haus auf dem Grundstück befinden. Die Menschen, die dorthin kommen, sind von überall her und sie kommen gerne, weil Malvina sich sehr liebevoll um ihre Gäste kümmert. Sie hat zumeist alle ihre Häuser vermietet, während unsere Wohnung leer steht. Und diese Herzlichkeit ist es auch, die uns so angenehm berührt. Ja, mit diesen einfachen Menschen, die so echt und so liebenswürdig sind, möchten wir gerne befreundet sein.

Dona MalvinaSeu Osvaldo

Am KaffeetischAlso haben wir sie zum Kaffee eingeladen. Und beide kamen. Sie haben sich schick gemacht und saßen nun in einem ihnen ziemlich fremden, nämlich deutschen Ambiente an unserem Kaffeetisch und erzählten munter über dies und das. Osvaldo ist polnischer Abstammung. Seine Großeltern sind 1910 nach Brasilien ausgewandert und haben an verschiedenen Stellen in Paraná und Santa Catarina, zwei aneinander angrenzenden Bundesländern Brasiliens, gelebt und gearbeitet. Er erzählte sogar von einem Fermentationsverfahren, mit dem seine Großmutter selber Hefe hergestellt hat. Er selber war nur wenig in der Schule und wurde mehr in praktischen Dingen ausgebildet, wie man dem Hausbau leicht entnehmen konnte. Malvina hat eher italienische Wurzeln, die aber für sie eine geringere Rolle spielen als für ihren Mann seine polnische Herkunft.
Bemerkenswert waren mehrere Dinge, die sie erzählten. Das Wichtigste für uns war, dass man unten bei ihnen fast jedes Wort, was bei uns besprochen wird, verstehen kann. Die Akustik ist einfach so. Wow! Das muss man wissen! Zwar haben wir meines Wissens nach nichts Unrechtes gesprochen, aber dennoch waren wir froh, dass unsere Umgangssprache Deutsch ist. Herausgekommen ist dabei aber auch, dass es gut ist, dass ich mehr die Klappe halte, weil ich kein Portugiesisch kann. Man kann mir jetzt nichts nachsagen und gelte hier als der Mann mit dem komischen Namen - man nennt sich hier beim Vornamen, wobei mein Doppelname einfach zu viel ist - und als der Alemão, der so ganz nett ist. Klasse! Wir haben ihnen angeboten, mich Hansgi zu nennen. Das Angebot haben sie gerne angenommen.

Sodann wiesen sie uns darauf hin, dass hier fast vor dem Haus ein Fernbus fährt, mit dem man bis nach Curitiba, der Hauptstadt von Paraná, fahren kann. Das ist schon der halbe Weg nach São Paulo, ist aber auch der Ort, an dem die Diakonissenschwestern von Schwester Heidemarie aus Frankfurt-Eschersheim leben, die ich mal besuchen möchte oder die uns mal besuchen sollten. Wir sahen von unserer Terrasse aus den Bus vorbeifahren.

Schließlich erzählten sie uns, wie sich das Leben hier gestaltet. Bombinhas ist kein billiger Badeort, so dass hierher nur Menschen kommen, die etwas Geld haben. Früher waren das vor allem Rechtsanwälte und Ärzte. Heute kommen zunehmend Bauern ( ! ) hierher, was zeigt, dass es der brasilianischen Landwirtschaft gut geht. Nebenbei bemerkt: Letztes Jahr hätte es im Hafen von Paranaguá einen Stau von 40 km Länge gegeben, der dadurch entstand, dass Soja in die Schiffe verladen werden sollte und die Infrastruktur dieser Menge an Früchten nicht gewachsen war.
Oft kommen ganze Großfamilien hierher. Alle tun sich zusammen: Oma, Opa, Pappa und Mamma, Onkel, Tanten, Kinder, Cousins und Cousinen, bilden einen mehrere Autos umfassenden Corso und machen sich auf nach Bombinhas, wo sie sich eine Gemeinschaftsunterkunft suchen. Nicht selten kommen so 12 Personen an, die in eine Unterkunft wollen. Da können wir mit unserer lediglich 4 Personen fassenden Wohnung nicht mithalten. Wohl aber Malvina, die derzeit rund 15 Menschen in ihren Häusern untergebracht hat. Wenn dann eine solche Großunterkunft vielleicht 400 Reais pro Tag kostet, ist das noch immer eine sehr preiswerte Angelegenheit, wenn man ihn auf jede Person herunter rechnet. Auch in Rudis zu vermietender Stadtwohnung passen 12 Personen. In der Hauptsaison zwischen Weihnachten und Neujahr bekommt Rudi dafür 1.000 Reais pro Tag. Auch das ist bei dem vorhandenen Luxus, Platz und Nähe zum Strand ein Schnäppchen, das gerne genommen wird.
Der Nachteil ist, dass Bombinhas außerhalb der Saison eine Art Geisterstadt wird. Zwar könnte man die vielen Ferienwohnungen auch an Einheimische vermieten, jedoch weiß man nicht genau, ob sie dann die Wohnung vor der Saison rechtzeitig wieder räumen und ob sie die Miete überhaupt zahlen. Wir hatten früher, als auf unserem Grundstück noch 4 kleine Häuschen standen, soetwas erlebt. Also bleiben die Wohnungen außerhalb der Saison leer. Trotz des reichhaltigen Angebots an Wohnraum entsteht so für Einheimische Wohnraummangel und die Infrastruktur, die es gibt, bricht zusammen. Viele Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen und man muss ich teilweise mit seinen Gewohnheiten neu orientieren. Im Haus Frankfurt, in dem wir leben, ist derzeit keine einzige Wohnung außer der unsrigen bewohnt. Alle stehen jetzt tageweise buchenden Gästen zur Verfügung. Lediglich eine Bewohnerin möchte nach der Saison mit ihrer Tochter in ihre Wohnung zurückkehren. Bis dahin lebt sie bei ihrer Mutter. Ansonsten kommen die Besitzer nur manchmal zu Besuch.

Auf unserer TerrasseAurora und Malvina

Nach dem Kaffeetrinken besichtigten wir noch unsere Wohnung, bevor die beiden dann zu sich nach Hause gingen. Danach setzte ich mich hin, um diesen Bericht zu schreiben, als bei mir das Telefon läutete. Osvaldo hatte mitbekommen, dass ein Klo bei uns verstopft ist. - Ja, es ist kaum zu verstehen, dass hier alle Klos sehr schnell verstopft sind. Offenbar kann man aus diesem Missstand keine Lehre ziehen und dickere Abflussrohre verlegen oder wenigstens keine Knicke in die Leitungen einbauen, sondern Bögen! - Jetzt kam er mit einer großen, selbst gebauten Pumpe rüber und mit wenigen Handgriffen war das Klo wieder frei. Danke, Osvaldo! Zum Dank schenkte Aurora der Malvina den restlichen Kuchen, der ihr so gut geschmeckt hatte. Sie nahm ihn glücklich entgegen.
Ich glaube, es wird eine gute Freundschaft zwischen uns und wir werden uns täglich sprechen und ab und zu mal besuchen. Osvaldo hat mich ja auch schon eingeladen, mit seinem Boot zur Ilha Porto Belo zu fahren, was ich auch gerne machen würde.

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