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9. Juni, Strandpromenade

Pfingstmontag. Na und? – Hier in Bombinhas ist das ein normaler Arbeitstag wie jeder andere Montag auch. Im Gegensatz zu gestern allerdings scheint heute Mittag die Sonne von einem blitzblauen Himmel und es ist wieder schön warm, wenigstens in der Sonne. In den letzten Tagen war es draußen wirklich sehr garstiges Wetter. Die Wolken hingen tief. Es regnete und stürmte zwei Tage lang, während das Wetter, was wir normalerweise haben, in Deutschland zu finden war: heiß, über 30°, Badewetter.

Schlechtes Wetter

Heute aber ist es wieder schön – wahrscheinlich nur heute, denn für morgen ist wieder Regen angesagt. Also haben wir uns auf den Weg gemacht, um mal wieder an den Strand zu kommen. Dabei haben wir auch Dona Gisela, die Immobilienmaklerin, die in der Saison unsere Gästewohnung vermietet, besucht. Sie erzählte uns, was jetzt mit dem Strandweg los ist, dessen Bau seit Wochen ruht. Laut Gisela ist folgendes passiert:

Ausgangslage war die, dass die alles entscheidende, brasilianische Umweltbehörde von der Notwendigkeit des Baus nicht überzeugt war. Das hatte schon die Bürgermeisterin auf der Versammlung gesagt, hatte jedoch gemeint, sie würden sich sicherlich überzeugen lassen. Da hat sie sich aber geirrt. Denn nicht nur die Behörde, sondern auch ein Anrainer fand die Arbeiten nicht überzeugend und hat Protest eingelegt. Das wiederum war Wasser auf die Mühlen der Behörde, so dass sie sich jetzt unnachgiebig zeigt.

Folgende zwei Hauptargumente werden angeführt – dem eifrigen Leser meines Erlebnisbuches werden sie bekannt vorkommen:

1. Bis letzte Jahr bekam jeder Anrainer, der auch nur einen kleinen, schmalen Zugangsweg durch das Dickicht der Strandbewachsung anlegte, um von seinem Haus an den Strand zu gelangen, von der Stadtverwaltung eine saftige Strafe, weil man sich an der Natur vergriff. In diesem Jahr aber kommen auf Geheiß der gleichen Stadtverwaltung die Bagger und räumen radikal die ganze Natur ab. Das ist doppelmoralisch und nicht hinnehmbar.

2. Schon jetzt zeigt sich, dass durch die fehlende Bepflanzung des Strandes das Meer den Sand immer weiter ausspült, zumal es keinerlei Fundamente oder Verdichtungen unter dem Pflaster gibt. Das Wasser dringt durch die Ritzen zwischen die Holzpfosten ein und nimmt den Sand mit. Dadurch entstehen Löcher im Untergrund und die Steine sacken ab. Die dilettantische Umsetzung der Baupläne gefährdet selbst die Bebauung jenseits des Weges, weil das Erdreich nachrutscht.

die Strandpromenade

Aurora und ich sind den Weg heute abgegangen und haben dabei festgestellt, dass das Grundwasser auf der Landseite des Weges wegen fehlender Ablaufmöglichkeit kleine Seen auf den Grundstücken bildet. Das ergibt hervorragende Brutplätze für Mücken.

Jetzt also ruhen die Arbeiten. Ein Drittel des Strandes ist bereits zu einer Art Wüste geworden. Eine Brücke ist halbfertig, die Pflasterung endet jäh und der Weg selber führt noch ein Stück weit als Sandweg weiter, um dann gänzlich abzubrechen. Ob er jemals fertig gestellt wird, erscheint fraglich. Das Positive ist, dass die Natur an der noch nicht von den Bauarbeiten zerstörten Seite erhalten bleibt. Gott sei Dank! Es wäre wirklich schade darum. Ich aber bewundere die Energie des Anwohners, der sich so erfolgreich gegen dieses Projekt gestellt hat.

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