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Dienstag, 4. November 2014: Florianopolis

Reginaldo und Maura KriegerVor ein paar Tagen rief uns Reginaldo Krieger, seines Zeichens Schatzmeister der evangelischen Gemeinde von Bombinhas, außerdem ehemaliger Pfarrer der Lutherischen Missourisynode, bis er von ihr und ihrer Intoleranz genug hatte und zu den anderen Lutheranern, den ökumenisch eingestellten, weniger legalistischen, wechselte. Maura, seine Frau, hat seine erste Frau bis zu ihrem Tod gepflegt. Danach haben sich Reginaldo und Maura zusammen getan – was lag näher als das? – und haben sich geheiratet. Welch ein wundervolles Ehepaar. In der Gemeinde hatten wir sie immer gesehen, wenn wir dort waren. Reginaldo ist einer derer, die für die Begleitmusik auf der Gitarre zuständig ist. Er ist nämlich hoch musikalisch, und seine Kinder sind es ebenso. Beim letzten Advent war er es, der das Lied „Macht hoch die Tür“ für mich intonierte.
Das Ehepaar Krieger wohnt ganz am Rande von Bombinhas, ganz am Berg, an der Natur. Dort haben sie ein geräumiges Haus und ein Annexhaus, in dem Reginaldos Mutter lebt. Sie ist deutschstämmig und spricht lieber Deutsch als Portugiesisch. Auch sie kommt regelmäßig in den Gottesdienst. Maura war ursprünglich katholisch, ist aber konvertiert und heute eine der weiblichen Säulen der Gemeinde.
Es hat eine Weile gedauert, bis Reginaldo gemerkt hat, dass ich ebenfalls Pfarrer bin. Erstaunlich ist das nicht, weil ich das bekanntlich nicht an die große Glocke gehängt habe. Aber als dann Gustavo Krieger – mit Reginaldo weder verwandt noch verschwägert – ihn drauf aufmerksam machte, wurde er gleich sehr interessiert. Und als ich dann nach meinem Deutschlandaufenthalt mit 500 € Kollekte aus der Andreasgemeinde zu ihm kam, um ihm das Geld für die Gemeinde zu geben, begann eine gute Freundschaft zwischen uns, die für uns nun die Folge hatte, dass die beiden Kriegers mit uns nach Florianopolis fuhren, um uns die schönsten Ecken der Insel Santa Catarina zu zeigen. Reginaldo hatte nämlich nach seiner Zeit als Pfarrer in Jureré, einem kleinen Ort ganz im Norden der Insel, auf einer Bank gearbeitet und kannte sich dort entsprechend gut aus.

