Zur Hauptseite Döring

Samstag, 4. Oktober 2014, Carlos

Carlos ist der erste deutsche Gast, den wir hier in Bombinhas begrüßen durften. Dabei ist Carlos ein Erdmännchen, hat also einen Migrationshintergrund, spricht dennoch fast nur deutsch, ist verwöhnt bis zum Anschlag und liebt es zu reisen. Wann immer es geht, ist er unterwegs, sich die Welt anzuschauen. Carlos war schon an vielen Stellen, lief schon über die Chinesische Mauer, war schon beim Eimersaufen in New York, lief über die Reisfelder Vietnams und ist jetzt in Bombinhas. Carlos fährt aber nicht alleine. Er hat zwei Menschen sozusagen im Gepäck – oder war es umgekehrt? Diese beiden Menschen heißen Nicole und Jörg. Nicole war, als die Hörbücherei in Frankfurt noch existierte, die Sprecherin, die die Geschichtszeitschrift „damals“ aufgesprochen hat. Eigentlich ist hat sie klassische Archäologie studiert, doch kommt man damit nicht besonders weit. Also hat sie sich als Sprecherin beim Hessischen Rundfunk beworben, wo sie jetzt oft vormittags in hr1 als Wetterfee arbeitet, ansonsten für die Frühaufsteher bei der Produktion des hr1-Programms von morgens 5 – 6 Uhr mithilft, indem sie mal moderiert, mal Reportagen macht usw. Jörg ist ihr Freund und arbeitet bei Teegut. Jetzt haben sie beide Urlaub, um Carlos nach Brasilien zu begleiten, denn Carlos fährt in der Regel nicht alleine.

Carlos mit NicoleNicole mit Jörg
Carlos mit NicoleNicole mit Jörg

Gestern pünktlich um 8.45 Uhr kam das Flugzeug mit Carlos samt seinen beiden Begleitern in Navegantes an, wo ich sie aufsammelte und nach Bombinhas schaffte. Hier bezogen die drei die Gästewohnung, die zuvor von Aurora mit Priscilas Hilfe hergerichtet worden war. 10 Tage haben sie nun Zeit, sich hier umzusehen.

Carlos ist zu allen Schandtaten bereit. Gleich am ersten Abend nahm er ein opulentes Mahl zu sich und trank danach mit Genuss gleich einmal eine Menge Caipirinha, so dass er danach nicht unter, aber auf dem Tisch lag, so besoffen war er!

Carlos kann nicht benug bekommenCarlos ist umgefallen
Carlos kann nicht genug bekommenCarlos ist umgefallen

Erstaunlich, wie er sich bis heute früh wieder erholt hatte, denn er war topfit, als wir früh morgens zum Sacolão, dem Gemüsemarkt, fuhren.  Und danach weiter nach Canto Grande, wo er unbedingt gleich auf den Morro de Macaco, den Affenberg, steigen wollte. Er ließ sich von diesem etwas schrägen und total spontanen Gedanken absolut nicht abbringen, so dass wir drei Menschen uns wohl oder übel auf den Weg hinauf machen mussten. Das Dolle daran ist, dass Carlos sich fast den ganzen Weg tragen ließ, weil es ihm doch irgendwie zu viel zu werden schien. Das aber hätte er niemals zugegeben! Und wenn schon Carlos hoch wollte, dann ist weiteres Viehzeug auch gleich auf der Matte. So schoss sich dieser Gruppe um Carlos auch ein kleiner, junger Rüde an. Wir tauften ihn ihm Laufe des Vormittages zu Eduardo von Humboldt, kurz: Eddy. Eddy war quicklebendig, lief mal vor uns den steilen Pfad hinaus, mal hinter uns. Erst als wir alle total erschöpft oben ankamen, suchte er beharrlich den Schatten, um sich von den Strapazen auszuruhen, indem er sich kraulen, tätscheln und verwöhnen ließ. Carlos allerdings war noch putzmunter – kein Wunder, denn er war ja zumeist getragen worden – und wollte nun alle möglichen Fotos von sich vor der wunderschönen Aussicht haben. Manches Foto entstand, wobei Carlos, der Egoist, immer im Mittelpunkt sehen wollte. Eddy aber wurde uns untreu, denn auf dem Rückweg, als wir ihm bereits ein gutes Mal in Aussicht gestellt hatten, verließ er uns und schloss sich einem anderen Paar an – vermuten wir. Vielleicht aber dachte Eddy, dass nicht er uns, sondern wir ihm untreu geworden sind, weil wir nicht auf ihn gewartet haben. Jedenfalls kam er nicht mehr mit uns zusammen unten an. Und wer in der Untreue-Vermutung Recht hat, wissen wir nicht und finden es auch leider nicht mehr heraus.

Der Morro de MacacoEddy hat sich uns angeschlossen
Der Morro de MacacoEddy hat sich uns angeschlossen

Eduardo von Humboldt, kurz: EddyNicole und Jörg auf dem Gipfel
Eduardo von Humboldt, kurz: EddyNicole und Jörg auf dem Gipfel

Carlos auf dem Gipfel mit NicoleEddy und Carlos
Carlos auf dem Gipfel mit NicoleEddy und Carlos

Eddy ist müdeAusblick vom Morro de Macaco
Eddy ist müdeAusblick vom Morro de Macaco

Übrigens haben Nicole und Jörg gemeint, dass sie jetzt wüssten, woher der Begriff „Rentner“ kommt. Ich sei ja nun ein Rentner und als Rentner rennt er ständig vorne weg auf den Berg hinauf. Stimmt, aber ich war ja auch der einzige, der den Weg schon kannte, weil ich ihn im Februar mit Aurora und Marlete schon einmal gegangen war. Und da die Sonne anfing, ziemlich stark zu scheinen – schlagen, wie man hier sagen würde, war Eile geboten, bevor sie zu sehr zuschlägt. Das haben wir auf dem Rückweg gemerkt, als uns viele jungen Menschen – also keine Renn(tn)er – entgegen kamen, die sichtbar und hörbar stöhnten und fragten, ob die Aussicht oben die Strapazen wirklich lohne.

Nun sind Rentner ja bekanntlich nicht immer nur jung und dynamisch, sondern haben manchmal gesundheitliche Probleme, die sie zu einer gewissen Gebrechenverwaltung zwingen. Ich selber hatte keine, bekam sie aber, als ich auf dem rutschigen, mit kleinen, runden Kieseln bestreuten Weg auf dem Rückweg ausrutschte und auf den Rücken fiel. Jetzt tut mir das linke Fußgelenk weh und seltsamer Weise auch mein Brustbein. Somit ist der Rest des heutigen Tages der Gebrechenverwaltung mit Auroras Hilfe gewidmet.

Zuvor allerdings waren wir auf Wunsch von Carlos noch beim Schmit zum Einkaufen für das mittägliche Churrsasco, der Grillfête auf unserer Terrasse. Carlos wollte sich unbedingt mit dem Leiter der Fleischabteilung dort fotografieren lassen, was ihm auch gelang. Das nächste Mal, hat er gesagt, wolle er sich auch gerne mit den hübschesten Kassiererinnen von Schmit knipsen lassen.

Carlos mit dem Leiter der Fleischabteilung

Carlos mit Flavia, der Kassiererin

Zum Seitenanfang