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3. Mai, Strand-Trilha

Ein Trilha ist ein Pfad. Solch ein Pfad hat die Eigenschaften, ziemlich schmal – vielleicht 20 - 30 cm, manchmal sehr steinig, steil, unwegsam zu sein und durch den Urwald zu führen. Er ist kein Spazierweg, sondern erfordert gutes Schuhwerk und ein wenig Kondition. Anfang April waren wir auf solch einem Trilha (ausgesprochen: Trilja) auf den Affenberg gestiegen. Danach hatten wir beschlossen, gemeinsam auch den Trilha zu laufen, der am Strand von Bombas beginnt und auf den dortigen Bergrücken führt. So waren wir auch schon einmal los gelaufen, jedoch war das Wetter so trüb und nass, dass wir gleich wieder umkehrten. Jetzt aber war die Gelegenheit – wenigstens für mich, da. Denn Aurora ist heute früh nach São Paulo geflogen und ich war allein. Außerdem hatte sich heute unsere Putzfrau angesagt, der ich nicht ständig in die Quere kommen wollte. Letztlich war das Wetter für solch einen Weg ideal, denn zwar schien die Sonne, jedoch wehte auch ein kühlender Wind, so dass es nicht zu heiß war. Die Sonne versprach schöne Fotos, der Wind einen angenehmen Weg. So ging ich gegen 14 Uhr los, bewaffnet mit Kamera und Entschlossenheit, die Sache jetzt richtig anzugehen. Denn ich hatte gehört, dass noch niemand, den wir kennen, den Weg bis zum Ende gelaufen sei. Das wollte ich – so mein Ehrgeiz – ändern.

Von daheim lief ich erst einmal an den Strand. Der ist inzwischen recht leer und hat wieder ziemlich weißen Sand. Die Sonne schien, es war sehr warm und sehr hell. Der Einstieg in den Trilha ist hinter einer Quelle verborgen. So musste ich erst unter einem Wasserstrahl durch, um dann ziemlich sofort recht steil nach oben zu klettern. Gut, dass ich gute Tennisschuhe anhatte, die meinen Füßen Halt boten und den Fuß nicht abrutschen ließen. Mit Strandlatschen sollte man solch einen Weg besser nicht gehen. Recht steil ging es nach oben. Der Trilha war fast treppenartig, jedoch nicht mit richtigen Stufen, sondern mit Steinen, Baumwurzeln, Unterholz versehen. Man hält sich an Lianen und Gesträuch fest, um sich hoch zu ziehen, bzw. Halt beim Abgang zu haben. Zwischendurch schimmerten immer mal der Strand und unser Bombas durch die Bäume, aber ich hatte vor lauter Schnaufen keinen richtigen Blick dafür. Außerdem musste ich schwer aufpassen, denn manchmal war der Weg nur einen Fuß breit und es ging an der einen Seite steil hoch und auf der anderen Seite steil hinunter, was nicht so erschreckend war, weil man sich ja im Wald bewegte und Unterholz und Bäume den Trilha säumten. Hoch ging es und immer höher bis auf den Kamm des Berges. Der Trilha wurde nun ebener und öffnete sich an kleinen Stellen. Welch eine Aussicht über das tief blaue Meer, die vielen Landzungen und die weißen Bauten von Bombinhas. Es ist atemberaubend schön.

Durch eine kleine Senke hindurch ging es auf den Rücken des angrenzenden Berges, von dem aus das Meer auf der Seite von Porto Belo zu erahnen ist. Rechts war nun unser Meer von Bombinhas, links das Meer von Porto Belo. An der tiefsten Stelle zwischen den Bergen war ein Wasserlauf. Der Trilha verengte sich hier, brach ab, führte über Steine durch eine Senke hinüber auf die andere Seite des Baches, um dann dort weiter zu gehen. Tapfer folgte ich ihm und lief weiter und weiter. Plötzlich taucht am Trilha ein Laternenmast auf. Wie kommt dieser Zeuge der Zivilisation hierher? Als ich näher kam, sah ich, dass kein Kabel dorthin führte. Dennoch stand 100 m weiter wieder ein Laternenmast und dann sogar die Ruine eines Trafohäuschens. Dann lagen dort eine Menge achtkantiger Pflastersteine auf dem Trilha. Sie waren dort weggeworfen worden. Schließlich kam ich auf ein betoniertes Stück, das mal eine Straße gewesen sein könnte. Allerdings war es nur 50 m lang, um dann wieder in einem zwar etwas breiteren, jedoch unbefahrbaren Weg zu enden. Dieser Weg aber führte am Berghang hinab in Richtung Araça, einem Stadtteil von Porto Belo, und endete an einem Fahrweg, der für Autos nutzbar ist. Mein Trilha endete so vor zwei riesigen, gepflegten Grundstücken mit zwei enorm großen Häusern im Toscanastil. Feudales Wohnen an feudaler Stelle unter feudalen Bedingungen, abgetrennt von der Mitwelt durch große Gittertore. Nicht nur mein Trilha endete hier, sondern auch der befestigte Weg für Autos, die zu diesen Villen wollen. Am Ende dieser Straße aber schimmerte das Blau des Meeres zwischen den Bäumen durch. Jetzt, fand ich, wo der Trilha endet und konnte getrost zurückkehren.

Ich kehrte um und überlegte, dass wahrscheinlich ein dritter Bauherr geplant hatte, sich oben am Trilha auch ein Haus hinzustellen. Dazu mussten erst die Vorbedingungen geschaffen werden: Eine Straße für die Baufahrzeuge muss dorthin führen und natürlich braucht man auch Strom. Also fing er an, eine Straße zu bauen und sich Strom legen zu lassen, bevor er einsah, dass das Unternehmen wohl doch nicht so durchführbar war, wie er sich das dachte. Vielleicht wurde er krank oder die Frau lief ihm weg oder er verlor seinen lukrativen Posten. Dass ihm einfach so das Geld ausging, kann ich eher nicht glauben, denn niemand, dem Geld ausgehen könnte, plant solch einen Wahnsinn.

Nach 2 ½ Stunden war ich dann wieder daheim. Und als ich durch die Haustür kam, begegnete mir unser Haus-Mitbewohner Rodrigo mit seiner Freundin, die sich gerade aufmachten, um eben denselben Trilha zu laufen.

Die Bilder zu diesem Ausflug sind in der Fotogalerie zu finden. Sie sind wirklich wunderschön geworden.

 

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