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28. Dezember, Die Saison beginnt

Es ist 0.30 Uhr in Bombinhas und die Saison hat begonnen. Was bedeutet das? An Schlaf ist nicht zu denken. Gegenüber von unserem Haus sind die drei Häuschen von Dona Malvina. Alle 3 sind vermietet wie auch unsere Wohnung. Die Stadt ist gefüllt von lauter Urlaubshungrigen. Und die genießen die Zeit, die ihnen für ihren Urlaub bleibt. Das heißt: von gegenüber tönt seit heute Nachmittag, nachdem die Leute vom Strand zurück waren, Technomusik aus einem Autoradio. Da wird am zweiten Takt noch gearbeitet, denn es ist immer dasselbe. 5 Erwachsene und 5 Kinder sind zu Besuch und laufen noch immer durch das Gelände und schreien. D.h. inzwischen rennen nur noch die Kinder, weil die Erwachsenen dank mancher Bierdose inzwischen in Ohnmacht gefallen sind. Die Musik läuft weiter. 8 Autos parken vor den drei Grundstücken. Es ist inzwischen ruhiger geworden. Zuvor herrschte hier ein sehr lebendiges soziales Leben. Es wurde gegrillt und der Lieblingsbeschäftigung der hiesigen Urlauber nachgegangen, sich möglichst vernehmlich zu machen. Schließlich könnte man vergessen, dass es einen gibt. Also schreit man, was das Zeug hält. Möglichst alle gleichzeitig. Das nennt man dann Lebensfreude. Und zwischendurch erschallen Kanonenschläge, die man zuvor für manche Reais erstanden hat. Unsere Katzen sind nur noch unter dem Sofa zu finden. Und wir machen die neue Erfahrung, dass wir die Rollläden nicht gegen Sturm brauchen, sondern einfach als Lärmschutz. Seu Oswaldo, Dona Malvinas Mann, hat es vorgezogen, in Blumenau zu bleiben, was ich irgendwie nachvollziehen kann. Denn wenn seine Tochter samt Schwiegersohn ihre Freunde einladen und alle gleichzeitig ihre Begeisterung für das Leben allgemein und für sich selber speziell kundtun, dann ist für weiteres Leben daneben kaum Platz. Gerade gibt wieder jemand seiner Lebenslust Ausdruck, indem er zwei Kanonenschläge abfeuert. Kinder fangen an zu schreien und die Katzen verstecken sich. Aber was bedeutet sowas schon angesichts dieser enormen Lebensbegeisterung!
Was ich meine, ist, dass es nicht unbedingt reine Freude ist, hier Weihnachten und Neujahr zu verbringen, denn die hemmungslose Böllerei wird wohl erst nach Neujahr beendet sein, wenn überhaupt. Es wird plötzlich sehr laut, sehr umtriebig, sehr rücksichtslos. Denn alle Menschen, die hier einfallen, bedeuten für Bombinhas zweierlei: 1. Es sind die, die den Wohlstand nach Bombinhas tragen, indem sie hier Urlaub machen. 2. Sie sind aber auch stark bedürftig, das zu tun, was sie sonst nicht machen würden, nämlich sich vollsaufen, krakelen, die Nächte durch machen, rücksichtslos sein usw. Bombinhas hat manchmal etwas vom Ballermann und zwar mehr als den Anfangsbuchstaben. Der Preis für den Wohlstand ist sauer verdient.
Und es gibt weitere Einschränkungen für die hiesige Bevölkerung, denn in den letzten Tagen hat es bereits zweimal Stromausfall gegeben mit allem, was das bedeutet, und das Wasser, das uns das hiesige Wasserwerk liefert, hat eine phosphoreszierende, grüne Farbe. Immerhin gibt es noch Wasser, denn letztes Jahr fiel es für 3 Wochen aus. Da ist es gut, wie wir eine eigene Quelle zu haben. Das Problem ist nur, dass der Behälter auf dem Dach, in das das Wasser aus dieser Quelle fließen soll, seinen Deckel verlor und darum sehr viel Schmutz hinein gekommen ist. Jetzt haben wir auf dem Dach ein Biotop für Mücken mit einer grünen Brühe. Amarildo wollte den Tank säubern und abdecken, hat er es jedoch nicht geschafft, weil er anderes zu tun hatte. Auch das ist ein Nachteil der Saison: Alle haben Wichtigeres als ihre Arbeit, die sich übernommen haben, zu tun. Wir werden also auf eine harte Probe gestellt. Erst Ende Februar ist die Saison vorbei. Dann kehrt wieder Ruhe ein in unsere kleine Stadt.

