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28. April, Ruhe

Wie schnell sich die Zeiten doch ändern können. Es ist inzwischen sehr, sehr still in Bombinhas geworden. Die Stadt igelt sich ein. Wenn ich abends auf der Terrasse meinen Rundgang im Sternenlicht mache, sehe ich in vielen Häusern gar kein Licht mehr. In den meisten Häusern leuchtet es aus einzelnen Fenstern. Wenige Menschen sind auf der Straße, so dass Aurora schon lästert, dass ein deutsches Dorf gegen dieses Leben von Bombinhas noch richtig lebendig wirkt, wobei sie damals in Deutschland fand, dass deutsche Dörfer der Inbegriff von nicht vorhandenem Leben sei und gemeint hat, dass es sowas in Brasilien nicht gäbe. Wie sich der Mensch doch irren kann!

Umso hübscher ist zu sehen, dass in einem Einfamilienhaus in der übernächsten Straße, auf dessen Hof wir schauen können, immer einige alte Menschen draußen sitzen und es sich gut gehen lassen. Dazu kommen dann immer wieder jüngere Menschen und Kinder. Dort ist eine Familie mit 6 – 8 Personen zurück geblieben und lässt es sich gut gehen. Ich glaube, wir werden sie besuchen, damit wir uns danach gegenseitig zuwinken können.

Aber auch das Wetter hat sich stark verändert. Es regnet jetzt öfters und es ist vor allem sehr viel kühler geworden. Wir sind es seit sechs Monaten nicht mehr gewohnt, mehr als kurze Hosen und T-Shirts zu tragen. Jetzt brauchen wir morgens schon manchmal unsere Jacken, die wir uns überstreifen können. Die Temperaturen sind im Haus auf 22° gesunken. Draußen messe ich zwar 28°, jedoch herrscht ein kühler Wind – in Norddeutschland würde man von einer kühlen Briese sprechen. So fühlt sich die Temperatur nicht so warm an, wie einen das Thermometer glauben lässt. Wenn wir morgens an den Strand gehen, müssen wir das T-Shirt angezogen lassen und sind nach den 5 km nicht verschwitzt. Allerdings tragen wir weiterhin kurze Hosen, keine Strümpfe und Badelatschen. Ob meine Füße noch in normale Schuhe passen?

Das mag wie ein Klagen auf hohem Niveau klingen, aber wir sind es einfach nicht mehr gewohnt, uns wie in Deutschland zu kleiden. Das letzte Mal, dass ich ein Oberhemd trug, war in Deutschland, als wir nach Brasilien flogen. Das war im September letzten Jahres.

Auch nachts ist es jetzt kühler, was dem Schlaf gut tut. Heute aber haben wir die normalen, deutschen Bettdecken ausgepackt, um es unter ihnen kuscheliger und wärmer zu haben. Wie gut, dass wir diesbezüglich gut ausgestattet sind. Wenn es denn richtig Winter wird und die Temperaturen weiter sinken, haben wir den ganzen Kleiderschrank voller Sachen, die uns vor dem Erfrieren schützen.

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