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Freitag, 28. November 2014: Kleinigkeiten

Es sind vor allem kleine Sachen, die uns in der letzten Zeit passiert sind, sozusagen Geschichten aus dem Alltag. Heute jedoch gibt es zwei große Sachen, die den Tag prägen:

1. Priscila hat heute ihren letzen Arbeitstag bei uns. Einerseits ist es sehr schade, dass sie geht, weil sie ein fröhlicher Mensch ist und wir viel Spaß hatten. Als letztes hat sie heute noch einmal mein Zimmer geputzt und selbst den Schreibtisch in einen sehr sauberen Zustand versetzt. Normalerweise mag ich nicht, wenn jemand hier aufräumt und putzt, aber Priscila macht das gut und ich klage nicht. Andererseits ist es aber auch gut, dass sie aufhört, denn dadurch werden mehrere Nachteile, die wir uns aus Unerfahrenheit eingehandelt hatten, beendet. Heute Nachmittag wird sich eine neue Frau bei uns vorstellen, die dann einen Tag in der Woche kommt. Das ist auch für uns schön, auch wenn wir nun vermehrt selber putzen müssen. Aber durchs Putzen ist noch niemandem ein Zacken aus der Krone gefallen.

2. Heute wurde meine erste fällige Lebensversicherung ausgezahlt. Ich hatte sie anno 1979 abgeschlossen, jährlich von meinem Weihnachtsgeld eingezahlt und jetzt ist sie fällig. Da wandern die Gedanken zurück und ich wurde für 3 Minuten nostalgisch. Immerhin hatte ich mir schon zuvor überlegt, was wir damit machen sollen. Aurora und ich haben beschlossen, das Geld wieder weiter zu verleihen, wo es mehr Nutzen tut als auf unserem Konto, denn wir brauchen das Geld tatsächlich eher nicht. Wir leihen es an ein gut gehendes, der Familie nahe stehendes kleines Softwareunternehmen aus, wo es zu einer Art Liquiditätshilfe mutiert. Uns bringt es dann auch noch Zinsen. Immerhin!

Nun zu den Kleinigkeiten:

So lange Priscila noch da ist, werden alle „Dreckecken“ (sowas gibt es bei uns gar nicht!) noch mal ausgeräumt. Das gilt vor allem für unser 3. Bad, das zu einem Lager umfunktioniert worden war. Hier lagerten einige Kartons mit wenig gebrauchtem Kram: Weihnachtsschmuck, Spiele, Wasserpfeifenkohle, aber auch Bilder und Rahmen, Klappstühle und Matten. Alles hat nun ziemlich genau ein Jahr dort gelegen, so dass jetzt Zeit war, es hervor zu holen, um den Raum zu putzen. Dabei kam auch meine Souvenirkiste zum Vorschein: Holzfiguren aus Tansania, Muscheln und Korallenstücke aus Indonesien, Steinfiguren und Zimbeln aus Indien, ein Dalapferd aus Schweden, Pyramiden aus Ägypten, ein Stein aus der Berliner Mauer und zuletzt auch ein Stein vom Tempelberg. Aurora ist sehr beeindruckt und meint auf bestem brasilianischen Deutsch: „Hast du mit dem Martelo gehaut?“ Das meint auf deutschem Deutsch: „Hast Du mit dem Hammer (auf dem Tempelberg herum) gehauen?“ (Normalerweise redet Aurora normales Deutsch, aber hier war wohl das Umfeld prägend) Ich konnte sie beruhigen: „Den hab ich mit den Dedos (Fingern) aufgehebt. Meinen Du wirklich, man kann dort mit dem Martelo auf dem Rocha (Felsen) rumhaut?“

Die Straßenbauarbeiten machen Fortschritte. Es sind auf der Hauptstraße ständig Baumaschinen unterwegs, jeden Tag ändern sich die Umleitungen, jedoch hat man wohl beschlossen, die Teerdecke erst nach der Saison aufzubringen. Darum fahren jetzt die Raupen und Dampfwalzen herum, um die Tausende von Schlaglöchern, die sich inzwischen gebildet haben, zuzuschütten und den Fahrbahnuntergrund wieder zu festigen. Gott sei Dank fährt auch immer mal ein Wasserauto herum, um die Lehmstraße feucht zu machen. Denn besonders die Anwohner „freuen sich“ über Extraportionen von Dreck und Staub. Selbst in unserer Wohnung ist das Dreckaufkommen erheblich gestiegen.

Gebaut wird stattdessen weiter am Strandweg. Dort war lange nichts geschehen. Jetzt jedoch fahren die Baumaschinen, die oben auf der Hauptstraße sind, auch nach unten an den Strand, um die letzten Reste von Natur zwischen Berg und Supermercado Schmit zu beseitigen und den Weg anzulegen. Das Tollste dabei aber ist die neue Beleuchtungsanlage. Alle 20 m steht nun ein riesiger Leuchtmast im Retrostil der 50-er Jahre. Ich glaube, wir hatten diese Masten schon in Blumenau gesehen, wo sie eine breite Autobahn beleuchteten. Jetzt also beleuchten sie hier einen Fußweg und wohl gleichzeitig die Wohnungen der angrenzenden Häuser. Das spart denen viel Strom – allerdings zum Preis, dass man wenig Mitbestimmung über den Lichteinfall haben dürfte.

Schließlich haben wir heute noch am Strand ein Fischerboot gesehen, in dem noch ein Teil der Fische lagen. Wir fragten, was da für Fische seien: „Die langen sind Schwertfische und die rosa sind Hundeaugen.“ sagte der Fischer. Ich glaube, der will uns auf den Arm nehmen. Sehr selber.

Fische im Fischerboot angeblich Schwertfische
Fische im Fischerbootangeblich Schwertfische

angeblich Hundeaugenfisch die neue Strandwegbeleuchtung
angeblich Hundeaugenfischdie neue Strandwegbeleuchtung

Strandweg-Bauarbeiten beim Schmit Alles wird platt gemacht
Strandweg-Bauarbeiten beim SchmitAlles wird platt gemacht

Bauarbeiten auf der Hauptstraße Bauarbeiten auf der Hauptstraße
Bauarbeiten auf der Hauptstraße

Zuletzt noch eine kurze Beobachtung auf der Autobahn, als wir gestern zum Einkauf nach Itapema fuhren: Da überholte in einem Elefantenrennen ein 30 m langer Superlastwagen einen anderen superlangen Lastwagen. Der Überholende war nur unwesentlich schneller als der Überholte. Und dahinter war ein Pickup. Welch eine Pein! Er fuhr rechts, links, nah drauf, blinkte, schaute links vorbei mit sehnsuchtsvollem Blick, rechts vorbei mit blutunterlaufenen Augen. Er kam nicht vorbei, bis das Überholmanöver vorbei war. Aber dann … weg war der Pickup.

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