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26. Dezember, Weihnachten

Bombinhas hat sich weihnachtlich herausgeputzt mit Straßenschmuck und Weihnachtsbaum
Die Hauptstraße Leopoldo ZarlingEin Weihnachtsbaum vor einer Apotheke

Unsere Weihnachtsecke mit Baum und Krippe Heiligabend. Ich kenne das noch von Deutschland. Normalerweise schmückte ich dort am Heiligen Abend den Weihnachtsbaum, damit er pünktlich am Abend erstrahlen konnte. Jetzt bin ich Rentner, habe mehr Zeit und darum ist der Baum schon seit Sonntag geschmückt. Dafür hatten wir heute Zeit, noch einmal eine Runde am Strand zu drehen. Als wir morgens aufwachten und raus schauten, zeigte es sich schon, dass ein warmer Tag anbrechen würde. So war es gegeben, die Morgenstunde zu diesem Rundgang zu nutzen. Dabei wird dann der Tag besprochen und die frische Meeresluft eingeatmet. Am Ende des Rundgangs stand ein Besuch beim „Supermercado Schmit" an. Der macht um 8 Uhr auf. Um 8.30 Uhr war der Laden gerammelt voll. Aurora, die Fleisch für den Abend einkaufen wollte, stand in einer langen Schlange an der Fleischtheke. Die Menschen standen sich in den schmalen Gängen zwischen den Regalen im Weg. Später dann, als ich noch zum Gemüsemarkt fuhr, waren dort schon Ananas und Petersilie ausverkauft. Bombinhas an Weihnachten ist der Wahnsinn. Die Schulferien haben gerade begonnen und damit auch die Hauptsaison für uns. Wo früher noch Stille herrschte, ist heute ein Trubel ohne Ende. Besonders nachts wird gefeiert bis zum Morgengrauen. Stille Nacht? - Hier an Weihnachten unbekannt.
So blieben wir nach dem Einkauf daheim, duschten und machten alle Türen und Fenster zu, die Rollläden auf Halbmast, damit die Sonne die Wohnung nicht zu sehr aufheizt. Die Klimaanlage läuft mit eingestellter Temperatur von 25°. Die Kuckucksuhr blieb stehen, denn sie vertrug den Luftzug eines Klimagerätes nicht. Ich stoppte das Gerät und schubste das Pendel der Uhr an und stellte die Zeit. Pünktlich um 16 Uhr kam dann Marlete zu uns. Rudi hing noch in São Paulo fest und feierte mit Auroras Schwester und Mutter. Der Kaffeetisch war gedeckt, die Kerzen angezündet und das Frankfurter Stadtgeläut erklang laut aus den Lautsprechern. Danach ertönte der Quempas von Praetorius. Ich war sehr beeindruckt davon, aber die beiden Brasilianerinnen um mich herum eher nicht. Sie schwatzten und nutzten die Zeit zu einem generellen Austausch. So prallten die beiden Kulturen aufeinander und es war schön so. Ab und zu kamen Telefonate aus der Frankfurt von Menschen, die uns vermissen und umgekehrt. Es tut gut, sich dennoch so gut in ihren Herzen aufgehoben zu wissen.
Am Nachmittag zogen dicke Wolken auf. Es wurde draußen ein wenig angenehmer und wir bekamen Gelegenheit, uns auf die Terrasse zu setzen und ein paar deutsche Weihnachtslieder zu singen, nachdem ich die Holzkohle für das Churrasco, also das Grillen, angemacht hatte. Vom Anzünden bis zum ersten fertigen Steak dauert es immer rund eine Stunde. Und dann mein erstes Weihnachtschurrasco auf deutschem Kugelgrill auf brasilianischer Terrasse und einer brasilianischen Kuh entnommen. Es war richtig lecker und ein Festschmaus mit Wein. In Deutschland gab es in der Regel eher Heringssalat, aber der ist auch gut, besonders wenn er mit Nüssen angemacht worden ist. So verbrachten wir den Abend auf der Terrasse zu dritt plus zwei Katzen, die sich immer wieder mal zeigten. Gegen 23 Uhr brachten wir Marlete heim und wir versuchten zu schlafen. Da fiel es den Gästen im 2. Stock des Hauses ein, ihre Wohnung umzuräumen und die Möbel über den Steinboden zu ziehen. Das war im ganzen Haus zu hören. Kaum war das geschehen, begann um Mitternacht wahrscheinlich aus Freude über die Geburt Christi ein Feuerwerk direkt vor unserem Haus mit Donnerschlägen, die die Katzen in ihre Verstecke trieben. Dann war das erledigt und ich war kurz vorm Einschlafen, da kam eine Mücke mit zarten Zirpen und trieb mir die Mordlust in der Heiligen Nacht ins Gemüt. Schlimm! Licht an, nach Mücke gesucht, Mücke aber nicht gefunden, Licht aus und möglichst schnell einschlafen. Ich glaube, es war gegen 2 Uhr.

