Zur Hauptseite Döring

Mittwoch, 12. November 2014: Brasilia, Teil 3

Seitens guter Freunde gab es unterschiedliche Reaktionen auf unsere Reise nach Brasilia: Aus Hessen kam von einer jungen Frau die Frage, was denn Brasilia sei. Für eine Studentin finde ich diese Frage erstaunlich. Nun denn, sie und alle anderen, die das nicht wissen, haben dann noch sehr viel zu lernen.
Andere haben mir schöne Grüße an Dilma aufgetragen. Die hätte ich gerne abgeliefert, hab auch nach ihr sowohl im städtischen Präsidentenpalast, als auch auf ihrem Landschloss nachgesehen, ob ich sie treffe, bin allerdings daran gescheitert, dass ich keine Klingel fand, an der „Dilma“ oder „Rousseff“ stand. So nehmen wir die Grüße wieder mit nach Hause, wobei wir immerhin dazu kamen, ein paar der Mangos, die von Dilmas Baum vor ihrem Sommerpalast gefallen sind, aufzusammeln und mitzunehmen.

Die Nacht auf heute war etwas unruhig, denn wir sind es nicht mehr gewohnt, bei geschlossenen Fenstern zu schlafen. Außerdem gab es doch durch krakeelende junge Männer erhebliche Ruhestörungen, die uns gegen 2 Uhr aufgescheucht haben. Aber dennoch waren wir gegen 9 Uhr nach einem guten Frühstück ganz gespannt auf die Rundtour.

Ein Kleinbus holte uns ab. Außer uns beiden, dem Guide und dem Fahrer waren noch zwei junge Frauen aus Brasilien mit und ein Ehepaar aus Zürich. Die Gruppe war also durchaus überschaubar.
Erster Stopp war das Nationalstadion namens Estádio Nacional de Brasília Mané Garrincha. Dieser Garrincha war ein Fußballstar, hier in Brasilien ebenso bekannt wie Pelé. Deutschland hat hier bei der letzten Fußball-WM nicht gespielt. Insofern war es auch nicht so schlimm, dass wir in dieses mit 300 Säulen erbauten Stadion nicht rein kamen. Aber es sieht prächtig aus und ist nicht weit von unserem Hotel entfernt.
Dann ging es weiter zum Mausoleum von Juscelino Kubitschek, dem von den Brasilianern wohl am meisten geschätzte Präsidenten der Geschichte. JK - so verkürzt man hier seinen Namen - war von 1956 bis 1961 Präsident und hat in dieser Zeit zunächst Brasilien zu einem Industriestandort gemacht, indem er z.B. die Automobilindustrie hierher lockte, sodann war er der Erbauer Brasilias. Bei dieser Gelegenheit habe ich gelernt, dass Niemeyer wohl die Gebäude geplant und gebaut hat, jedoch stammt die Grundplanung von einem Herrn Lúcio Costa, seines Zeichens verantwortlicher Stadtplaner. Wir haben dann auf dem Praça dos Três Poderes in einem Ausstellungsraum die ersten Zeichnungen gesehen, die diese Planung letztlich auslöste. Kubitschek hat die Idee dann aufgegriffen und in nur wenigen Jahren mit Niemeyers Hilfe umgesetzt. Dafür ist man ihm heute noch dankbar. Aber dennoch: Auch ihn hat die Sterblichkeit eingeholt und so ruht er jetzt in einem dunklen Mausoleumsraum in einem Steinsarkophag, umgeben von einem Museum für ihn und seine geschätzte, gut aussehende, hoch elegante Frau, die heute auch nicht mehr so gut aussieht, wie in der Amtszeit ihres Mannes.
Weiter ging es zu einer besonderen Kirche, der Kirche des Dom Bosco, dem zweiten Nationalheiligen Brasiliens nach der Maria Parecida. Auch das ist eine von Niemeyer gebaute Kirche mit riesigen Glaswänden mit blauen Glasbausteinen. So ist der Innenraum eine Sinfonie in Blau und macht einen sehr beruhigenden, energetischen Eindruck.
Weiter ging es zur Kathedrale, ebenfalls ein Bau von Oscar Niemeyer. Die Kathedrale hat ihre Form von der Dornenkrone erhalten. Rechts vom Zentralbau ist ein Glockenturm, der einem Kelch nachempfunden ist. In ihm hängen 4 Glocken. Links steht noch ein Gebäude, das an das Brot erinnert.
Weiter ging es vorbei am Parlament zur Praça dos Três Poderes mit dem Präsidentenpalast. Hier begann es zu regnen - und wie! Ein Gewitterguss ohne Gleichen verwandelte den Platz in einen kleinen See. Wir retteten uns in jenen Ausstellungsraum, in dem wir auch die Zeichnungen für den Plano Piloto fanden. Als der schlimmste Regen vorüber war, brachen wir wieder auf zum Sommerpalast von Dilma. Beeindruckend war da jener Soldat, der absolut starr an seinem Platz stand. Ich unterhielt mich mit einer der beiden Brasilianerinnen, ob der Typ wohl nur eine Figur sei und gar nicht lebendig. Das hat er gehört und blinzelte einmal kurz. „Nee, der Kerl lebt noch!“ war dann mein erfreuter Ausruf, denn mit toten Soldaten mag ich es nicht so gern. Darum habe ich ihn bewundert und ihm gesagt - nach bester Art von Heinrich Lübke: „Machen Sie weiter so!“ und ging von dannen, um mich um ein paar der wunderschönen Mangos zu kümmern, die ich uns ins Hotel mitnahm. Überhaupt ist Brasilia wohl die Stadt der Mangobäume. Es gibt davon ganze Wälder und Alleen.
Zuletzt fuhren wir noch zu einer besonderen, futuristisch anmutenden Brücke - es regnete wieder in Strömen - dann zurück in das Gebiet, in dem unsere Hotels liegen. Der Fahrer nahm uns noch mit in ein Restaurant, das nicht so unverschämt teuer wie die in unserem Stadtteil war, und setzte uns dann vor dem Hotel ab.