Inzwischen ist es 8.30 Uhr. Wir sind gerade vom Einkauf im Supermercado Schmit zurückgekommen. Schmit (ausgesprochen: Schimiti) macht um 8.00 Uhr auf. Wir hatten bei unseren morgendlichen Gängen beobachtet, dass bereits um 8.30 Uhr der große Parkplatz um den Supermarkt herum total überfüllt ist und die Autos davor in Schlange davor warten. Also sind wir schon um 7.50 Uhr dort gewesen. Es gab auch noch freie Parkplätze. Der Anblick, der sich uns bot, war uns nicht unbekannt, denn wir hatten schon öfters mal am Montag früh vor Aldi gestanden, wenn es dort Kinderkleidung gab. Sicherlich 100 Menschen strömten schon in den Laden, als er pünktlich ( ! ) öffnete und schlagartig war der Laden so voll, dass man mit seinem Einkaufswagen nicht mehr durch kam. Der kräftig gebaute Filialleiter schmunzelte angesichts der Beliebtheit seiner Filiale. Die vielen Kassiererinnen saßen schon an ihren Plätzen. Es gibt ein Duzend Kassen, die alle besetzt sind. Zusätzlich befinden sich etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Kassen, die mithelfen, alles in jene kleinen Plastikbeutel zu packen, die man später so viel in den Weltmeeren findet.
Schmit ist hier DER Supermercado, wobei es mehrere hier gibt. Das Problem mit den anderen ist deren Sortiment, das oft nicht das enthält, was man braucht. Super-Zoni ist ein ebenfalls großer Supermercado. Aber dort gibt es kein Guaraná Zero, was ich verdünnt mit Wasser gegen den Durst einsetze. Sie haben dort nicht einmal Tomatenmark. Also ist es dort zwar angenehm leer, jedoch nicht ohne Grund. Aber auch Schmit hat seine Angebotslücken, denn man kann sich niemals darauf verlassen, das, was man braucht, dort zuverlässig kaufen zu können. Es gibt kein Grundsortiment. Mal gibt es z.B. Quark, dann ist der Quark wochenlang aus dem Regal verschwunden, um dann plötzlich wieder aufzutauchen. Und dann wird gehortet, so lange es das Zulassungsdatum hergibt. Derzeit laufen wir Brotbackmischungen hinterher, die bis vor einer Woche noch sowohl bei Zoni, als auch bei Schmit im Regal standen, jetzt aber anscheinend völlig unbekannt sind. Aurora hat den kräftigen Herrn von Schmit danach gefragt, der gar nicht wusste, wovon sie redet. Man kann ja auch nicht alles im Kopf haben.
Übrigens trafen wir auf dem Weg zum Schmit unten vor der Haustür 3 junge Menschen, die Sturm läuteten. Es stellte sich heraus, dass es unsere Mieter waren. Sie waren einkaufen gewesen und haben den Hausschlüssel vergessen. Die anderen, die noch zu dieser Gruppe junger Menschen gehören, schlafen jedoch so fest, dass sie das Klingeln in ihrer Wohnung nicht hören. Wahrscheinlich hatten auch sie heute Nacht lange ihrer Lebenslust Ausdruck verliehen und lagen noch im Koma.
Übrigens gingen die Bollerschüsse die ganze Nacht so weiter und halten auch jetzt noch an. Immer gibt es irgendwo jemanden, der meint, die anderen an seiner Freude teilhaben lassen zu müssen. Ist das nicht nett?
Zu unserer Freude wurde heute früh pünktlich ein neuer Kübel mit einer neuen Sichtschutzpflanze geliefert, so dass der Wald auf unserer Terrasse zugenommen hat. Und weil das alles so gut klappte, haben wir auch gleich einen weiteren Kübel bestellt, so dass wir dann demnächst ganz im Grünen sitzen werden.

Noch ein Wort zum Wetter. Es ist seltsam, dass es anscheinend bei Petrus einen Schalter gibt, an dem man genau an Weihnachten den Sommer anschaltet. Schlagartig wird es Jahr für Jahr an Weihnachten über 30° warm und kühlt auch nachts nicht mehr nennenswert ab. Wir haben beschlossen, jetzt unsere Strandgänge auf den späten Nachmittag oder frühen Abend zu verlegen, wenn es mehr windet und die Sonne nicht mehr direkt ins Gesicht scheint.

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