Zur Hauptseite Döring

Dienstag, 25. November 2014: Portugiesisch

Ich denke, es wird mal wieder Zeit zu berichten, wie es um das Portugiesische steht, oder richtiger: wie es um meine Portugiesischkenntnisse steht. Dazu zunächst mal die Babbel-Statistik über meine Lernfortschritte:
Babbelpunkte: 159.258
Wortschatz: 4.581
Absolvierte Lektionen: 35. Jetzt gibt es noch 18 oder 19, die ich noch nicht gemacht habe.

Klar ist, dass ich mehr und mehr verstehe, worüber die Menschen reden und ich kann ja auch schon mitreden, jedoch ist es noch sehr viel ausbaufähiger, als es ist. Am meisten rede ich mit meiner Lehrerin Sylvia: wöchentlich 1 Stunde konzentriertes Gespräch über alles, was so ansteht. Mit Priscila rede ich auch – noch –einiges, jedoch ist das nicht viel weiterbringend, weil die Themenauswahl recht begrenzt ist. Mit Aurora sollte ich Portugiesisch reden, jedoch passiert es eher weniger, weil das Deutschreden viel schneller und unkomplizierter ist. Aurora will außerdem in Übung bleiben.
Dennoch mache ich jeden Tag eine gehörige Portion Portugiesisch, denn allein schon das Lernen und Wiederholen der Vokabeln nimmt viel Zeit in Anspruch. Alle Wörter, die bisher gelernt wurden, werden in spätestens 6 Monaten wiederholt. Dazu hat Babbel ein Wiederholprogramm mit 6 Stufen geschaffen. 1. Stufe: morgen wird erneut abgefragt, 2. Stufe: in 4 Tagen, 3. Stufe: in 7 Tagen, 4. Stufe in 14 Tagen, 5. Stufe: in 2 Monaten, 6. Stufe: in 6 Monaten. Wenn man auf Anhieb eine Vokabel gewusst hat, wandert dieses Wort eine Stufe nach oben. Hat man etwas falsch gemacht, aber beim 2. Nachfragen gewusst, bleibt diese Vokabel in der Stufe und wird im entsprechenden Zeitraum wieder abgefragt. Macht man sie aber gründlich falsch, wandert sie wieder eine Stufe zurück. Ich finde das System sehr sinnvoll und gut. Aber es hält mich in Atem. Da gibt es Tage, an denen ich 200 Vokabeln und mehr abgefragt werde. Da ich ja nun nicht nur in hoch konzentriertem Zustand Portugiesisch beherrschen will, frage ich mich in der Regel abends nach 22 Uhr ab, manchmal während des Fernsehens. Was ich dann kann, das sitzt recht gut, nehme ich an.

Meine Bilanz sieht folgendermaßen aus:
1. Stufe: 0 Wörter, 2. Stufe: 8 Wörter, 3. Stufe: 120 Wörter. 4. Stufe: 99 Wörter, 5. Stufe: 759 Wörter und 6. Stufe: 3.595 Wörter. Die meisten Wörter kann ich also schon. Dass in den unteren Stufen so wenig zu lernen ist, liegt daran, dass ich in der letzten Zeit nicht viele neue Wörter aufgenommen habe, was kein Wunder ist, denn ich kann doch nicht die halbe Nacht damit zubringen, die vielen Wörter ständig zu wiederholen.

Was mich derzeit besonders beschäftigt, sind die verschiedenen Verbformen. Es ist wirklich wunderlich, wie viele uns unbekannte Zeiten es im Portugiesischen gibt. Ich selber finde, dass sie total unnötig sind, aber das sehen die Muttersprachler anders. Damit ein deutscher Muttersprachler das besser verstehen kann, folgen hier einige Beispiele. Das Verb, das als Muster dient, ist das Wort „falar“ = sprechen.
ich spreche = eu falo (Indikativ Präsens)
ich sprach, ich habe gesprochen = eu falei (Indikativ Imperfekt. Das ist die gängige Vergangenheitsform)
ich werde sprechen = eu falarei (Indikativ Futur. Wie einfach!)
ich pflegte damals in einer längst zurückliegenden Zeit zu sprechen = eu falava (Indikativ von einer im Deutschen nicht existierenden Zeit)
ich sollte sprechen = eu falaria (Indikativ Konditional, was es so im Deutschen auch nicht gibt)
ich würde sprechen : eu fale (Konjunktiv Präsens)
ich würde gesprochen haben = eu falasse (Konjunktiv Imperfekt. Wie gut, dass man das nicht oft braucht!)
ich habe damals zu sprechen gepflegt = eu falara (völlig abgefahren! Wer redet denn so?). Diese letzte Form gilt es noch zu unterscheiden, wenn es um die 3. Person Singular geht:
ele falará = er wird sprechen und ele falara = er hat damals zu sprechen gepflegt. Der Unterschied ist die Betonung. Beim ersten Ausdruck wird die letzte Silbe betont und beim letzten Ausdruck die vorletzte Silbe. Verstanden?

So könnte ich weiter machen, nur an einer Stelle nicht, denn es gibt im Portugiesischen keine eigene, passive Verbformen. Das Passiv muss umschrieben werden. So habe ich bei der Fußball-WM gelernt, dass der Ausdruck „gefoult werden“ mit „ein Foul erleiden“ umschrieben wird. Die direkteste Methode, ein Passiv auszudrücken, aber ist die Bildung mit dem Partizip. Beispiel: „fressen – gefressen werden“ = „comer – ser comido“. Das bringt mich auf eine weitere Schwierigkeit, die wir Germanen alle haben, dass es – wie im ganzen lateinischen Sprachraum – zwei Wörter für „sein“ gibt. „ser“ ist ein längerfristiges Sein, das eine Art Zustand ist, während „estar“ eher dieses Hilfsverb „sein“ ist. Wer gegessen wird, spürt die Folgen also noch ziemlich lange, wenn nicht sogar für immer. Denn in der Regel ist gegessen zu werden eine für den Betroffenen eher nachhaltig tragische Angelegenheit. „ser comido“ muss aber schön unterschieden werden von „estar comendo“, was so viel bedeutet, dass man gerade am Essen ist. Das ist wie im Englischen eine Gerundium-Konstruktion.

Wer jetzt schon schlapp gemacht hat, den kann ich verstehen, allein es ist für mich nötig, mich mit demselben hart auseinander zu setzen, es nicht in Frage zu stellen (wozu auch?) und einfach zu lernen. Heute habe ich im Laufe des Vormittags rund 200 Verbformen, oft von unregelmäßigen Verben, auf meine Vokabelkärtchen geschrieben, wobei die deutsche Übersetzung dieser Formen oft 3 – 5 und mehr Wörter braucht.

Babbel empfiehlt 10 Minuten Training jeden Tag. Dass ich nicht lache! Es sind täglich sicherlich 2 Stunden, die damit gefüllt sind. Heute allerdings ist das nicht tragisch, weil es draußen mal wieder Bindfäden regnet. Dabei ist es jedoch wunderschön warm, sicherlich über 25°. Da hilft nur eins: Ins Bett gehen und schlafen, bis es vorbei ist. Übermorgen soll es schön werden, meint der Wetterbericht, doch der ist – wie ich schon schrieb – zuverlässig wie der Hahn auf dem Mist.

Zuletzt noch eine hübsche Sache aus dem Bereich der Sprichwörter und Redensarten: Das deutsche Sprichwort für „Eulen nach Athen tragen“ heißt auf Portugiesisch: „Den Pfarrer die Messe lesen lehren“.

Zum Seitenanfang