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4. Januar, Probleme der Saison

Es ist inzwischen still geworden in Bombinhas. Es werden nur noch vereinzelt Böller abgeschossen und es wird auch nicht mehr auf der Straße herumgebrüllt, wie das sonst der Fall ist. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Es regnet seit zwei Tagen fast ununterbrochen. Dabei ist es abgekühlt auf rund 20°. Die Wolken hängen sehr tief und die Menschen sind gezwungen, daheim zu bleiben. Nun bedeutet das keineswegs, dass jetzt weniger Menschen in der Stadt sind, denn die haben ihren Urlaub ja schon seit langem geplant und gebucht. Sie kommen also dennoch. Wegbleiben tun nur die Tagesgäste, und das bringt schon eine gewisse Erleichterung. So richtig spüren kann man die allerdings nicht, denn die Menschen sind jetzt nicht an den Stränden, sondern in ihren Autos auf der Straße. Die Hauptstraße ist seit heute früh in beiden Fahrtrichtungen verstopft. Der Verkehr steht, bewegt sich lediglich ruckweise in langen Abständen vorwärts. Heute früh sollte von einer Firma aus Itapema unsere Pumpen aus dem Whirlpool zwecks Reparatur abgeholt werden, doch kam die Firma aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Es geht einfach nicht. Rudi und ich wollten heute im Nachbarort Porto Belo etwas einkaufen, was es hier nicht gibt. Es gelang uns nicht einmal, in die Nähe der Hauptstraße zu kommen, weil auch die Nebenstraßen, die in der Hauptstraße enden, total verstopft sind. Nach 15 Minuten ohne sichtbaren Erfolg gaben wir auf und fuhren über hintere Straßen wieder heim. Wir sind isoliert. Gut, dass wir noch eingekauft haben, als es noch nicht gar so schlimm war, denn auch die Geschäfte sind nicht mehr zu betreten. Die Geldautomaten sind leer. Es bleibt nur noch eins: daheim bleiben und warten, bis es vorüber ist. Wenn das Wetter wieder wechselt, wird es leichter, auch wenn dann Tagesgäste zu den bereits vorhandenen Mengen dazu kommen.

Einen weiteren Effekt hat der Regen: In Bombinhas gibt es kein Klärwerk und kein Abwassernetz. Jedes Haus hat eine Sickergrube. Normalerweise liefern die relativ gute Ergebnisse und filtern das Wasser gut, bevor es wieder ins Grundwasser gelangt. Die Reste werden dann ungef. einmal jährlich von einem Tankauto abgesaugt. Wenn aber eine Sickergrube nicht ordentlich gewartet wird, dann verspeckt sie und filtert nicht mehr ordentlich. Es gibt natürlich Vorschriften, wie eine solche Anlage gewartet werden soll, jedoch ist es sehr schwierig, die Einhaltung dieser Vorschriften zu kontrollieren. Durch den Regen aber füllen sich die Sickergruben sehr viel schneller und die Sickergruben laufen über. Das stinkt ordentlich und der ganze Mist wird letztlich ins Meer gespült, wo es die Strände versaut. Da wir aber eine resolute Bürgermeisterin haben, hat sie verfügt, dass die Stadt jetzt genau kontrolliert, wo Sch... aus den Sickergruben gespült wird. Und da, wo es passiert, hagelt es richtig deftige Strafen. Das füllt natürlich den Säckel der Stadt auf, zeigt aber auch auf, wo beim Abwassersystem geschlampt wurde. Derzeit geht also ein Schnüffeltrupp mit harten Gesichtern durch die Stadt und verteilt Zettel an Umweltsünder.

Die fehlende Kanalisation ist sicher eine Art Zeitbombe für Bombinhas, wo noch immer hemmungslos weiter gebaut wird. Allein von unserem Haus aus können wir 6 weitere Neubauten an Mehrfamilienhäusern sehen. Die Kapazitäten werden also immer mehr erhöht, wobei die Infrastruktur auf der Strecke bleibt. Wie lange geht es noch gut, dass man Sickergruben, die mehr oder weniger gut gewartet werden, baut, bevor das gesamte Ökosystem kollabiert? Die Bürgermeisterin hat eine Kanalisation schon angeregt, stößt aus ökonomischen Erwägungen auf harten Widerstand. Es würde sicherlich für alle Hausbesitzer unglaublich teuer, wenn jetzt nachträglich die so dringend nötige Kanalisation gebaut würde. Und es kommt noch hinzu, dass man nicht weiß, wohin mit dem Abwasser, denn in Bombinhas gibt es nirgends einen Platz, an dem man ein Klärwerk bauen könnte. Man müsste das Wasser ans Festland bringen, um es dort im Hinterland zu klären. Aber auch das wäre eine sehr, sehr teure Angelegenheit. Also: Augen zu und hoffen, dass es nicht so schlimm wird. Noch bekommen wir aus unserer eigenen Quelle recht sauberes Wasser. Welche Qualität es wirklich hat, werden wir demnächst, wenn unsere Isolation aufgehoben ist, in Itapema ermitteln lassen, indem wir eine Wasserprobe zwecks Analyse dorthin bringen.
Die fehlende Infrastruktur macht sich aber auch im Straßennetz bemerkbar, was wir heute wieder deutlich gemerkt haben. Es führt eine einzige zweispurige Straße über einen recht steilen Pass raus aus Bombinhas. Auch außerhalb der Saison ist diese Straße oft verstopft durch Lastwagen mit zu wenig PS, die sich den Berg hoch quälen. In der Saison aber müssen noch sehr viel mehr Lastautos den Weg zu uns antreten, damit die Mengen von Menschen versorgt werden. So sind sie u.a. auch ein Grund für diesen Dauerstau aus Bombinhas heraus und innerhalb von Bombinhas. Man muss sich das so vorstellen: Bombas ist der erste Stadtteil von Bombinhas, in den also die Straße von Porto Belo über den Pass führt. Die Hauptstraße, die Rua Leopoldo Zarling, führt parallel zum Strand durch fast ganz Bombas, teilt sich dann in zwei Straßen. Geradeaus geht es weiter nach Bombinhas, dem Zentralort. Recht geht die Rua Falcão in weitere Stadtteile von Bombinhas. Wer also Bombinhas verlassen möchte, muss unbedingt durch Bombas fahren. Das führt zu täglichen mehrstündigen Staus - gerne in beiden Richtungen, denn hier bewegen sich rund 25.000 Autos mehr pro Tag als außerhalb der Saison.
Es gibt noch einen Weg raus aus Bombinhas. Das ist jener Weg, den wir einmal im Oktober gefahren sind. Er ist wunderschön, jedoch nicht gepflastert, eigentlich verboten und bei Regen nur mit Geländewagen mit Vierradantrieb zu befahren, weil er so steil und so voller Löcher ist.
Eine Umgehungsstraße für Bombinhas mit direktem Anschluss an die Autobahn wird seit Jahren gewünscht und diskutiert, scheitert aber angeblich an Naturschutzbestimmungen. Noch immer ist die zweitwichtigste Traverse durch Bombas eine Art Feldweg. Noch immer ist die Konsequenz dieser Straßenverhältnisse eher darin zu suchen, dass man sich eben vierradgetriebene, geländegängige Autos kauft, was natürlich vor allem für Dienstfahrzeuge von den dafür Verantwortlichen gilt.

Aussicht auf Baustellen von meinem Fenster aus

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