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23. Dezember, Weihnachten in der Kirche

Weihnachten begann schon am 4. Advent, denn da fand abends um 20.00 Uhr der diesjährige Weihnachtsgottesdienst in unserer Lutherischen Gemeinde statt. Ich war sehr gespannt darauf, wie das wohl sein würde. In der Tat war die Kirche weihnachtlich geschmückt. Der Weihnachtsbaum war eine hiesige Nadelbaumart mit sehr regelmäßigem Wuchs, jedoch mit weiten Abständen zwischen den Zweigen und den Zweigstufen. An ihm waren LED-Lichterketten befestigt, die in einem orange-gelben Farbton blinkten, mal heller und mal dunkler wurden. Dazwischen hingen wie in Deutschland Kugeln und Glassterne. Unter dem Baum war eine Krippe aufgebaut mit kleinen Figuren auf grünem Moos. Das sah aus wie früher in meiner Kindheit im Elternhaus. Die Kirche selber ist ein eher schlichter, weißer Allzweckraum. Der Altar steht in der Mitte der Breitseite und sieht auch richtig aus wie ein Altar mit einer weißen geklöppelten Decke, Blumen, Adventskranz und Bibel. An der Decke sind die Lampen eher bessere Birnenfassungen. In jeder dieser Fassungen leuchtet eine sehr helle Energiesparlampe. Der Raum ist sehr hell erleuchtet.

Es waren erstaunlich wenig Menschen gekommen. Sonst sind die Gottesdienste sehr viel besser besucht als zum Weihnachtsgottesdienst. Viele der hier lebenden Evangelischen waren wohl schon zu ihren Kindern oder Verwandten abgereist. Dass es nicht zu einem Besucherdebakel kam, lag an etliche Besuchern vor allem aus Blumenau, die als Feriengäste gekommen waren. Der Pfarrer war mit seiner bahaianisch anmutenden Frau und seinem kleinen Sohn, einem 3-Jährigen, der während des Gottesdienstes immer wieder auf den Schoß seines Vaters krabbelte, da. Für die Musik und die Begleitung der Lieder war der Gemeindeleiter, der an einer Elorgel saß, seinem Stellvertreter an der Gitarre und einem weiteren Mann an einer Bongotrommel zuständig. Das ist echter Kontrast gegenüber einer in Deutschland üblichen Orgel.

Ich hatte ein deutsches Weihnachtsliederbuch mitgenommen, da ich vermutete, dass viele Lieder aus Deutschland stammen würden. So war es auch. Der Gottesdienst begann mit einem Lied auf die Melodie „Oh Tannenbaum", jedoch mit einem eindeutig christlich-weihnachtlichen Text. Ebenso wurde „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen" ebenfalls mit einem eindeutig christlichen Text gesungen. Dazwischen kam noch „Tochter Zion" und „Gelobet seist du, Jesu Christ" und ein Lied mit einer mir unbekannten Melodie. Am Ende aber stand - und da wurde es wirklich Weihnachten - „O du fröhliche".

So richtig Weihnachtsstimmung wie in Deutschland kennt man hier wohl nicht. Der hiesigen, anderen Art von Weihnachtsstimmung bin ich noch nicht richtig auf die Spur gekommen. Ich habe davon eher wenig gemerkt. Vielleicht war es das, wozu wir vom Pfarrer am Ende aufgefordert wurden: uns alle gegenseitig in den Arm zu nehmen und uns „feliz natal" zu wünschen. Auf diese Weise habe ich rund 40 Menschen umarmt und ihnen frohe Weihnacht gewünscht. Dabei kam man ins Gespräch. Ein Ehepaar war dabei, dessen Mann aus dem katholischen Teil von Ostwestfalen stammte und dessen brasilianische Frau und Sohn evangelisch waren und den katholischen Vater in die Gemeinde mitnahmen. Ihr Verwandter kam aus Joinville, einer 500.000 Einwohner zählenden Stadt auf dem Weg von hier nach Curitiba) und war ein ehemaliger Franziskaner, bis er vor als rund 40 Jahren seine jetzige Frau kennenlernte. Seitdem lebt er verheiratet in Brasilien.

Am Ende brachten wir Dona nach Hause, wie wir das jedes Mal machen. Sie hatte am Tag zuvor Geburtstag und lud uns nun noch zu einem Kaffeetrinken mit ihrem Partner ein, einem Carioca (gebürtig in Rio) namens Seu Klaus Friedrich.

Heute früh zeigte sich dann am Himmel ein Symbol, das wir eher nicht mit Weihnachten in Verbindung bringen, was aber vielleicht für die andere Art von Weihnachten stehen könnte: Ein großer Regenbogen spannte sich über Bombinhas.

Regenbogen

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