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27. März, Alles beim Alten

Aurora und ich fuhren heute nach Navegantes, um dort im Schalter der Fluggesellschaft TAM für Aurora einen neuerlichen Flug nach São Paulo zu buchen. Bei einer solchen Fahrt kann man über allerlei sprechen. Und so entstand folgendes Gespräch:
„Weißt du,“ sagte ich, „es ist schön, deine Familie zu treffen, aber irgendwie ist es dort in deinem alten Haus ganz schwierig. Sag mal, warum kann man nicht z.B. die Klos austauschen, damit auch das geschieht, was bei einem WC geschehen soll, nämlich dass das Wasser einfach alles das mitnimmt, was es mitnehmen soll, und nicht nur durcheinander wirbelt. Und wie angenehm wäre es, wenn es dabei nicht verstopft.“
„Da helfen keine neuen Klos. Das ist einfach so hier in Brasilien!“ war Auroras Antwort.
„Seltsam! An das letzte verstopfte Klo in Deutschland kann ich mich Anfang der 60er Jahre erinnern. Dann war das Problem dort irgendwie gelöst. Hier aber ist es allgegenwärtig. Fällt da den brasilianischen Ingenieuren nichts Besseres ein?“
„Wieso Ingenieure? Hier werden die Klos von Maurern eingebaut. Und ein Maurer lernt es von seinem Meister, der es von seinem Meister hat. Man hat schon immer die Klos so eingebaut. Wir  haben hier keine Lehrlingsausbildung wie in Deutschland mit dem dualen System von Schule und Lehrwerkstatt.“
„Das aber heißt doch, dass sich da niemals was ändert!“

Inzwischen waren wir bei der TAM angekommen. Hier bemerkte Aurora bei der Frau am Schalter, dass es sehr schwierig sei, seine Adresse im Kundenverzeichnis der TAM zu ändern. Im Internet wären die Fragen so konzipiert, dass eine Änderung nicht möglich sei.
„Können Sie uns da helfen?“ fragte Aurora. Und die Mitarbeiterin zuckte bedauernd mit den Schultern: „Diese Beschwerde haben wir schon oft gehört, aber leider kann man daran nichts machen. Es ist wegen der Sicherheit.“

Wir fahren in Richtung Heimat. Unterwegs müssen wir tanken. Der junge Mann, der uns das Benzin in den Tank füllt (in der Tat ist dieser Service hier die Regel), fragt uns, wie viel ein Lehrling in Deutschland verdient und staunt, dass ein junger Mensch, der einen Beruf lernt, dabei noch ergänzend zur Schule gehen darf, dafür mehr Geld bekommt, als er jemals in seinem Leben verdient habe. „Das wäre ein Traum für mich: lernen und dafür auch noch Geld zu bekommen. Die jungen Leute in Deutschland müssen sehr glücklich sein.“

Daheim angekommen, versuche ich noch einmal, bei der TAM meine Adresse von Frankfurt weg zu verlegen. Ich logge mich ein und rufe meine persönlichen Daten auf. Wupps, da ist die Seite! Ihr entnehme ich meinen Namen, meine Passnummer und die Anzahl meiner Kinder. Ich ergänze noch das Fragefeld mit meiner bevorzugten Sprache (deutsch) und meinem Beruf (Rentner) und klicke auf den Button „Weiter“. Damit gelange ich auf die nächste Seite, die mich wissen lässt, dass ich noch mein Vaterland angeben müsse. Es gibt einen Button „zurück“. Den klicke ich, stelle dabei fest, dass ich aus dem System ausgeloggt wurde, so dass ich mich neu einloggen muss. Dann stelle ich fest, dass natürlich das, was ich zuvor eingegeben hatte, nicht gespeichert wurde. Also fülle ich das wieder aus und suche das Feld, in dem ich mein Vaterland eintragen kann. Ich suche auf dem Bildschirm, auf dem Tisch, unter dem Tisch, überall, aber es ist nicht zu finden. Ich klicke auf den Button „weiter“ und erhalte denselben Hinweis auf mein Vaterland mit dem Button „zurück“. Also bleibt alles so, wie es ist.

In der Tat hat Brasilien ein Problem und die, die es angehen wollen, kämpfen wie Don Quichotte gegen Windmühlen. Mehr Geld für soziale Einrichtungen statt für Stadien, wie es von den Demonstranten gefordert wird, mag da helfen, aber die Einführung eines funktionierenden Schul- und Ausbildungssystems wäre sicher ebenso wichtig. Und vor allem: Man dürfte allgemein nicht so resignativ zufrieden sein mit den Unzulänglichkeiten es Alltags, damit Entwicklung möglich wird. So aber bleiben alle Puxadinhos bestehen für alle Ewigkeit … (Bitte kein: Amen!)

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