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14. Juli, Gewonnen

„Sou Alemão; com muito orgulho, e muito amor“ (Ich bin Deutscher, mit viel Stolz, und viel Liebe) zu Brasilien. So klingt es derzeit durch die Wohnung hier in Bombinhas, im Herzen Brasiliens, in Abwandlung eines Fußballgesangs der Brasilianer, die dabei eher ihr eigenes Land im Blick haben. Die Zeit der Trauer um Brasiliens Ausscheiden ist vorüber und die Zeit der Freude ist gekommen.

Heute früh wurde erst einmal ein deutsches T-Shirt, hergestellt für diese Weltmeisterschaft, angezogen. Priscila hatte für uns die Daumen gedrückt. Sie kam um 8 Uhr pünktlich und wir freuten uns zusammen. Auroras Begeisterung hält sich noch immer eher in Grenzen, wenn sie auch nicht mehr so traurig ist wie vorher. Jetzt freue ich mich auf die Glückwünsche, die mir übermittelt werden, wenn wir an den Strand gehen oder in die Geschäfte. Deutschland ist Fußball-Weltmeister in Brasilien, im Maracaná-Stadion von Rio, geworden. Das ist schon was für einen Deutschen, der in diesem Heimatland des Fußballs lebt!

Gestern Abend war auch Bombinhas wie leer gefegt. Nur in unserem Nachbarhaus gab es offenbar ein Fest ohne Fußball, denn dort wurde die Klampfe gespielt und dabei Gaucho-Lieder gesungen. Dennoch haben offenbar viele das Endspiel gesehen, auch wenn sie eigentlich keine Emotionen mehr dafür frei setzen konnten. Am Fleischstand von Schmit wurde mir zwar gratuliert, aber meine Aufforderung nach Unterstützung der deutschen Mannschaft im Endspiel wurde eher mit einem Schulterzucken beantwortet. Als ich dann im deutschen Fernsehen hörte, dass 2/3 der Brasilianer für Deutschland seien, konnte ich das nicht verstehen, denn dieses Endspiel war ohne Emotionen für sicherlich 90% der Brasilianer. Ob sie diese 2/3 auf die restlichen 10% bezog? Wie dem auch sei, habe ich während der ganzen WM in den Fernsehreportagen sehr viel Hochachtung und Bewunderung für den deutschen Fußball gespürt. Und ehrlich gesagt: Angesichts der Rivalitäten im Fußball zwischen Argentinien und Brasilien wäre es für die Brasilianer sicherlich bis an ihr Lebensende nicht lustig geworden, wenn sie von den Argentiniern ständig daran erinnert würden, dass in ihrem eigenen Land ausgerechnet sie Weltmeister geworden wären. So ist es in jeder Weise besser so, auch wenn Messi seinen Preis als bester Spieler des Turniers mit einem Gesicht entgegen genommen hat, als „hätte er wenig Freunde“ (brasilianische Redensart für ein saures, trauriges Gesicht).

Nach dem Spiel gestern waren zunächst einige Raketen zu hören. Ich glaube, es waren ungefähr fünf, für jeden hier lebenden Deutschen eine. Danach war wieder Stille, bis dann das Telefon läutete und Gustavo, mein Freund und Kollege aus Itapema, gratulierte und sich mit mir freute.

Deutschland wurde also nach 24 Jahren wieder Fußball-Weltmeister. Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, aber ich spüre auch: Die Welt dreht sich weiter, die Wohnung muss geputzt werden, wir müssen einkaufen und haben Termine, als wäre nichts geschehen …

Nachdem ich nun vom Strand und vom Gemüsemarkt zurück bin, kann ich noch vermelden, dass die Reaktionen von vielen Leuten, besonders von jungen Männern, hübsch war: Man sieht mich im deutschen Hemd, ein Lächeln geht über das Gesicht, der Daumen fährt hoch – ein Zeichen für Anerkennung und Mitfreude. Wie schön! Zwar habe ich gar nichts dazu beigetragen, war nicht einmal von Ferne daran beteiligt, aber ich bin stolz auf die deutsche Nationalmannschaft. Stolz aber ist hier ein wohl bekanntes Gefühl, wie die Fußballhymne zeigt.

Unsere Terrasse weltmeisterlich geschmücktstolz wie Oskar mit deutschem Hemd!

Der Strand war heute besonders breit, weil die Ebbe besonders tief ausfiel. Die Steine, die das Wahrzeichen vom Bombas sind, lagen fast ganz am Strand und es gelang mir erstmals, auf diese Steine zu klettern. Was aber noch bemerkenswerter ist, sind die 9 toten Pinguine, die heute früh am Strand lagen. Da hatte sich wohl ein kleiner Schwarm dieser hübschen Vögel in zu warme Gewässer vorgewagt, sich verirrt und dann gestrandet. Schade! Wir hätten sie lieber putzmunter im Wasser erlebt, doch liegt dafür Bombinhas zu weit nördlich.

Der breite Strandtoter Pinguin

Die Felsendie Felsen sind mit Muscheln bewachsen

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