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Dienstag, 2. September: nach Deutschland

Wenn ich diese Zeilen schreibe, ist der 2. September schon fast 2 Wochen her, jedoch möchte ich mich gerne noch einmal zurück erinnern, wie das denn war, als ich das erste Mal nach Deutschland zurückkehrte, nachdem ich fast ein ganzes Jahr in Bombinhas gelebt hatte.

Geplant wurde diese Reise schon seit November letzten Jahres, als ich das Ticket bestellte und die Planung begann. Auf Grund der damaligen Voraussetzungen galten folgende Reisebedingungen:

1. Ich fahre alleine, also ohne Aurora, weil sie zu diesem Zeitpunkt kein besonders großes Interesse an einer solchen Reise hatte und außerdem gerne bei den Katzen bleiben wollte. Priscila war damals noch nicht auf unserem Schirm, so dass Auroras Entscheidung nachvollziehbar ist.

2. Ich fahre 3 Wochen, wobei ich 2 Wochen für die Familie in Kraichtal und eine Woche für Freunde in Frankfurt reservieren würde. In der Zeit bei der Familie würde ich bei meiner Schwester Monika und ihrem Mann Bernd zu Gast sein. Sie haben in ihrem Haus eine hübsche, für mich neu renovierte Einliegerwohnung, in der ich hervorragend unterkommen konnte. Und in der Frankfurter Woche würde ich bei meiner Freundin Ingrid Schmidt und ihrem Mann Matthias schlafen können, die ein großes und für Gäste stets offenes Haus und Herz haben.

3. In Frankfurt würde ich dann einen sehr durchgeplanten Besuchsdienst absolvieren, bei dem ich möglichst viele Menschen, die ich gerne mag und die mich gerne mögen, treffe. So habe ich mich täglich zu etlichen Terminen verabredet, so dass am Ende fast 50 Termine bewältigt wurden. Das würde eine schöne, wenn auch anstrengende Woche werden!

4. Die Reise sollte vom 2. - 24. September 2014 dauern.

Als ich die Reise damals plante, war es noch lange hin und ich nahm an, dass ich schon lernen würde, mich darauf zu freuen. Leider ist es mir so ganz richtig nicht gelungen. Irgendwie schlagen zwei Seelen in meiner Brust:
Einerseits finde ich es wunderschön, so viele vertraute Menschen wieder zu treffen, mich mit ihnen auszutauschen, sie in den Arm nehmen zu dürfen. Dazu gehört auch ein Geschwistertreffen mit allen Geschwistern samt Partnern und manchmal auch deren Nachkommen. Meine Schwester Monika hat es für den 7. September geplant. Dazu gehören aber sicherlich auch alle die Besuche in Frankfurt.
Andererseits aber hatte ich immer – und habe ich es noch – das Gefühlt, es sei zu früh für eine Reise nach Deutschland. Schließlich habe ich jetzt mein gefühlt glücklichstes Lebensjahr in Bombinhas unter diesen Lebensbedingungen erleben dürfen. Eine Reise zurück nach Deutschland kam mir entweder vor wie ein Zurückgehen hinter diese glückliche Zeit oder wie ein Abschluss dieses traumhaften Zustandes, der dann vielleicht nicht mehr so weiter gehen wird.

Je näher also der Zeitpunkt meiner Abreise rückte, desto mehr schwand die Lust zu dieser Reise. Hinzu kommt, dass die Fahrt fast 24 Stunden dauert, was eine wenig prickelnde Vorstellung war. Erstmals nahm ich an mir selber wahr, dass das Reisen mit Unbehagen und leichten Ängsten verbunden ist, wenn man sich zu lange an einem einzigen Flecken Erde zu wohl gefühlt hat. Je weniger ich aufbreche, desto größer werden in dem Fall die Ängste vor einem Aufbruch. Bei vielen älteren Menschen hatte ich früher ihre Angst vor dem Reisen nicht verstanden und kann es jetzt besser nachvollziehen. Nur: Erstrebenswert erscheint mir dieser Zustand der Ängstlichkeit vor der Veränderung nicht zu sein. Also kam auch ein Absagen der Reise nicht in Frage. Immerhin wurde meine innere Abwehr so groß, dass ich begann, erhöhten Blutdruck zu bekommen. Ich war wirklich gestresst!

Ungern ließ ich mich nach Navegantes zum Flughafen bringen, ungern stieg ich ins Flugzeug und nahm die Reise auf mich.

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