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19. Juni, Fronleichnam

Fronleichnam in BambergGott sei Dank spielt heute weder Brasilien noch Deutschland, weswegen es durchaus möglich ist, den Ereignissen hier vor Ort die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe Fronleichnam mit seiner Prozession schon in Bamberg miterlebt. Da verwandelt sich die ganze Innenstadt in eine große Kirche, es ist warm, sonnig, sommerlich und die Männer, die die schweren Statuen tragen, haben seltsame Kränze auf den Köpfen. Das wirkt bei aller Andacht kurios, wie das oft bei Volksbräuchen ist. Wie also würde Fronleichnam hier in Bombinhas gefeiert?

Zunächst gibt es einen Unterschied im Wetter, denn es hat mal wieder in der Nacht geregnet und es bläst ein kräftiger, kalter Wind aus Süden von der Antarktis her. Aurora hat in unserem Wohnzimmer erstmals die Klimaanlage als Heizung angemacht. Es ist also eher spätherbstlich kühl als sommerlich warm. Aber eine Frau meinte, dass das gut so sei, denn Fronleichnam und Kälte gehören bei ihr gefühlt zusammen. Daran kann man schon sehen, wie unterschiedlich das Empfinden sein kann. Danach gefragt hatte ich sie, als ich sie zusammen mit anderen am späteren Vormittag antraf, wie sie auf das Straßenpflaster mit Hilfe von verschiedenen Erdsorten Bilder malten. Dieses Malen geht also den eigentlichen Ereignissen voraus und bildet für alle Generationen eine gute Gelegenheit sich zu treffen, um etwas gemeinsam zu machen. Da waren Kinder, viele Jugendliche, Eltern und Großeltern dabei, gemeinsam die Bilder zu gestalten und zu streuen. Dabei wurde geschwätzt und gelacht. Gerne ließen sie sich in ihrer Kunst bewundern und fotografieren, was ich auch ebenso gerne tat. Die Bilder sind im Fotoalbum des Erlebnisbuches zu finden.

Bei meinem vormittäglichen Besuch bin ich auch erstmals in der katholischen Kirche hinein gegangen, wo ebenfalls Jugendliche unter Anleitung Erwachsener dabei waren, den Mittelgang mit Kleidungsstücken zu schmücken, während im Hintergrund eine Band ihre Instrumente aufbauten. Wann denn die Prozession sei, wollte ich wissen. „Um 3 Uhr!“ gab mir eine ältere Frau Bescheid. Ich beschloss, zusammen mit Aurora trotz Fußball anwesend zu sein.

So machten wir uns 10 vor 3 Uhr auf den kurzen Weg zur Kirche, die wir bekanntlich von unserem Schlafzimmerfenster aus sehen können. Zunächst bewunderten wir die fertigen Werke der großen und kleinen Künstlerinnen und Künstler. Dann suchten wir uns einen bescheidenen Platz ganz hinten in der Kirche. Diese Plätze sind sehr rar gesät, da es vielen, die in die Kirche gehen, in der Regel an dergestaltiger Bescheidenheit nicht fehlt. Die hinteren Plätze sind zuerst besetzt. Aber Aurora fand einen schönen Platz und ich beschloss, vorerst an der Wand stehen zu bleiben. Denn auch wenn ich mich in dieser Kirche nicht unwohl fühle, so bin ich hier dennoch eher ein Gast, der auch noch die Absicht hat zu fotografieren. Aber von hier aus konnte ich in aller Stille, ohne Blitz, ohne Störung einige Fotos machen und dabei auch noch im Rahmen meiner sprachlichen Möglichkeiten der Messe folgen. Was dabei auffällt, ist, dass die Band vorne recht moderne Rhythmen spielte und die Gemeinde gut mitsang. Wir hören den Gesang ja jeden Sonntagmorgen von der Kirche zu uns herüber schallen. Jetzt saßen wir erstmals mitten drin. Viel zu sagen gibt es über diese Messe nicht. Bemerkenswert war, dass es einen Opfergang für die Armen gab und es um die Urne, in der die Gaben gesammelt wurden, ein großes Gedränge gab. Weitere Kollekte wurde nicht gesammelt.

Nach 1½ Stunden endete die Messe mit der Prozession, wobei das zentrale „Heiligtum“, die Monstranz mit der Hostie, über die Erdbilder getragen wurde. Wie schön, diese Prozession auch unter unserer Wohnung ziehen zu sehen.

Den Umstand, dass man von der Kirche zu uns und umgekehrt gute Sicht hat, habe ich mir dann auch zu Nutze gemacht. Denn als wir, die wir nicht mitliefen, daheim waren, war die Prozession auch schon fast fertig. Sie hatte nur um die bekannten vier Ecken geführt und war nun schon wieder zurück, so dass sie von unserer Terrasse aus gut zu fotografieren war.

Ich muss sagen, dass es die katholische Kirche ist, die hier für die kulturellen Höhepunkte sorgt. Aber warum auch nicht?!?!?!

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