Am AbendUnser Weihnachtsfoto

1. Weihnachtstag. Die Nacht war kurz, denn wir wurden für frischen Fisch in einem Fischgeschäft in Porto Belo erwartet. Um 6.30 Uhr standen wir auf und um 7.30 Uhr ging es los. Um diese Zeit hat man noch eine Chance, ohne allzu lange Autoschlagen nach Porto Belo und zurück zu kommen. Wir hatten Glück und es war so, so dass wir mit frischem Fisch schon gegen 9 Uhr wieder daheim waren. Bemerkenswert daran ist, dass hier viele Geschäfte offen haben, als sei überhaupt kein Feiertag. Auch die Menschen verhalten sich recht alltäglich: man geht an den Strand, zieht sich dieselben Klamotten wie sonst auch an und verbringt den Tag ganz wie immer. Aber ich denke, dass das so in fast der ganzen Welt gehandhabt wird. Deutschland und vielleicht auch Schweden sind da Ausnahmen. In Ermangelung eines Gottesdienstes hörte ich darum das Weihnachtsoratorium von Bach. Das ist auch eine Art Gottesdienst, zumal ich ja den Inhalt des Evangeliums von Weihnachten viele Male selber gepredigt hatte, also um die Inhalte bestens Bescheid weiß.
Mittags kamen dann Rudi und Marlete zum Fischessen. Besonders die beiden Männer waren sehr müde, denn Rudi hatte in São Paulo Ähnliches wie ich erlebt: Funkmusik aus Freude über die Geburt Christi - nehmen wir an. Laut war sie, um die stille Nacht zu vertreiben. Lang war sie, damit auch einer gewissen Nachhaltigkeit des Ereignisses Rechnung getragen wird. Begleitet war diese fröhliche Stimmung besonders um Mitternacht von Donnerschlägen diverser Feuerwerke, die wie in Bombinhas auch in São Paulo losgelassen wurden. Und da der arme Rudi angesichts ausufernder Begeisterung nicht schlafen konnte, war er gegen 2 Uhr nachts aufgebrochen mit seinem alten Lieferwagen und war dann gegen 12 Uhr in Bombinhas eingetroffen. Für die Strapaze machte der inzwischen 70-Jährige aber einen sehr fitten Eindruck.
Das mit dem Weihnachtsliedersingen haben wir auf eine andere Gelegenheit vertagt. Schließlich werden wir uns spätestens am 31. Dezember wieder treffen zum Churrasco - dieses Mal MIT Rudi.

2. Weihnachtstag. Also heute. Aber das gibt es nichts zu berichten, denn hier in Brasilien ist das kein Feiertag. Der Alltag ist zurück und die Menschen machen wieder das, was sie die letzten beiden Tage auch gemacht haben: sie gehen an den Strand und zum Supermercado Schmit. Hier trifft man sie alle, und es sind sehr viele ... Das Wetter ist danach, denn die Sonne scheint schon um 7 Uhr und kündigt einen sehr heißen Tag an. So gehen auch Aurora und ich nach dem Frühstück an den Strand zu unserem Rundlauf.
Ab heute ist auch unsere Gästewohnung vermietet. Die Mieter, die sich für 10 Tage angesagt haben, müssen sich wahrscheinlich erst mal von Weihnachten erholen.
Ich selber habe inzwischen den 5. Anfängerkurs für Portugiesisch abgeschossen und bin jetzt in freier Kurssuche auf einen Grammatikkurs gestoßen, der mich aber teilweise sehr an den Anfängerkurs Nr. 1 oder 2 erinnert. Aber da muss man durch. Bemerkenswert ist, wie schwierig nicht das Lesen oder Reden dieser Sprache ist, sondern das Verstehen. Ein Beispiel, das mir besonders gut gefällt: Da steht eigentlich ganz harmlos: „os bons tempos" und meint: „die guten Zeiten". Als Lateiner kann man das vielleicht sogar ableiten. Dann liest jemand diese paar Wort vor und raus kommt: „usch bsch tmpsch" - Es klingt wie ein dumpfes Rauschen im Blätterwald. Wer, bitte, soll sowas verstehen können und einen Zusammenhang zwischen geschriebenem und gesprochenem Wort herstellen können?

Weihnachten auf der TerrasseWeihnachtschurrasco

Zur Erinnerung: Das Weihnachtsgrillen von 2009, als Marlete und Rudi zu Besuch waren, und unser letztjähriges Weihnachtsbild

Weihnachtschurrasco 2009Weihnachtsbild 2012

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