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Samstag, 27. September: Entwicklungen

Jetzt bin ich also wieder seit 2 Tagen daheim. Eigentlich sollte alles so sein wie früher, wenn nicht ein alter, griechischer Philosoph namens Heraklit schon damals festgestellt hätte, dass niemand zweimal in denselben Fluss steigen könne. Die Zeit schreitet voran und in ihr gibt es Entwicklungen:

1. Aurora und ich haben uns geschworen, nie wieder so lange getrennt zu sein. Wir hatten uns in den letzten drei Wochen zu sehr vermisst. Das ist eigentlich nicht erstaunlich, weil wir nun schon seit mehr als 10 Jahren Tag und Nacht zusammen hängen. Es fehlt die Hälfte, wenn der andere eine längere Zeit nicht in der Nähe weilt. Allein schon seine oder ihre Anwesenheit ist wichtig, sich wohl zu fühlen. Ich sage also zu ihr: „Du, Querida (so nenne ich Aurora in der Regel. Das heißt auf Deutsch: „Liebling“), te amo! (Muss man nicht übersetzen!)“ – „Eu te amo tambem! (etwa: ich dich auch!)“ Und nach dieser gegenseitigen Versicherung des Beziehungsgehaltes antworte ich ihr: „Noch mal machen wir das nicht, uns so lange zu trennen.“ – „Nein, das ist blöd. Das machen wir nicht mehr. Nur wenn ich meine Schwester und Mutter besuchen muss, dann machen wir das noch.“ – „Einverstanden!“
Na ja, das geht schon in Ordnung, denn so oft wie Aurora nach São Paulo fährt, um dort ein paar Tage zu verbringen, möchte ich nicht mitfahren, denn dort herrscht in dem Fall meiner Anwesenheit eine drangvolle Enge und ein Lebensstil, der für mich ein Synonym für Langeweile ist. Das muss ich mir nicht geben.

unsere Palme schlägt aus2. Auch in unserer Wohnung gab es Veränderungen. Die Katzen haben mich die ersten Stunden nur mit dem Schwanz angeschaut. Chico rannte, als ich rein kam, so schnell es ging ins Schlafzimmer, um sich unter der Bettdecke zu verstecken. Susi sah mich mit großen Augen an, ließ sich berühren, rannte danach aber, als ginge es um ihr Leben. Ich hatte Katzenleckerlis von Aldi, die Chico so gerne fraß, im Gepäck, aber er rannte zunächst sogar davor weg. Das allerdings hat sich schnell gelegt. Schon am Abend verhielten sich beide Katzen wieder normal, als wäre ich nie weg gewesen und Chico entdeckte seine alte Liebe zu den Leckerlis.
Auch bei den Pflanzen gab es eine Veränderung, denn unsere so schöne, stachelige Palme, an der wir niemals eine Veränderung wahrnehmen konnten, hatte ganz plötzlich kurz vor meiner Rückkehr begonnen, einen neuen Kranz Blätter oder Blüten zu entwickeln. Aurora hatte es nicht bemerkt und meinte, es müsse über Nacht geschehen sein.
Auch die Strelitzien haben jetzt mehrere Blüten entwickelt. Sie stemmen sich gegen den hier derzeit scharf wehenden Wind und stehen in ihrem Topf wie Laternenpfosten, während sich die anderen Pflanzen im Wind biegen.

3. Schon bei der Anfahrt, dann aber auch bei einer ersten Tour durch Bombinhas, zeigten sich hier Veränderungen. Bekanntlich hat Bombinhas eine einzige Durchfahrtsstraße, die Leopoldo Zarling, durch die sich der ganze Verkehr quält. Schon vor meiner Abreise war die eine Seite vom Ortsanfang bis zur Abzweigung der Straße nach Zimbros aufgerissen worden. Aufreißen geht bekanntlich schnell, zumal lediglich die Pflastersteine abzuräumen waren, denn darunter war alles sehr naturbelassen. Jetzt aber hat sich die Straßenbaufirma der anderen, noch befahrbaren Seite angenommen und aus einer Straße einen Feldweg gemacht, auf dem kein Auto mehr fahren kann. Der Verkehr wird umgeleitet, teilweise sogar durch die Rua Gavião, an der wir wohnen. Priscila meinte, wir sollten jetzt zusammen auf der Leopoldo Zarling angeln gehen, weil dort auf Grund des starken Regens Teiche entstanden seien, in denen es sicher auch Fische gäbe. Schmit, der Supermarkt, ist kaum noch mit dem Auto zu erreichen. Große Löcher zeigen, wie es unter der Straße aussieht: sandig. Nun haben wir auch beobachtet, dass man begonnen hat, Schotter für ein Fundament aufzuschütten. Sogar eine Dampfwalze habe ich gesehen. Offenbar hat man sich vorgenommen, dieses Mal eine richtige Teerstraße zu bauen. Wie schön! Nur vermute ich, dass es auf dieser dann alle 100 m einen Federbrecher geben wird, die eine unbehinderte Fahrt vereiteln. Wollen wir einmal abwarten.
Wer zum Strand will, muss es entweder wie die Fregattvögel machen und fliegen, oder sehr dreckige Schuhe in Kauf nehmen. Ich träume vom ersteren, muss mich aber mit letzterem begnügen.

