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21 Mai, Friedrich von Eschersheim

Friedrich von Eschersheim frisst Aurora aus der HandWir waren heute ein wenig verspätet am Strand und gingen dort fürbass, als sich ein munterer, junger Hund zu uns gesellte. Wir hatten schon öfters mit ihm Kontakt gehabt und da Aurora eine Tüte mit Hundefutter bei sich hatte, wurde er gleich mal gefüttert. Er ist ein dünnes Tier, das aussieht, als bräuchte es Futter. Und so hat er Aurora aus der Hand gefressen. Es hat ihm deutlich gemundet.

In dieser Zeit konnten wir ihn uns genauer anschauen. Er hat, wie fast alle hellen Hunde, eine Art Krätze auf der Haut und muss sich unablässig jucken. Armer Kerl. Ansonsten aber wirkt er fit wie Fiffi, die Feder. Und als wir uns dann von ihm verabschieden wollten, um unsere Runde weiter zu drehen, blieb er an unserer Seite, als wäre er dressiert. Immer zwei Schritt entweder hinter Aurora oder mir sozusagen bei Fuß. Oft pendelte er zwischen uns, besonders, wenn wir mal weiter auseinander liefen, weil ich gerne mit den Füßen im Meer stehe und Aurora lieber an Land bleibt.

Wir streichelten ihn, er wedelte mit dem Schwanz und ich überlegte, wie er denn wohl heißen könne: Friedrich! Das war klar, denn er ist ein ausgesprochen liebenswerter, friedlicher Kamerad. Aber so sind eigentlich alle wilden Hunde der Rasse „brasilianische Kreuzung von allem“ (vira lata), die ohne Herrchen am Strand leben (müssen). Er kommt vorsichtig mit seinen braunen Augen treu fragend, ob er mitgehen darf, weicht nicht von unserer Seite und scheint treu wie Gold zu sein.

Ein Vorname, fand ich, ist nicht genug. So kam mir spontan sozusagen aus den Unterbewusstsein auch sein Familienname: „Eschersheim“. Und weil er ein so edles Tier ist, bekommt er noch ein „von“ dazu, so dass er jetzt Friedrich von Eschersheim heißt. Das kann zwar kein Brasilianer jemals aussprechen, aber es weiß ja auch kein Brasilianer – außer Aurora natürlich, dass er so heißt.

Friedrich von EschersheimFriedrich von Eschersheim in Giselas Büro

So liefen wir unsere Runde fertig und dachten dann, Friedrich von Eschersheim würde sich nun von uns verabschieden, um sich andere Freunde zu suchen. Aber er folgte uns, weg vom Strand eben wie ein treues Hundchen. Unser Weg führt uns bei der Hundefreundin Gisela vorbei. Dort hielten wir an. Rachel, die Schwiegertochter Giselas, saß im Büro und sah sich unseren Friedrich von Eschersheim an. Sie hat eine Spritze, in der ein Medikament gegen die Krätze ist. Also wurde Friedrich von Eschersheim auf den Boden gelegt. Er stellte sich tot, Aurora kraulte ihn hinter den Ohren und Rachel gab ihm seine Spritze. Er sagt keinen Mucks, berappelte sich dann aber und legte sich unter den Schreibtisch, um ein wenig zu schlafen.

Es wäre ja schön, wenn der dort geblieben wäre, aber als wir dann gehen wollten, war er wieder an unserer Seite bis vor die Haustür. Jetzt sitzt er unten und wartet, dass wir zurück kommen mit neuem Futter und neuer Hundeliebe. Dann wird er uns seinerseits mit seiner Liebe verwöhnen. Ist das nicht schön?

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