Da es weiterhin regnete, waren wir gezwungen, zunächst eine Mittagspause einzulegen. Wer uns aber kennt, der weiß, dass wir darunter nicht besonders gelitten haben, sondern eher frisch erholt und gut ausgeschlafen gegen 15.00 Uhr aufbrechen konnten, denn das Wetter hatte sich anscheinend stabilisiert. So liefen wir bei Sonnenschein zum Fernsehturm, um dort hinauf zu fahren, die Aussicht zu genießen. Bis zur ersten Plattform sind wir auch gelangt. Jedoch wurde uns dann beschieden, dass der Weg zur Aussichtsplattform wegen Bauarbeiten nur samstags offen ist. Also erkundigten wir uns in Erinnerung an gestern, wo man denn hier einkaufen könne. Beim Busbahnhof, war die Antwort, und selbiger sei auch nicht weit. Also liefen wir dorthin. Das war nicht einfach, weil mehrfach 3 - 6 spurige Straßen mit lebhaftem Verkehr überquert werden mussten. Und als wir fast angekommen waren, begann es zu regnen. Dieses Mal jedoch ohne Gewitter, einfach nur so, weil Regen so nützlich und gut ist. Also erkundeten wir zunächst den Busbahnhof. Ach du meine Güte, welch ein Menschengewimmel! Offenbar war Schichtwechsel, oder Ende des Arbeitstages, oder einfach nur so: Lange Schlangen an den Bushaltestellen, tausende von Menschen an den vielen kleinen, billigen Geschäften. Dazwischen Obdachlose, Mütter mit kleinen Kindern, alte Menschen und Menschen mit Behinderung, die betteln. Man kam kaum durch die Menschenmenge durch. Einen Supermarkt gab es natürlich nicht, nur einen winzigen Obstmarkt. Da ein Ende des Regens nicht abzusehen war, nahmen wir ein Taxi zurück zum Hotel. Der Tag ist gelaufen. Morgen soll das Wetter nicht besser werden, jedoch wollen wir einmal abwarten.

Zum Seitenanfang