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Montag, 17. November 2014: daheim

Es ist in der Tat sehr schön weg zu fahren. Hinter uns liegen auch unvergessliche Tage, die sowohl in unseren Köpfen, als auch in Form von Fotos und Tagebuchberichten präsent bleiben. Ja, wir wissen jetzt, wie es in Brasilia ist, wie es dort aussieht, was man beachten sollte, wenn man dorthin fährt usw. Es ist aber auch wirklich wunderschön, wieder nach Hause zu kommen, Vertrautes vorzufinden, vor allem aber wieder Herr seiner eigenen Lebensbedingungen zu werden und nicht von Vorgaben anderer abhängig zu sein.
Während der Rückreise gingen meine Gedanken oft zu meinem Bruder, der auch gerade aus Vientiane die Heimreise nach Deutschland antrat. Zwei Brüder auf der Heimreise, jedoch aus sehr verschiedenen Teilen der Welt. Ich hatte seine Tagebuchaufzeichnungen, die sich viel mit spirituellen Erkenntnissen und Erlebnissen befassten, im vergangenen Monat mit Begeisterung und innerem Engagement gelesen.

Wir standen früh auf, weil Aurora sehr schnell sehr unruhig wird, wenn man auf dem Flughafen nicht mindestens 2 Stunden zu früh ist. Um 9.17 Uhr sollte das Flugzeug gehen. Wir waren schon gegen 7 Uhr dort nach einer sehr günstigen Taxifahrt. Als wir nämlich auscheckten, dauerte das auf Grund einiger Inkompetenzen des vorhandenen Personals länger als erwartet. So nusste draußen unser Taxi auf uns warten. Da kam ein langer, schwarzer Amerikaner, den wir einluden, mit uns zu fahren. Er war deswegen etwas durcheinander, aber er ließ sich drauf ein. So fuhren wir zu dritt zum Flughafen. Als wir bezahlen wollten, hatte der Ami bereits bezahlt. Wie peinlich! Denn wir hatten ihn geradezu gedrängt, in unserer Fahrgemeinschaft mitzufahren und wollten eigentlich kein Geld von ihm, sondern einfach nur nett sein. Aber für ihn – so überlegten wir danach – war das vielleicht eine Art Rassismus: wir Weißen müssen ihn armen Schwarzen einladen. Auf diese Idee kamen wir aber erst später. So, wie er aussah, könnte er gut Profibasketballer aus Miami gewesen sein, denn dorthin wollte er fliegen. Unsere Absicht war zwar gut, aber das Ergebnis war eher peinlich, wenn auch für uns sehr preiswert.
Es begann dann eine Warteperiode auf dem neuen Flughafen von Brasilia, auf dem die Klimaanlage hervorragend funktionierte und die gesamte Halle auf gefühlte 16° herab kühlte. Ich fror erbärmlich. „Die ruhen hier nicht eher, als bis auch der letzten Nutzer dieses Flughafens erkältet ist! – Und die schaffen das.“ motzte ich. Und im Flugzeug war es auch nicht besser. Erst in São Paulo, als wir uns kurz draußen aufhalten durften, wurde es mir wärmer. Und als wir schließlich in Navegantes landeten, war es eher heiß. Dass ich mich dennoch nicht erkältet habe, ist wohl eine Folge des reichlichen Obstverzehrs vor unserer Abreise nach Brasilia, denn dort gab es davon eher wenig.

Nach dem, was ich zuvor in meinem Erlebnisbuch über Brasilia geschrieben habe, wird es niemanden wundern, wenn ich gleich auf dem Nachhauseweg von Navegantes nach Bombinhas die Gelegenheit nutzte, um beim Koch, unserem Lieblings-Supermercado einzukaufen. Das ist hier möglich, weil die Supermercados auch sonntags geöffnet haben. Es ist sogar empfehlenswert, weil gestern, als wir gegen 15 Uhr dort waren, alles ziemlich still war und wir weder über zu viele Kunden, noch über zu viele Mitarbeiter stolperten. Ziel dieses Einkaufs war vor allem die Obstabteilung, denn das viele Obst, was wir hier zu essen pflegen, hat uns in Brasilia gefehlt und es gab bekanntlich auch keine Möglichkeit, sich damit zu versehen. Und so landeten in unserem Einkaufswagen Papayas (groß, gelb, reif, süß), Ananas, Bananen, Mangos, Äpfel, Avocado, Wassermelone, aber auch Salat und Gemüse. Herrlich! Alles sind Sachen, die wir in Brasilia nicht bekamen, die wir aber wirklich gerne verspeisen. Entsprechend groß war dann heute früh das Behagen, auf dem Frühstückstisch eine frisch aufgeschnittene, entkernte Papaya vorzufinden.

Daheim fanden wir alles in bester Ordnung vor. Priscila hatte dafür gesorgt, dass es den Katzen an nichts gefehlt hat und dass die Wohnung richtig gut aussah. Gut, dass wir sie wenigstens noch bis Monatsende haben. Wir haben uns bei ihr gebührend bedankt.

Nun hatte ich bekanntlich am vergangenen Freitag Geburtstag und ich hatte entsprechend den Anrufbeantworter besprochen, dass wir erst ab heute wieder erreichbar seien, dass man uns aber eine Nachricht hinterlassen könne. 8 Anrufe wurden aufgezeichnet. Bei 2 Anrufen hat man uns auch verraten, WER da anruft. Beim Rest war das leider nicht der Fall und teilweise waren die Anrufe auch so kurz, dass ich nicht vermochte zu erraten, wer das nun war. Einmal gratulierten auch kleine Kinder richtig lieb und herzlich. Wer aber waren sie? Wer waren die anderen? Wie schön wäre es, wenn man am Anfang immer sagen würde, wer man ist. In Deutschland ist das eigentlich so üblich, wurde aber doch nicht von allen beachtet. In Brasilien ist das leider total unüblich und selbst wenn die Sprechstundenhilfe der Zahnärztin anruft, muss man raten, wer das nun sein könnte. Ich finde, dass es doch wohl sooooo schlimm nicht ist, wenn man gleich von Anfang an weiß, mit wem man da am Telefon zu tun hat, oder doch?

Heute beginnt nun wieder der Alltag. Priscila ist gekommen und macht weiter sauber. Bis Ende des Monats ist sie noch da. Dann müssen wir sehen, wie es weiter geht. Wir erwarten heute Weiku, unsere Rolllädenfirma, die zwei Rollläden repariert. Das sind die Leute, die auch im Alltag immer Deutsch – oder was sie dafür halten – reden. Dazu kommen sie von Pomerode, einem kleinen Ort jenseits von Blumenau, angefahren. Da das Wetter richtig heiß geworden ist, überlege ich außerdem, jetzt Wasser in unseren Pool zu lassen, damit es sich im Laufe der nächsten Tage aufheizt. Allerdings muss das Dach über dem Pool, das bei einem Sturm wenige Tage vor unserer Reise, beschädigt wurde, noch repariert werden. Packen wir es an und sind Gott dankbar, dass wir ein so wunderschönes Heim haben.

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