Die Leopoldo Zarling. Rohre liegen schon bereitRohre werden verlegt
Die Leopoldo Zarling. Rohre liegen schon bereitRohre werden verlegt

Ecke Rua Gavião / Leopoldo Zarling vor dem BauEcke Rua Gavião / Leopoldo Zarling jetzt
Ecke Rua Gavião / Leopoldo Zarling vor dem BauEcke Rua Gavião / Leopoldo Zarling jetzt

Der Weg zum Strand ist schon eingeebnetAbflüsse für die Gullys (hoffentlich nur für sie!) werden geschaffen
Der Weg zum Strand ist schon eingeebnetAbflüsse für die Gullys (hoffentlich nur für sie!) werden geschaffen

Die Arbeiten am Strandweg ruhen weiterSo sieht es hinter dem Supermarkt Schmit aus
Die Arbeiten am Strandweg ruhen weiterSo sieht es hinter dem Supermarkt Schmit aus

Eine Walze ebnet den Schotter einSteine für das Fundament der Straße
Eine Walze ebnet den Schotter einSteine für das Fundament der Straße

4. Es gab ein fröhliches Wiedersehen mit manchen neuen Freunden. Osvaldo kam gleich, um mich zu begrüßen. Seine Frau Malvina steht gerade ihrer kranken Mutter in Blumenau zur Seite, ist also nicht da.
Maira, unsere Gärtnerin, bei der wir eine Kleinigkeit einkaufen mussten, fragte gleich, wie es denn war.
Ebenso wurde ich freudig in der Fleischabteilung beim Schmit von den Männern, die mit mir über Fußball sinniert hatten, begrüßt. Wie es wohl in Deutschland war? Wo es wohl schöner sei: hier oder in Deutschland. „Natürlich hier!“ lautete meine mit allgemeiner Zufriedenheit aufgenommene Antwort. „In Deutschland ist es schön, aber bei euch ist es viel schöner!“ Das finden sie auch, obwohl sie noch nie in Deutschland waren. Und als ich dann bei den Jungs der Fleischabteilung versuchte zu beschreiben, was für ein Fleisch ich bräuchte, wiesen sie mich empört zurück, weil man schließlich wisse, wie das Fleisch für mich aussehen soll.
Selbst die Mädchen an der Kasse vom Schmit lachten und fragten mich, wie es denn war und wo ich lieber wäre. Es ist, als hätten alle auf meine Rückkehr gewartet und wären sich meiner Reise bewusst gewesen. Das fühlt sich alles richtig gut an und ich freue mich, wieder daheim zu sein, auch wenn es in Deutschland sehr schön war.

5. Das Wetter hat seit meiner Abfahrt nach Deutschland eine schlimme Wendung gemacht. Es regnet fast jeden Tag. Der Himmel ist grau, der Wind bläst hart, wobei es ziemlich warm. Gestern Nacht kreiste ein Gewitter über uns und entlud sich gleich dreimal mit voller Wucht. Draußen wie drinnen herrschen rund 26°, wodurch die Luftfeuchtigkeit weiter ansteigt. Wir wären jetzt froh, nur 70% zu haben, jedoch liegt sie derzeit durchgehend eher bei 80%. Die Schrankrückwand hat wieder begonnen zu schimmeln und sich feucht anzufühlen. Uns muss noch mehr einfallen, als sie täglich zu belüften.

 

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