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Dienstag, 11. November 2014: Brasilia, Teil 2

Es ist hart, wenn man so gegen 4.30 Uhr aufstehen muss. Die Katzen waren ganz verwirrt, wir waren ganz verwirrt. Ich machte, wie jeden Morgen, das Frühstück. Aurora packte die letzten Sachen noch zusammen. Dann ging es los, nicht ohne vorherige Abschiedszeremonie mit den Katzen. 5.30 Uhr Abfahrt nach Navegantes. Es ging ziemlich flott, wobei uns selbstverständlich wieder einige Pickups überholten. Bereits vor zwei Tagen hatten wir im Internet festgestellt, dass wir am Flughafen unser Auto recht preiswert abstellen konnten. Das taten wir dann auch. Ich wurde mit größter Selbstverständlichkeit auf einen der vorderen Rentnerparkplätze eingewiesen. Also dass man mir mein Alter sogar von außen durch die Autofenster ansehen kann, hat mich wieder psychisch mitgenommen und ich weinte mal wieder eine kleine Runde. Das war gegen 6.45 Uhr.

Im Flughafen stank es wieder erbärmlich nach ausgelassenem Käse. Ich musste schnell raus, um frische Luft zu schnappen. Dann aber ging das Einchecken recht zügig und wir gingen durch die Einlasskontrolle in den Wartebereich. Lange mussten wir nicht warten, denn unser Flugzeug wurde beizeiten zum Boarding aufgerufen und verließ Navegantes ebenfalls pünktlich. Zwischenlandung in São Paulo, recht kurzer Aufenthalt dort und Weiterflug nach Brasilia. Recht genau um 12 Uhr waren wir dann dort. Wie ich ebenfalls vorher im Internet nachgesehen hatte, konnten wir einen Bus nehmen, der uns direkt vor das Hotel gebracht hat. Dabei machte er noch einen großen Bogen durch das Machtzentrum, vorbei an den Ministerien, dem Parlament und dem Platz der 3 Gewalten (praça dos três poderes). Dieser große Aufmarschplatz - die Queen hätte daran ihr Vergnügen - wird auf der einen Seite vom Präsidentenpalast begrenzt. Ihm gegenüber steht der oberste Gerichtshof und an der einen Längsseite ist das Parlamentsgebäude. Wir haben es hier also mit dem Machtzentrum Brasiliens zu tun. Kein Wunder, dass hier nirgends ein Federbrecher die freie Fahrt freier Potentaten behindert. Der Bus fuhr über diesen Platz, dann wieder zurück in den Nordflügel und seinen Hotels, um dann schließlich zum Südflügel zu kommen, wo er zuletzt uns beiden vor dem Hotel absetzte. Jetzt haben wir also schon eine erste Rundfahrt erhalten.

Im Hotel - man höre und staune - stolperten wir zunächst über eine Gruppe von Schweden, die frisch aus Stockholm angereist war und bis Freitag in diesem Hotel wohnen wird. Die Gruppe trafen wir dann wieder, als wir uns nach einer kurzen Erholungsphase erstmals aufmachten, um uns mit einigen Dingen, die an vor allem in Supermärkten kaufen kann, einzudecken. Dabei machten wir eine seltsame Erfahrung, denn wir fanden ein wirklich großes Einkaufszentrum, das sich über 4 Etagen breit machte. Hier gab es alles zu kaufen, nur keine Lebensmittel. D.h. nicht ganz, denn natürlich gab es Restaurants und Imbisse, aber nicht ein einziges, nicht zubereitetes, sozusagen rohes Lebensmittel. Wir fragten uns daraufhin durch. „Probiert es mal gegenüber, wo es auch ein kommerzielles Zentrum gibt“, war eine Antwort. Das war richtig, denn es gab dieses Zentrum, jedoch auch dort kein einziges Lebensmittel. Weitere Erkundungen erbrachten, dass es in einem weite Umkreis kein einziges Lebensmittelgeschäft gibt, nicht einmal ein ganz kleines. „Gerettet“ hat uns dann eine Tankstelle vor dem Hotel, in der es wenigstens Brot und etwas zu trinken gab. Dass die Preise auch jenseits der Vorstellungskraft eines Bewohners von Bombinhas lagen, ist da nicht erstaunlich. Das gesamte Preisniveau in Brasilia ist sehr hoch, was vor allem für die Gastronomie gilt. Unter 50 Reais pro Person wird man hier kaum essen können. Die Churrascaria gegenüber vom Hotel preist ein Churrasco für 112 Reais an, das sind immerhin stolze 37 Euro. Also wenn hier jemand wirklich nur ein Mindestgehalt verdient, dann muss er spätestens nach der ersten Woche des Monats hungern.

Noch zwei interessante Beobachtungen haben wir gemacht. Wir versuchten, einen Stadtplan von Brasilia zu kaufen. Dazu suchten wir Buchhandlungen, einschlägige Geschäften, sogar eine Tankstelle auf. Nirgends gibt es einen Stadtplan. Offenbar braucht man sowas hier nicht. Im Hotel bekamen wir dann schließlich eine Art Übersicht über die Stadt. Die allerdings zeigte uns dann, dass es hier keine Straßennamen gibt, sondern nur Buchstaben- und Zahlenkombinationen als eine Art Funktionsnamen. Wer das dahinter liegende System begriffen hat, wird jede Adresse auch ohne Stadtplan finden.
Sodann entdeckten wir vor unserem Hotel neben der Churrascaria auf einem Parkplatz in Reih und Glied aufgestellte Motorräder mit kleinen, brasilianischen Flaggen bestückt. Es handelt sich um die Motorradeskorte der Präsidentin. „Die haben bestimmt hier in der Churrascaria gerade gegessen - und das auf Kosten von uns Steuerzahlern!“ meinte Aurora. Na ja, sie bezahlt ja wohl derzeit keine Steuern, aber bei ihr obsiegte der Geiz gegenüber der Pracht dieser tollen Motorboys. Das ist in jeder Weise gut für mich.

Über unserer Suche begann der Himmel, sich zu verdunkeln und ein Gewitter zog auf, das den ganzen Abend anhielt und über Brasilia kreiste. Nachdem nun alle politischen Gewitter von Dilma überstanden sind, bleiben nur noch diese Gewitter übrig. Nun ja, wir haben eine kleine Suite im Hotel, bestehend aus Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Küchenzeile und Bad. Es ist gemütlich und nicht zu eng. Uns gefällt es gut hier. Für morgen planen wir eine Stadtrundfahrt mit einem Touristenbus, um uns einen Überblick zu verschaffen. Angemeldet sind wir und bis dahin haben wir uns von den Strapazen der Reise und dem Abschiedsschmerz von unseren Katzen erholt.

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