Karte der Insel Santa Catarina

Verabredet waren wir um 8 Uhr morgens, weil die Anfahrt nach Floripa – so wird die Hauptstadt des Bundeslandes Santa Catarina, in dem auch Bombinhas liegt, kurz genannt – ziemlich lange dauert. Bei bedecktem Himmel begann die Fahrt. Erst durch Porto Belo, das hässliche Örtchen mit den 20 „Federbrechern“. Dann auf die BR 101, wo es begann, leicht zu regnen. Weit ist der Weg nicht, lediglich 50 km, wenn man erst auf der autobahnähnlichen BR ist. Es ging also flott, bis wir in Richtung Floripa abbiegen mussten. Dann begann der Stau. Auf die Insel zu gelangen und auch wieder von der Insel runter zu kommen, benötigt man sehr viel Zeit. Stop and Go! Mehr Stop als Go. Mühsam nährt sich das Eichhorn. De grão em grão a galinha enche o papo (Korn für Korn füllt ein Hühnchen seinen Rachen). Es ist schlicht das hohe Verkehrsaufkommen vor der Brücke, die diesen immerwährenden Stau verursacht. Er ist übrigens der Grund, warum wir Leute nicht besonders gerne vom Flughafen in Floripa abholen, sondern trotz dessen Käsegestank lieber nach Navegantes fahren.
Immerhin hatten wir jetzt Zeit, weitere Verabredungen zu treffen. So klinken wir uns ein in ein Flughafen-Fahrt-Programm, das innergemeindlich organisiert wird. Wenn unser Auto nicht ausreicht, fahren Kriegers oder andere und helfen uns beim Holen oder Bringen von Gästen. Wir selber können fahren, wenn unser kleines Auto ausreicht. Wie gut, das zu wissen! Zudem gab die Fahrt gut Gelegenheit, Portugiesisch zu reden. Reginaldo spricht auch etwas Deutsch, das er ab und zu anwandte, und ich spreche etwas Portugiesisch, was dann meistens unsere Umgangssprache war. Aber wenn man dann so im Stau steht, dann hat man Zeit, dass die Brasilianer an dem deutschen Ausdruck „tschechisches Streichholzschächtelchen“ üben können, während ich das portugiesische Wort für „Stau“ lernte: congestionamento.
Die Stadt Florianopolis war eigentlich nur eine Durchgangsstation, weil sich hier die Brücke zum Festland befindet. Die Fahrt kann man auf der oben befindlichen Karte verfolgen. Florianopolis liegt mitten an der Westküste der Insel Santa Catarina. Von der Brücke aus fuhren wir erst an den Flughafen Hercilio Luz. Von hier aus ging es weiter nach Südosten auf der 405 an die raue Ostküste in Campeche. Das Meer war rau, Surfer versuchten, die perfekte Welle zu finden, während wir den perfekten Strand suchten und einen fanden, der ganz gut in diese Richtung geht. Hier gab es malerische Fischerhäuschen, kleine Katen gleich hinter dem Deich. Hier gab es einen langen und breiten Sandstrand und etliche Restaurants in eher ursprünglichem Stil. Wir liefen den Strand entlang in die Sanddünenlandschaft hinein. Ich fand eine Menge spannender Pflanzen, kleine Blumen, Orchideen, Bromelien und andere Gewächse. Schließlich aßen wir in einem sehr urigen Restaurant, dessen Gästeräume mit kleinen Zetteln geschmückt sind, die Gäste dort hinterließen. Das Essen war leider nicht so gut, wie das Restaurant urig. Auch war es richtig teuer, kam fast an deutsche Preisklassen ran, jedoch war das Ambiente stimmig und man soll nicht zu viel meckern. Also mit deutschen Gästen würde ich das Restaurant durchaus mal aufsuchen, um es anzuschauen, aber dort essen zu gehen, muss nicht sein.
Nach dem Essen waren wir müde und hatten Kaffeedurst, den wir dann unterwegs in Richtung Norden an der großen Kreuzung zwischen Campeche und der 405 in einem kleinen Café mit Bäckerei stillten. Reginaldo konnte sich im Auto 5 Minuten lang regenerieren, bevor er weiter auf der 405 in Richtung Norden durch Porto Lagoa nach Lagoa Da Conceição fuhr. Lagoa Da Conceição ist ein hübscher, kleiner Ort an einem großen Binnensee, dem Lagoa da Conceição, gelegen. Über dem See in Richtung Norden war ein kleiner Parkplatz mit großartiger Aussicht und einem kleinen Souvenierladen. Welch eine herrliche Landschaft: der See, dahinter ahnt man das Meer, die Sanddünen, die Häuser und Städtchen, die Berge und die Natur. Ich muss es nicht beschreiben, denn man kann sich selber die Bilder in den Fotoalben anschauen.
Weiter ging es in Richtung nach Norden über die Autobahn an die nordwestliche Küste in den kleinen Ort Jureré. Hier ist das Meer ruhiger und die Umgebung sehr gepflegt. Reginaldo hatte hier einmal gearbeitet, jedoch hat sich der Ort seitdem viel verändert. Reiche Menschen ziehen hierher. Die Grundstückspreise sind die höchsten von ganz Brasilien. Man braucht nicht einmal eine Mauer um die Häuser zu ziehen, weil ständig Streife gefahren wird und das Gebiet darum sehr friedlich ist. Aber das Besondere an Jureré ist das portugiesische Fort von 1740, das auf einem Felsen über dem Meer in herrlichster Lage gebaut worden war. Die Bauten waren nicht groß, jedoch klar strukturiert. Ganz oben war die Kommandantur mit den Unterkünften für die Offiziere samt einer kleinen Kirche. Auf der mittleren Ebene lagen dann die Mannschaftsquartiere. In diesem Bau war ein Museum untergebracht, das ein wenig vom Leben damals wiederspiegeln sollte. Es war eine Uniform ausgestellt, aber auch Bierkrüge und Hausgerät jener Zeit. Auf der untersten Ebene, der größten, standen dann die Kanonen. Hier wurde exerziert und gearbeitet. Von jeder Ebene führte eine breite Rampe auf die nächste Ebene. Und alles war von einer Festungsmauer umgeben, durch die ein Tor führte, durch das auch wir kamen. Als ich bezahlen wollte, sagt mir die Dame an der Kasse, dass Senioren über 60 Jahre nicht zahlen müssen. Da habe ich erst einmal ein wenig geweint, weil man mir sofort diese Ermäßigung angesehen hat. Irgendwie wird die Welt jünger, nur ich werde älter. Dabei war ich noch gut drauf, denn Aurora und Maura, unsere beiden Frauen, wollten weiter hoch als bis zur untersten Ebene gar nicht gehen. Reginaldo und ich hingegen stürmten gleich nach oben – allein schon wegen der wunderschönen Aussicht aus den Fenstern der Kommandantur.
Über den Ausflügen war es inzwischen 17.30 Uhr geworden und der Rückweg lag noch vor uns. Und wieder standen wir im Stau. Reginaldo meinte, wir hätten für 5 km 30 Minuten gebraucht. Ich fühlte hingegen, dass wir mindestens 1 Stunde unterwegs waren. Gesprochen wurde nicht mehr viel, denn wir waren wirklich müde. Nach einem kleinen Einkaufsstop in Porto Belo beim Koch kamen wir gegen 19.30 Uhr bei Kriegers daheim an.
Immerhin haben wir noch geschafft, schon mal grob zu planen, nächstes Jahr gemeinsam ins Pantanal zu fahren. Also wenn das was würde, hätte ich hier noch viel, viel mehr zu berichten.

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