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23. Juli, Schimmel

Wenn man hier von Schimmel redet, denkt niemand an weiße Pferde, sondern an eine höchst unangenehme Vegetation, die sich bei hoher Luftfeuchtigkeit, Wärme und unbewegter Luft an Stellen ausbreitet, die man oft nur schwer erreicht.

Aurora hat es schon länger gerochen und erklärt: „Es riecht hier nach Schimmel!“ Dann haben wir nachgesehen und auch wirklich in den Schränken Schimmel gefunden. Da dieses Phänomen hier in Bombinhas leidlich bekannt ist, hat Aurora andere Hausfrauen befragt, was dagegen zu tun sei. „Essig aus Alkohol!“ war die übereinstimmende Antwort. „Damit bekommt man den Schimmel weg.“ Also hat Aurora ganz viel Essig besorgt, bzw. mich besorgen lassen. Damit hat sie zunächst einmal ihren Kleiderschrank ausgewaschen, denn dort gab es in den Kleidern einen erheblichen Schimmelbefall. Die Kleider selber wurden alle gewaschen, denn wenn sie auch nur die kleinste Verunreinigung haben, bildet sich an diesen Stellen Schimmel. Einmal eine Bluse oder Hemd kurz rausnehmen und zurück in den Schrank? Das kann man in Deutschland machen, aber nicht in Bombinhas. An der Stelle, an der man die Bluse angefasst hat, bildet sich bereits der Schimmel. Selbst an den Plastikkleiderbügeln war Schimmel, wenn nicht klinisch saubere Kleider dran hingen.

Der Schrank steht an einer Außenwand, die nach Süden geht. Süden aber ist hier die kalte Himmelsrichtung, aus der auch normalerweise das Wetter kommt. Wenn es beginnt zu regnen und zu stürmen, so kommt das sehr oft aus dem Süden. „Das Wetter kommt aus Argentinien!“ sagt dann Aurora. „Von dort kommt immer die Kälte!“ Damit meint sie aber ausschließlich das Wetter, nicht die Menschen, denn wir kennen inzwischen etliche sehr warmherzige und wundervolle Argentinier. Aber nun peitschen Wind und Regen gegen die mit brasilianischem Qualitätsbewusstsein gemauerte Wand und lassen sie besonders im Winter, den wir bekanntlich derzeit haben, kalt und feucht werden. Besonders in den Ecken, in denen sich kein Lüftchen rührt und in denen es relativ kühl ist im Verhältnis zum übrigen Raum, sammelt sich das Kondenswasser. Damit ist der Grund für eine echte, lebendige, fruchtbare Schimmelkultur gelegt. Gestern nun haben wir Auroras Kleiderschrank ein wenig von der Wand abgerückt und bekamen dann die Bescherung zu sehen. Die Rückwand des Kleiderschrankes sah aus wie ein Schimmelkäse.

Schimmelbefall an der Kleiderschrankrückwand Schimmelbefall an der Kleiderschrankrückwand

In nur 7 Monaten ist dieses frugale Biotop dort entstanden. Was aber soll man dagegen tun? Die Wand isolieren? Das geht nicht, denn da wir im obersten Stock wohnen, würde sich die Feuchtigkeit von unten hinter einer Isolierung ihren Weg suchen und dann gäbe es noch mehr Schimmel. Hinzu kommt, dass es nicht nur die kalte Wand ist, die die Feuchtigkeit ins Zimmer bringt, sondern die allgemeine Luftfeuchtigkeit von zwischen 70% und 80%. Dass wir selber noch keinen Grünspan angesetzt haben, liegt am eifrigen Duschen. Da hilft also kein Isolieren. Da hilft aber auch kein Lüften, wie man das in Deutschland tun kann. Es scheint wirklich nur eins zu helfen: Abwischen mit Essig. Heute nun kam Priscila und die Arme musste den Schimmel nun entfernen. Ich rückte die Schränke beiseite und bedauerte Priscila, Aurora half und gab Anweisungen, aber Priscila meinte ganz lapidar: „Oh, das kenne ich! Das ist gar nicht so viel Schimmel. Ich hatte es schon viel schlimmer. Das mache ich einfach mal weg.“ Mit Mühe konnten wir sie überreden, wenigstens einen Mundschutz zu tragen. Aber siehe da: Nach 2 Stunden war vom Schimmel an den Schränken und an den Wänden nichts mehr zu sehen. „Das machen wir jetzt alle Monate, wenigstens im Winter.“ meinte Priscila und Aurora nickt bedeutungsvoll mit dem Kopf. Jetzt stehen die Schränke wieder an ihrem Platz, jedoch nicht mehr ganz nah an der Wand, sondern mit einem kleinen Abstand. Statt nach Schimmel riecht es jetzt im Schlafzimmer nach Essig, was aber wohl weniger schädlich ist.

Wie man sehen kann, haben wir hier Probleme, von denen wir in Deutschland kaum was ahnten. Sauberkeit ist hier zehnmal wichtiger als im klimatisch so einfachen Deutschland – außer vielleicht im Münsterland inkl. Bielefeld, wo es wochenlang regnet und die Menschen nach einer Weile so grün wie ihre Wiesen aussehen. Aber das ist ein anderes Thema.

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