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Samstag, 8. November 2014:
Von Irdischem und Himmlischen

Da beginne ich erst einmal mit dem Irdischen.

Als ich in Deutschland war, hatte ich aus meinem Hans-Georg-Eck, das von meiner Schwester Monika in Absprache mit mir mit diversen Dingen gefüllt worden war, einige Plastiksäcke mitgebracht, die die Eigenschaft haben, sich mit Hilfe eines Staubsaugers in eine luftleere Verpackung zu verwandeln. Diese Teile haben wir jetzt, nachdem die Sonne endlich mal beschloss, uns einen längeren Besuch abzustatten, in Anwendung gebracht. Pullover, Decken bis hin zu Stuhlkissen fanden Platz in ihnen. Dann wurden sie luftdicht verschlossen und mit dem Staubsauger luftentleert. Jeder Beutel knautschte sich erst, wurde immer platter, wobei sich das Plastikmaterial eng an die Textilien schmiegte, und wurde immer härter. Zuletzt hatten wir statt etlicher voluminöser, lockerer Textilien lauter platte, harte Bretter, geschützt vor Nässe und Schimmel und mit wenig Platzbedarf. Erstaunlich, wie viel Luft wir in unseren Schränken gelagert haben. Ein Brett mit Bettwäsche drin habe ich hochkant hinten in meinen Kleiderschrank stellen können. Aurora, die Skeptikerin, ist jetzt von dieser Konservierungsmethode überzeugt. Dank an Monika, die uns die Teile besorgt und auch ermuntert hat, sie bei uns zum Einsatz zu bringen. Für die, die wenig Platz in den Schränken oder die Probleme mit Schimmel haben, sei diese Methode empfohlen. Sie funktioniert prima!

Pulloverpaket

Wettertechnisch kann ich vermelden, dass wir nach 3 regnerischen, dunklen Tagen heute wieder mal richtig sommerliche Wärme haben, so dass ich in meinem Zimmer die Klimaanlage anwarf. Was die Wetterentwicklung angeht, so war ich gewohnt, in Deutschland wenigstens 3 Tage zuvor ungefähr zu wissen, was uns diesbezüglich erwartet. Hier gibt es auch Wettervorhersagen, nur sind die von gleicher Genauigkeit, wie die vom Hahn, der auf dem Mist kräht: Das Wetter ändert sich oder es bleibt, wie es ist. Es ist erstaunlich, dass man abends im Wetterbericht liest, wie das Wetter werden soll, und am nächsten Tag ist es gänzlich anders, wobei der Wetterbericht nachträglich so tut, als hätte er’s gewusst. So funktioniert Heuchelei!
Wie dem auch sei, hatten wir gestern einen ziemlichen Sturm und peitschenden Regen. Und wieder hat sich das Seitenblech aus Aluminium in der Poolüberdachung gelöst und ist mit tosendem Scheppern zu Boden gegangen. Da muss wohl der Monteur wieder einmal ausrücken, um ein neues Blech zu befestigen. Das ist jetzt das zweite Mal. Ich nehme an, dass sich seine Begeisterung für diese Garantieleistung in Grenzen hält.

