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28. Januar, Wie bekommt man Probleme?

Da leben wir hier ganz fröhlich, tun das, was wir tun müssen und haben eigentlich keine Probleme. Aurora ist nämlich immer darauf bedacht, alles, was erledigt werden muss, auch gleich zu erledigen. Das gilt nach einigen bösen Erfahrungen vor allem im Umgang mit Behörden und da besonders mit dem Finanzamt. Behörden und Finanzamt haben nämlich eine große Macht. Wenn man dort nicht immer alles rechtzeitig bezahlt, dann erhält man auf seine Steuernummer eine Art Eintrag vergleichbar mit der Schufa in Deutschland. Ist die Steuernummer, die CPF heißt, „beschmutzt“, dann wird alles sehr schwierig. Man kann keine Verträge mehr schließen, keine Kredite erhalten usw. Sorgenfrei und wirklich handlungsfähig ist man nur mit einer „sauberen“ CPF. Aurora ist immer für das Saubere.

Sodann muss man wissen, dass es hier eine Kommunalsteuer gibt, die von allen, die Besitz haben, erhoben wird. Diese Steuer heißt IPTU. Jede Kommune erhebt sie in Eigenregie. Im Januar wird die IPTU für das angefangene Jahr fällig. Wer im Januar zahlt – so der Usus in Bombinhas – erhält einen Rabatt von 30%, im Februar nur noch 20% und dann ab April muss mal voll zahlen. Also rennen die, die Geld haben, im Januar los, um die IPTU zu bezahlen. So natürlich auch wir, denn die IPTU ist auch mit Rabatt noch ziemlich hoch. Wir zahlen für unsere beiden Wohnungen rund 1.500 Euro umgerechnet bei vollem Rabatt.

Wir gehen also – es war vor einer Woche – zur Stadtverwaltung. Dort händigt man uns die Überweisungsträger aus und wir stellten fest, dass wir auch die IPTU für eine Wohnung bezahlen sollen, die uns nicht gehört, uns nie gehörte und auch nie gehören wird. Da hat sich also jemand geirrt. Der zuständige Beamte zuckte mit den Schultern. Er könne da nichts machen. So also bekommt man Probleme, die man eigentlich nicht hat. Denn zahlen wir nicht, ist Auroras CPF „beschmutzt“. Aber wie sollen wir für was zahlen, mit dem wir absolut nichts zu tun haben? Also fahren wir zum Bauherrn unseres Hauses. Joice, die Frau des Bauherrn und enge Mitarbeiterin, lacht. „Oh, das ist eine Wohnung, die wir einem Argentinier verkauft haben. Wir bekommen von ihm auch noch Geld. Ich kann ihm ja mailen, dass er jetzt die IPTU bezahlen soll.“
Schreck lass nach: Ein Ausländer, der im Ausland wohnhaft und der schlecht zahlt. Dass er die IPTU bezahlt, würde an ein Wunder grenzen. Zahlt er aber nicht, hat Aurora ein Problem, obwohl sie überhaupt nichts damit zu tun hat.

Gestern nun sind wir tätig geworden. Wir fuhren zum Rathaus, um hier vorstellig zu werden. Zunächst ging es in die juristische Abteilung. Dort saß ein sehr mitfühlender, junger Mann. Aurora erzählt aufgeregt, was ihr Problem ist. Und er hörte ihr wirklich zu. Wurde sie aufgeregt, wurden seine Augen größer, wenn sie von Ungerechtigkeit sprach, kräuselte er seine Stirn, war sie empört, schlug er mit der Faust auf den Tisch. Ich dachte noch, dass er eigentlich eher bei der Kirche arbeiten sollte, wo man seine seelsorgerlichen Fähigkeiten sicher gut brauchen könnte. Am Ende aber meinte er, wir wären in seiner Abteilung erst mal falsch und müssten zur allgemeinen Abteilung gehen, die im Flur gegenüber lag. Dort sollten wir den Mitarbeiter davon überzeugen, dass da ein Fehler vorliegt.
Also rüber zur allgemeinen Abteilung. Nummer ziehen. 13 Leute vor uns, aber immerhin arbeiten dort 4 Beamte der Stadt. Nach einer halben Stunde ist Aurora dran. Flehentlich macht sie auf ihre Misere aufmerksam, spricht engagiert, traurig, wirbt um Verständnis. Der Mitarbeiter hört zu. Ja, da könne er was machen. Er geht in einen nächsten Raum und kommt nach 5 Minuten zurück mit der Nachricht, dass das jetzt geregelt sei und Aurora ein entsprechendes Papier in der juristischen Abteilung erhalten könne.
Wir wechseln wieder die Flurseite. Dieses Mal kommt Aurora an einen anderen Mitarbeiter. Der schaut in seinem PC nach und sagt, dass da nichts geändert worden sei.  Aurora beginnt zu weinen und den Mitarbeiter daran zu erinnern, dass er als Brasilianer doch wohl wisse, wie man unverschuldet und unvermittelt an Problem gelangt, die man eigentlich nicht hat und die man nun einfach nicht lösen könne.
Daraufhin schickt der Mitarbeiter sie wieder zurück zur allgemeinen Abteilung, um dort zu erfragen, ob die Änderung wirklich durchgeführt wurde.
Dieses Mal brauchten wir keine Nummer, sondern mussten einfach warten, bis der Mitarbeiter mit seinem Kundengespräch fertig wurde. Das dauerte. Dann aber kam der junge Mann, hörte sich die bittere Klage von Aurora an, verschwand im Nebenzimmer und kam zurück mit der Nachricht: Die Änderung sei vorgenommen worden, doch müsse die Änderung noch einmal in der Finanzabteilung durchgeführt werden. Erst dann könne die juristische Abteilung das wissen. Seine tröstlichen Worte: „Kommen Sie in einem halben Jahr noch mal in dieser Angelegenheit hierher, dann schauen wir mal, was passiert ist.

Hoffen wir, dass alles gut geht.

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