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Donnerstag, 25. September: nach Hause

Daheim! Gott sei Dank! Es war gar nicht so einfach, wie man sich das so vorstellt, denn vor die Heimkehr ist eine lange Reise gestellt. Diese Reise begann hervorragend mit Vorfreude, die sich vor allem im Kofferpacken ausdrückte. Einen großen Koffer mit einem Gewicht von 32 kg hatte ich schon fertig. Das Teil wurde nicht mehr angerührt. Fertig war auch schon der Hartschalentrolley mit den flüssigen Waren, die ich mitnehmen wollte. Zu packen war noch ein Koffer, der ebenfalls 32 kg wiegen durfte. Nicht alles fand darin Platz. Einiges blieb zurück im „Hans-Georg-Eck“ bei Moni und wartet auf Mitnahme beim nächsten Besuch. Das meiste aber fand Platz im Koffer, der am Ende auch ziemlich genau 32 kg wog. Gesamtgepäck: 2 x 32 kg Koffer, 1 x 15 kg Trolley + Handgepäck mit Laptop. Wie froh war ich, dass Bern und Moni sich bereit erklärten, mich bis zum Flughafen nach Frankfurt zu bringen und ich nicht mich all dem Zeug auf die Bahn musste.

Die Reise begann freundlich mit einem Kaffee in Bernds Firma, in der meine Patentochter und Nichte Christine Geschäftsführerin ist. Peinlich war mir nur, dass in dem schönen Volvo, der mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war, ein Kratzer war, von dem ich allerdings keine Ahnung hatte. Aber für Schuldgefühle reicht sowas allemal aus! Dabei hatte ich mich noch beschwert über mangelnden Service, denn dass mir das Auto 3 Wochen lang gratis zur Verfügung gestanden hat und man sogar noch das Diesel bezahlt, wenn ich es gewollt hätte, ist eine Sache. Aber dass es dazu keinen Buttler gab, der mich immer mit einem Glas Champagner begrüßt, wenn ich zum Auto komme, dann die Tür aufreißt und mich fragt, wohin er mich bringen darf, fand ich ziemlich kleinlich.

Die Fahrt zum Flughafen ging problemlos. Ich staunte über das Auto von Bernd, das ständig Geräusche von sich gibt und absolut nicht zulassen kann, dass man damit einen Unfall baut. Es bremst sogar von alleine, wenn man im Stau mal einschläft, was durchaus im Bereich des Möglichen ist. Und wenn man mal über den Mittelstreifen fährt, jammert das Auto so vernehmlich als hieße es Chico, wäre unsere Katze, und sehnte sich nach Futter. Ständig gibt es also Geräusche von sich, die es zu deuten gilt. Erstaunlich, wie die Technik heute das Fahren sicher macht.

Einchecken bei TAM, meiner Fluggesellschaft. Vor mir eine lange Schlange, jedoch waren zunächst 5 Schalter besetzt, so dass mit einer zügigen Abfertigung zu rechnen war. Aber weit gefehlt, denn es gehört zur Strategie der TAM, in umgekehrter Proportionalität zur Länge der Schlange die abfertigende Mitarbeiterschaft abzuziehen, so dass nach kurzer Zeit 3 der Schalter geschlossen wurden. Wenn man es recht bedenkt, kann man ja auch lange Schlangen vor Schaltern als ein Gütezeichen für die Fluggesellschaft deuten: Es muss eine gute Gesellschaft sein, wenn es so viele Menschen dorthin zieht! Aber ich war ja rechtzeitig da und hatte Zeit. Nach 1 Stunde kam ich dann selber dran und war nun meiner beiden schweren Koffer samt Trolley entledigt. Weiter ging es, wie es in Frankfurt eben so weiter geht: Man geht und geht und geht lange Wege. Kontrolle der Boardingcard am Rande des Sperrbezirkes – weiter laufen – Sicherheitskontrolle mit langer Schlange – warten – alles in Ordnung – weiter laufen und laufen – da: die Passkontrolle irgendwo zwischendrin – laufen und laufen bis zum Gate. Das Handgepäck ist schwer, der Laptop drückt. Mal rechts getragen, mal links. Erschöpft komme ich an, um mich auf einen Platz fallen zu lassen. Ein Blick auf die Uhr: noch 2 Stunden bis zum Abflug. Ich fühle mich an die Hinfahrt erinnert, bekomme schon nach 20 Minuten durch das Sitzen Schmerzen im Po. Die Augen flirren schon vom Lesen. Die Minuten schleppen sich dahin.

