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17. Januar, Tudo bem

Tuodo bem. So begrüßt man sich hier normalerweise und das bedeutet: Alles klar! Tudo bem! Alles klar, auch bei uns. Wenn ich keine Einträge mache, dann liegt auch eigentlich nichts Aufregendes vor, sondern der Alltag hält Einzug. Es geht uns hervorragend und wir haben noch kein Mal bedauert, den Schritt hierher gewagt zu haben. Das alternative Weihnachts- und Neujahrsfest ist abgehakt. Es kommt erst in einem Jahr wieder auf uns zu. Auch haben wir gelernt, mit den Menschenmengen hier zu leben. Es ist auch bei weitem nicht mehr so laut wie früher. Das merkt man an den Katzen, denn sie haben ihre Gelassenheit angesichts der Detonationen verloren und reagieren jetzt wieder wie normale Katzen: Es pfeift, weil eine Rakete abgeschossen wird. Beim ersten Pfeifen gestern war Chico verschwunden, so dass er die Detonation - ja, es gibt sie noch immer täglich, aber weniger - unter dem Bett erlebte.

Der Alltag. Für uns bedeutet das, morgens zwischen 6 und 7 Uhr aufzustehen. Nach dem Frühstück beginnt das Tagesprogramm. Wenn es geht und das Wetter ist einigermaßen, gehen wir erst an den Strand, um unsere Runde zu drehen. Oft klappt das nicht, weil entweder Termine anstehen oder das Wetter so schlecht ist, dass man keinen Bock auf Strand hat. Dann geht es gleich los mit dem Tagesgeschäft. Gestern war dran, dass ein Handwerker wirklich kam und Messungen anstellte, um in der Wohnung von Auroras Schwester auf der oberen Terrasse eine Überdachung zu bauen. Bei Regenfällen kommt es nämlich dort gerne zu Überschwemmungen, die wir gerne verhindern wollen.
Danach gingen wir zur Tierärztin, denn Susi, unsere Katze, hat sich wohl einen Hautpilz eingefangen, den es zu behandeln galt. Die Ärztin war begeistert über die Menge von Impfungen, die in der Katze stecken. Sie versuchte noch, Susi eine Tablette gegen Würmer ins Maul zu schieben, doch Susi war gewitzter und spuckte sie im hohen Bogen immer wieder aus. Daheim verkroch sie sich erst mal. Unser normales Geschäft begann: Aurora putzt und ich mache Portugiesisch. Vokabeln lernen, neue Lektionen aufmachen, wiederholen usw.
Mittags nach dem Essen ist dann der berühmte döringsche Mittagsschlaf angesagt. Und nachmittags geht es dann da weiter, wo wir mittags aufgehört hatten. Gestern waren auch keine Termine, so dass der Nachmittag in den Abend glitt, an dem wir in der Regel auch deutsches Fernsehen schauen. Das allerdings bietet derzeit große Probleme, weil das Internet über eine normale ISDN-Geschwindigkeit nicht hinaus kommt, obwohl wir eigentlich 10 Mbite Übertragungsleistung gebucht haben, also rund 100 Mal schneller als was geboten wird.

Besondere Highlights gab es allerdings doch, denn vorvorgestern kam Wilhelm Normann, der deutsche Pfarrer der Gemeinde in Sao Paulo, zu der wir gehörten und in der wir auch kirchlich geheiratet hatten, mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern zu Besuch. Wir haben zusammen Churrasco gemacht, also gegrillt, und hatten einen richtig schönen, informativen Nachmittag. Wilhem ist seit 28 Jahren mehr oder weniger permanent in Brasilien, spricht Portugiesisch wie seine zweite Muttersprache, ist mit einer Brasilianerin verheiratet (woher kenne ich das nur?) und hat zwei Töchter im Alter von 12 und 14 Jahren. Er hat gerade Urlaub in Bombinhas gemacht und war deswegen auch zu uns gekommen. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

Vorgestern gab es noch ein Highlight, denn wir hatten die jährliche Eigentümerversammlung, bei der über die Probleme im Haus gesprochen wurde. Themen waren die Sickergrube, Alarmanlagen, die Hellhörigkeit, Abrechnungsprobleme, die Putzfrau, die auch gleichzeitig so eine Art Hausmeisterin ist usw. Auch diese Versammlung verlief in guter Stimmung, was absolut keine Selbstverständlichkeit ist. Wir waren sehr zufrieden mit den Miteigentümern. Uns ist das alles sehr wichtig, denn wir sind die einzigen, die hier permanent im Haus leben und wir sind auch die größten Zahler, denn wir besitzen rund 26% der Wohnfläche und haben einen entsprechenden Anteil an den Umlagen zu zahlen. Da ist es wichtig, dass nicht jemand auf die Idee kommt, irgendwelche Prozesse gegen irgendjemanden anzustrengen, die viel Geld kosten und meistens wie das Hornberger Schießen enden.

Und sonst: Bemerkenswert erscheint mir, dass die Kinder hier offenbar alle bis spät in der Nacht draußen spielen dürfen. Niemand kümmert sich darum. So hört man bis nachts um 11 Uhr Kindergeschrei. Das klingt gut und erinnert mich an meine Kindheit, in der wir auch im Sommer immer um 7 Uhr abends im Bett liegen mussten, egal ob die Sonne geschienen hat oder nicht. Das hat mich früher mit Grimm gegen die Eltern erfüllt und macht heute, dass ich mich mit den fröhlich spielenden Kindern freue.

Und noch was gibt es zu berichten. Ich hatte einige Unsicherheiten mit meiner Pension oder Rente. Diese Unsicherheit war durch eine starke Kürzung meiner Bezüge durch die Kirche im Januar noch verstärkt worden. Inzwischen hat sich heraus gestellt, dass ich jetzt mein Geld von drei verschiedenen Stellen erhalte: 1. Die Kirche, die für 2/3 steht. 2. Die Rentenversicherung, die auch einen guten Teil beifügt, nur eben nicht zu Beginn des Monats, sondern am dessen Ende. Und 3. dann die Schweden, die mir für meine schwedischen Jahre auch noch eine Minirente überweisen. Zusammen genommen ist es für uns reichlich, denn das Leben hier ist recht preiswert. Die Hauptausgaben sind Investitionen, die wir zu Begrünung unserer Terrasse und für die Überdachung eines Teils der Terrasse ausgeben. Wenn das abgeschlossen ist, können wir auch wieder an Besuche in Deutschland denken. Vorerst aber haben wir beide keine Lust darauf, auch wenn wir unsere deutschen Freunde vermissen. Es geht uns nämlich gut: Tudo bem! Alles klar!

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