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Donnerstag, 4. September: angekommen

Wer hätte das gedacht, dass ich irgendwann einmal eine Reise in einem verdrießlichen Zustand antreten würde? – Mir war das bislang fremd. So hat es mir geholfen, mich auf meine frühere Reiselust zu besinnen, mir gut zuzureden und dann das zu machen, was jetzt sowieso unabänderlich ist: Losfahren! Natürlich waren Aurora und Priscila, die als Chauffeurin mitkam, mit mir zu früh am Flugplatz. Der Vorteil war, dass das Einchecken ziemlich flott ging. Dann allerdings verabschiedeten wir uns – gefühlt – tränenreich. Während Priscila und Aurora wieder heim nach Bombinhas und zu den Katzen fuhren, saß ich erst einmal allein im Wartesaal an einem Platz, an dem es möglichst wenig nach Käse stank, und harrte des Abfluges. Es war ein seltsames Gefühl, dann alleine in das Flugzeug zu steigen und loszufliegen. Immerhin wurde es mir dann etwas leichter ums Herz, denn jetzt half kein Trauern und Klagen mehr, denn das würde die Sache nicht verbessern. So zwang ich mich, nach vorne zu blicken, mich schon auf meine Familie zu freuen.

Der ungehemmten Freude allerdings stand noch ein ziemlich langwieriger und langweiliger Aufenthalt in São Paulo entgegen. Denn dort hatte ich von 15.00 – 22.15 Uhr Aufenthalt. Das sind 7 Stunden! Getröstet hat mich zunächst, dass ich in dieser Zeit einiges zu tun haben würde: Abholen meines Gepäcks auf dem Flughafen Congonhas – Suchen des Busses, der mich von Congonhas nach Guarulhos bringen würde – Fahrt nach Guarulhos – Einchecken mit dem Gepäck – Kontrollen der verschiedensten Arten.

Das größte Problem was das Suchen des Busses von Congonhas nach Guarulhos. Ich wusste recht gut, wo ich zu suchen hatte, doch war dort weit und breit kein TAM-Bus zu finden, mit dem – und nur mit dem – ich fahren sollte. Ich fragte am Anfang der langen Schlange von Bussen, wurde dann weiter geschickt, fragte dann weiter hinten, wurden noch weiter geschickt, fragte wieder, bis ich wieder zurück geschickt wurde, fragte dann in der Mitte zwischen den beiden letzten Stellen, an denen ich bisher gefragt hatte und wurde schließlich auf eine Schlange von Menschen hingewiesen, die ebenfalls auf jenen Bus warteten. Der sollte nämlich hier halten, worauf allerdings nichts und niemand hinwies. Das Fragen und Warten hat sich gelohnt: Der Bus kam, nahm das Gepäck entgegen, lies mich rein und es ging los nach Guarulhos. Dort checkte ich ein, gab das Gepäck ab und stellte dann fest, dass ich jetzt noch gemütlich 4 Stunden Zeit hatte. 4 Stunden sitzen ergibt Schmerzen im Gesäß und flirrende Augen angesichts der Leserei. Ich schwor mir: nie wieder! Verstärkt wurde dieser Schwur durch die bescheidene Aussicht, dass am Ende dieser langweiligen Warterei ein langweiliger Flug stehen würde, der fast 12 Stunden dauert und einen quasi auf dem Sitz festnagelt. Wie würde mir dann der Po schmerzen?!

Endlich ging es weiter. Ich kam zu meinem Platz 18K, einem Fensterplatz mit ziemlich viel Beinfreiheit. Aber noch bevor ich mich setzen konnte, bat mich die Stewardess, meinen Platz mit einem Buben zu tauschen, der sonst nicht bei seiner Mutter sitzen könne, die den Platz 18J habe. Dann würde er den ganzen Flug über weinen, was weder ihm und seiner Mutter noch allen anderen zuzumuten sei. Ich würde den Tausch auch nicht bereuen. Also willigte ich ein und bekam den Platz 19K. Das war ein Platz an einer der Fluchttüren, also mit absoluter Beinfreiheit ausgestattet und damit mit einem für die S(ardinen)-Klasse relativ großen Komfort versehen. Die Freude darüber wurde allerdings etwas durch einen zwar sehr freundlichen und unterhaltsamen Mann getrübt, der über eine etwas ausladende Figur verfügte und zudem auf Grund der Aufregung stark schwitzend einen besonderen Duft verströmte. Letzterer verflüchtigte sich dann nach dem Start, als die Klimaanlage sich aller menschlichen Ausdünstungen gnädig annahm und sie hinfort blies. Dafür allerdings wurde die Temperatur in diesem Teil des Flugzeuges stark abgesenkt, so dass wir alle richtig frieren mussten. Ich glaube, ich habe mich dabei erkältet.

Nach einem Mitternachtsimbiss schlief ich dann selig bis fast zur Ankunft in Frankfurt nach einem Frühstück der besonderen Art: Käsebrot! Käsebrot zum Frühstück! Furchtbar, aber nicht zu ändern.

Aussteigen, Passkontrolle, Gepäck abholen! Ich war wieder in Deutschland.

Meine Schwester Moni wartete schon auf mich und wie war die Freude groß, sie jetzt in den Arm nehmen zu können. Das hatte ich gebraucht, nachdem ich Aurora in Brasilien zurück lassen musste. So endete diese Anreise dann im trauten Kreise mit Schwester und Schwager und einer liebevoll für mich vorbereiteten Wohnung, in der sich ein wunderbares, seinen Zweck voll erfüllendes Bett befand.

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