An Bord gehen. Platz 18K. Den kenne ich. Ob ich dieses Mal auch …? Nein, ich darf sitzen bleiben. Neben mir sitzt eine Dame aus München, daneben am Gang ein alter Herr, ein Priester aus Mainz, der seit 50 Jahren in Brasilien als Pater tätig ist. Ich oute mich als evangelischer Kollege, die Frau zwischen uns zieht entsetzt den Kopf ein. Ich versichere ihr, dass wir beide nicht die Absicht hätten, sie nun bekehren zu wollen … obwohl … Sie zeigt sich wenig beruhigt, versucht, gegen unsere vertraute Kommunikation mit Berichten über ihren Urlaub in Peru anzukommen. Wir hören ihr gut seelsorgerlich zu. Mitternachtsimbiss. Dann schlafen. Ich hatte mir 2 Gläser Rotwein erbeten, die mir zweifellos beim Schlafen halfen. So verging die Zeit wie im Fluge – sowohl in Wirklichkeit, als auch im übertragenen Sinne. Landung in Guarulhos. Aussteigen, laufen – allerdings nicht so viel wie in Frankfurt – Passkontrolle, wobei ich zur kurzen Schlange der Alten geschickt wurde, wodurch die Kontrolle selber sehr schnell ging – Gepäck abholen. Lange Zeit zogen die Gepäckstücke an mir vorbei und ich überlegte schon, was zu tun ist, wenn meins nicht dabei wäre. Da kommen plötzlich alle 3 Koffer hintereinander auf dem Band daher gefahren und ich hatte alle Hände voll zu tun, sie da runter zu klauben. Geschafft! Jetzt durch den Zoll. Ein lässiger Beamter winkt mich durch. Geschafft! Draußen warten Marlete und Rudi, meine lieben Freunde, und fahren mich durch viele Staus von Guarulhos nach Congonhas. Um 5.30 Uhr war ich in Guarulhos, um 8 Uhr schließlich landete ich in Congonhas. Schnell möchte ich mein Gepäck abgeben, aber das geht nicht. Für meinen Flug ist die frühste Abgabe um 9 Uhr. Laufen und laufen, denn Sitzgelegenheiten sind in Congonhas rar. Warten, den Po spüren, nicht einschlafen dürfen, auf das viele Gepäck aufpassen, lesen bis die Augen weh tun. 9 Uhr. Das Gepäck wird jetzt angenommen. Was bleibt, ist das Warten. 3 weitere Stunden auf harten Stühlen. Ich überlege, dass es auch andere Möglichkeiten geben müsste, als mit der TAM zu fliegen.

12 Uhr Boarding. Na endlich! Neben mir sitzt ein Zeuge Jehovas von 86 Jahren, der zu einem deutschsprachigen Treffen nach Blumenau möchte. Er erzählt gerne und redet gerne Deutsch. Sonst hat er wohl nicht viel Gelegenheit dazu. Wir nähern uns Navegantes. Die Erlösung naht! Jetzt bin ich gleich da! Welch Freude! Da startet das Flugzeug, das sich schon im Anflug befindet, neu durch und der Kapitän verkündet, dass es keine Sicht auf die Landebahn von Navegantes gäbe. Er würde jetzt ein wenig umher fliegen, es dann ein zweites Mal probieren. Wenn es dann nicht gelänge, würde er zurück nach Congonhas fliegen. Ich bin ein frommer Mann und fühle mich unserem Herrgott nahe, aber jetzt sandte ich zusätzlich einige heiße Gebete angesichts der fatalen Lage, fast, aber eben nur: fast am Ziel zu sein. Gebete und Hoffen begleiteten dann den Piloten und … es hat geklappt: wir sind gelandet. Die Passagiere tobten vor Glück. Selten wurde so geklatscht wie jetzt. Regenwetter über Navegantes. Aber wir haben es geschafft und sind angekommen. Wie glücklich war ich, Aurora am Flughafen in die Arme nehmen zu können. Und Priscila habe ich gleich mit umarmt. Sie hat wieder das Auto gefahren, und Priscila fährt gut Auto.

Gegen 16 Uhr waren wir dann daheim und die Bescherung aus den Koffern konnte beginnen. Alles, was ich eingekauft und teilweise schon wieder vergessen hatte, kam zum Vorschein. Und das Leben in Bombinhas kann wieder beginnen.

Wie schön war es, in Deutschland alle Menschen, die man liebt, zu treffen! Wie schön aber ist es auch, wieder nach Hause zu Frau und Katzen zu kommen!

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