Ansonsten gibt es vor dem Sommer etliche Vorbereitungen, wobei zunächst in der kommenden Woche unser Studienurlaub in Brasilia, unserer Hauptstadt, ansteht. Vom 11. – 16. November sind wird dort. Traditionell feiere ich also meinen Geburtstag auf einem Trip. Wer also die Absicht hat, mir telefonisch zu gratulieren, wird da wenig Erfolg haben, es sei denn, er ruft ab dem 17. November an. – Und wenn ich jetzt schon mal beim Telefonieren bin: Der Zeitunterschied zwischen Deutschland und uns beträgt jetzt nur noch 3 Stunden. Wenn es in Deutschland 12 Uhr ist, haben wir es erst 9 Uhr. So ist und bleibt das bis zur zweiten Märzhälfte.
Zudem habe ich begonnen, unseren Pool für den Sommer vorzubereiten. Er ist noch immer abgedeckt, denn es macht keinen Sinn, ihn mit Wasser gefüllt zu lassen. Das würde nur Strom, Wasser, Chlor und viel Arbeit verbrauchen, ohne dass wir Lust gehabt hätten, uns in nicht heißen Außentemperaturen da rein zu setzen. Jetzt muss er noch einmal mit einem Poliermittel behandelt werden, dann kann das Wasser – unser eigenes Quellwasser – eingelassen werden und sich nach und nach aufwärmen, so dass auch Aurora Lust verspürt, sich an heißen Nachmittagen dort zu verlustieren. Sie geht erst ab 29° ins Wasser. Bis dahin vergnügt sie sich ausgiebig mit einer Wasserschlacht auf der Terrasse, die sie mit sehr viel Wasser gerne wäscht, damit sie sauber bleibt. Das ist auch nötig, denn seit unsere Hauptstraße, die Leopoldo Zarling, kein Pflaster mehr hat, staubt sie wie ein normaler Feldweg, auf dem sich täglich tausende von Autos durch quälen. Gut, dass wir einen gewissen Abstand dazu haben. Die, die näher dran wohnen, leiden viel mehr unter dem Dreck. – Und in dieser Situation kündigt nun Priscila. Wir haben inzwischen mit ihr gesprochen. Ich denke, sie hat durch eine sehr schwere Kindheit mit einem alkoholisierten Vater, Missbrauch und Gewalterfahrung so große psychische Probleme, dass sie sich einer normalen Erwerbstätigkeit nicht aussetzen kann und sich am liebsten in ihrer Wohnung oder in ihrer Kirche verkriecht. Dabei ist sie dennoch – wenigstens mir gegenüber – ein fröhliches Menschenkind. Wir lachen viel miteinander und machen Quatsch. Übrigens heißt sie mit Nachnamen wie unsere Straße: Sperber, denn das heißt auf Portugiesisch: gavião. Wir wohnen also auf der Sperberstraße.

Eine Primavera = Frühlingsbaum

Was mich in besonderer Weise bewegt, ist der Dialog mit meinem so fernen Bruder Frank, der derzeit in Vientiane, Laos, ist, um dort gute Freunde zu treffen und um sich in Abstand zum deutschen Alltag in einer seinen religiösen Neigungen entsprechenden Umgebung in seinem spirituellen Vertiefungsprozess weiter zu bringen. Er schreibt – ähnlich wie ich das mache – in dieser Zeit ein Tagebuch, das er täglich via Email an Interessierte schickt. Darin ist enorm viel über seine spirituellen Erfahrungen zu lesen, aber auch über die Dinge dieser Welt, die ihm dort nun einmal passieren. Ich finde das unglaublich spannend und bereichernd, weil ich darin viele spirituelle Erfahrungen finde, die ich ebenfalls gemacht habe, manches auch, was meine Erfahrung vertieft, klarer werden lässt. Mit ihm stehe ich zudem in einem Email-Dialog, bei dem er sich – endlich mal, denn ich klopfte schon oft bei ihm diesbezüglich an – mit mir austauscht. Nun muss ich zugeben, dass er, der Buddhist, das Christentum, besonders das der verfassten Kirchen, deren Vertreter ich ja auch bin, vor allem in seiner apologetischen Erscheinungsweise kennt und weniger als spirituelle Kraft. Dass er darum skeptisch ist, kann ich gut verstehen, denn auch ich finde, dass eine sich ständig abgrenzenden Kirche letztlich nicht glaubhaft einen Stifter vertreten kann, der das Richten und Urteilen ausdrücklich ablehnt. Abgrenzung, Apologie, aber ist immer mit Beurteilung und Verdammung verbunden. Die Liebe zum Nächsten bleibt dabei auf der Strecke. Bei mir kommen zu meiner theologischen Ausbildung und dem Pfarrersein natürlich noch etliche Erfahrungen dazu, die ich in Indien in der Auseinandersetzung mit dem Hinduismus, Sai Baba und verschiedenen von dort kommenden Theologien und auch der Esoterik gemacht habe. Aber wie schön ist es, mit Frank zusammen zu schwimmen in diesem Strom des Lebens mit seinen reichen spirituellen Erfahrungen und Erkenntnissen. Dank an ihn für sein Tagebuch und seine Emails!

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