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Mittwoch, 17. September: in Frankfurt

Es ist, als wäre ich gar nicht weg gewesen, als wäre die Zeit stehen geblieben und das ganze vergangene Jahr nicht gewesen! Mit dem großen Volvo, einem Firmenwagen der Firma von Bernd, meinem Schwager, das als Privatauto genutzt werden darf, fuhr ich am Montag nach dem Frühstück los nach Frankfurt. Was würde mich erwarten? Dass ich dort willkommen sein würde, dachte ich mir. Aber die Eindrücke sind überwältigend. Es ist nicht zu fassen, welch eine Herzlichkeit mir entgegen schlägt, wie sich die Menschen freuen, mich zu sehen, wie sie sich vorbereitet haben auf meinen Besuch. Wie können mich die vielen Leute in Frankfurt so gern haben, wenn ich mich selber gar nicht so besonders gern mag? Womit habe ich diese enorme Zuwendung verdient? Ingrid Schmidt, meine Gastgeberin, hat mir ein richtiges Zuhause in ihrem Haus eingerichtet. Wie fühlte ich mich in dem zur Verfügung gestellten Zimmer wohl! Dabei ist das große, freundliche Haus, das sie und ihr Mann Matthias bewohnen, mit vielen Menschen randvoll gefüllt, die alle unglaublich nett und sozial kompetent leben. Ich weiß nicht einmal, ob ich wirklich alle, die derzeit dort wohnen, getroffen habe, denn das Haus ist wie ein Bienenstock: die Menschen kommen rein, sind dort daheim, schwärmen wieder aus, gehen ihrer Arbeit nach, kommen wieder, sind beisammen, essen, sehen fern, reden miteinander und alles ist einfach nur schön. Ingrid und Matthias sind die guten Geister, die über allem schweben und eine Atmosphäre der Zuwendung verbreiten, wie sie heimelicher nicht mehr sein kann. Ich bin frei in meiner Tagesgestaltung, aber dennoch immer wieder mit offenen Armen aufgenommen, wenn ich entweder auf Zwischenlandung oder abends zurück komme. Welch ein gesegnetes Haus! Welch ein Segen, der von diesem Haus ausgeht!

In Frankfurt hat sich also kaum etwas verändert. Als ich am Montag gegen Mittag ins Gemeindebüro kam, war das einzig Neue der Eingang und das Foyer, also die abgeschlossene Renovierung, die ich zum größten Teil ja noch miterlebt hatte. Entgegen kamen mir gleich vertraute Menschen, die mir sofort das Gefühl gaben, willkommen zu sein. Ebenso war es bei den ersten Besuchen. Von Frau Eckl bekam ich neue Aufnahmen klassischer Musik. Wir stehen auch in Brasilien in einem engen Austausch über Musik und ich profitiere von ihrer Sammlerfreude, die mit hohem Sachverstand verbunden ist. Bei Frau Knöll, der 102-Jährigen, erlebte ich eine Art Auferstehung, denn sie ist inzwischen nicht nur bettlägerig, sondern auch manchmal verwirrt. Angeblich spricht sie nicht viel. Doch als sie hörte, dass ich zu Besuch da sei, fing sie an zu erzählen und war enorm gut drauf vor lauter Freude. Wir haben uns kräftig in den Arm genommen und unsere Seelen waren im Einklang miteinander. So schön kann Freundschaft sein.

Und so kann ich weiter erzählen von den Menschen, die ich am Montag und Dienstag besuchte. Bei einigen war ich zum Frühstück verabredet, bei anderen zum Kaffee oder zum Abendessen. Manche kenne ich aus der Blindenarbeit, manche aus der Gemeinde. Von morgens gegen 8.30 Uhr bis abends gegen 21.00 Uhr bin ich unterwegs und erlebe ein Wunder der Begegnung nach dem anderen. Es fühlt sich gut an, hier und unter Freunden zu sein.

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