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20. April, Ostern

Es ist das zweite große, christliche Fest, das ich hier verbringe. Entsprechend bin ich neugierig, wie Ostern hier gefeiert wird.

Erst einmal ist nichts zu vermerken, was sich von unserem Alltag unterscheidet. Zwar sind auch wieder viele Leute hier, doch brüllen die nicht so wie an Weihnachten und Karneval. Am ehesten kann man Veränderungen in der katholischen Kirche, die von unserem Schlafzimmer aus ganz gut beobachtet kann, merken. Dort war am Gründonnerstag eine große Schar von Menschen, die dort abends eine Messe feierten. Vielleicht wären wir dorthin gegangen, aber es war zu spät, als wir das merkten. Ebenso war es gestern Nacht, als wir schon im Bett lagen und ich noch mal vor dem Einschlafen meinen obligatorischen Rundgang um unsere Wohnung herum machte. Da war wohl die Auferstehungsfeier zugange. Wieder haben wir alles verpennt!
Zu spät war auch vorgestern am Karfreitag unsere Beobachtung. Tagsüber war nämlich gar nichts los, was mich ziemlich erstaunte. Abends, als wir schon begannen, ins Bett zu gehen, hörten wir einen Lautsprecherwagen, aus dem nicht die gewöhnliche Werbung erschall, sondern Gebetsrufe zum Ave Maria oder dem Vaterunser. Ich eilte auf unsere Terrasse und sah eine ziemlich große Prozession, die bei uns unter dem Haus entlang ging. Lautsprecherwagen vorneweg und hinterher ein Lichterzug. In der Mitte der rund 200 Menschen trug jemand ein großes Holzkreuz. Die Leute sangen und beteten und gingen in Richtung Kirche. Wieder waren wir draußen vor. Nächstes Jahr sind wir schlauer.

Ansonsten bereitete ich mir mein Fest selber. Schon seit Wochen höre ich Passionsmusik, Kantaten, Passionen usw. Aber in die Kirche ging es erst gestern Abend zum Ostergottesdienst, ein gut besuchter Abendmahlsgottesdienst ohne Schnörkel. Aber eine Passionszeit ohne jeglichen Gottesdienst zu verbringen, ist für einen Pfarrer i.R. ungewöhnlich. Und nun ging ich in mich: Habe ich etwas vermisst? – Die ehrliche Antwort: Nein! Und ich stelle fest, dass ich ziemlich aus den kirchlichen Zusammenhängen heraus gerutscht bin, die früher mein Leben stark dominiert haben. Ich bin sozusagen auf die Seite derer gerutscht, die – früher aktiv in der Gemeinde – auf Grund von Umzug in der neuen Gemeinde keinen rechten Anschluss mehr finden. Schnell kommt der Alltag, Neues füllt den Sonntagmorgen und die Gemeinde samt Gottesdienst entgleitet. Das ist eine Seite. Um aber meinem eigenen Bedürfnis nach Gemeine, Kirche, Gottesdienst auf den Grund zu gehen, suchte ich am Karfreitag den Gottesdienst im Ersten Deutschen Fernsehen, um wenigstens an dem teilzunehmen. Aber auch das ging nicht an mich. Die normale, evangelische Szenerie war mir nicht angenehm. In spürte einen Widerwillen zu dem, was ich in Deutschland an kirchlichem Leben erlebt und mitgestaltet hatte. Nun sagt das vor allem etwas über mich selber aus, wenn ich Widerwillen spüre. Ich stelle fest: Es gibt so manche Karfreitage, die ich mit der Evangelischen Kirche verbinde. Ostererlebnisse hatte ich hingegen eher mit Menschen. Entsprechend suche ich auch den Kontakt mit Menschen, während ich zur Evangelischen Kirche mehr und mehr Abstand gewinne, selbst wenn ich gerne Pfarrer war.
Oster ist, wenn neues Leben alte Leiber erfüllt. Ich kann derzeit ganz gut ohne eine Gemeinschaft meinen Glauben leben, fühle mich im Glauben geborgen und von Gott geliebt. Mal sehen, was unser Gott für mich weiter bereit hält.

Osterstrauß am AbendImmerhin haben Aurora und ich einen Osterstrauß gemacht. Dazu sind wir am Karfreitag an die Hecken und Zäune gegangen, um geeignetes Kraut zu sammeln. Dabei hat es mir ein Busch mit feingliedrigen Blättern angetan. Er stand neben der Straße. Und als ich vor ihm stehe, spürte ich ein Brennen auf meinem lediglich mit Sandale bekleideten Fuß. Schon Paulus lehrt, dass der ganze Leib leidet, wenn ihm der kleine Zeh weh tut. Das habe ich wörtlich erfahren, denn ich war in ein Ameisennest getreten und führte im Anschluss den berühmten Ameisentanz auf: Bein hochziehen, schütteln, Sandalen lösen, schütteln, hopsen, jammern in hohen und tiefen Tönen, springen, laufen, wieder schütteln usw. Ich stand für Musik und Tanz, während Aurora dabei stand und meinte: „Da kann man mal sehen, was passiert, wenn man hier nicht hinsieht, wohin man tritt!“ Sie war ein undankbares Publikum.
Jetzt hatten wir aber die begehrten Zweige. Hübsch sahen sie aus. Und als ich dann noch ganz vorsichtig an die junge Bananenstaude ging, um mir ein Bananenblatt zu holen, hatten wir einen scheinbar schönen Strauß beisammen. So könnte es gehen, dachten wir.
Osterstrauß am TagDaheim wurde eine alte Teekanne als Vase genommen und die Zweige samt Eiern und Küken drauf montiert. Leider zeigte sich, dass sich die schönen Blätter schlossen und alles eher wie ein Gestrüpp aussah, als wie ein Osterstrauß. Als ich am nächsten Morgen gegen 6 Uhr aufstand, sah das Arrangement eher kümmerlich aus. Aber o Wunder! Im Laufe des Tages, als es wieder heller wurde und die Sonne die Zweige beschien, öffneten sich die Blätter und der Strauß wurde wieder schön und grün. Ja, so ist Ostern. Da denkt man, etwas sei nur noch Gestrüpp und dann wird daraus doch noch wider Erwarten ein schöner Strauß.

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