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Montag, 1. Dezember 2014: Ana Paula

Ana Paula, unsere BürgermeisterinAna Paula heißt unsere fesche Bürgermeisterin. Ana Paula ist noch jung und hat viel Energie. Sie hält viel von Bürgernähe, ist anscheinend auch nicht in alteingesessenen Seilschaften verankert, hat wohl auch keinen eigenen Laden oder Betrieb, den sie durch ihre Arbeit mit Aufträgen versehen muss und hat wohl darum auch einen erheblichen Vertrauensvorsprung bei der Bevölkerung. Sie packt die Probleme, die sich durch die inkompetenten „alten Säcke“, die früher hier Bürgermeister waren, im Laufe der Jahre angesammelt haben, an. Die Folgen spüren wir fast täglich. Das Hauptproblem – neben dem nicht zu lösenden Problem einer neuen, besser funktionierenden Zufahrt zu unserer Halbinsel – ist die Abwasserversorgung. Sie packt es an, wie wir schon erfahren haben. Die Hauptstraße, also die Leopoldo Zarling, ist neu gemacht worden, wobei ein Teil der Rohre verlegt wurden, jedoch eben nicht alle. Ein neues Regenwasser-Ablaufsystem wurde geschaffen, aber noch keine Rohre für das Abwasser gelegt. Warum nicht? – Angeblich hatte die Firma, die damit beauftragt wurde, keine Kapazität frei. Also wurde zwar die Straße gemacht, jedoch sind dabei die Abwasserrohre noch nicht in die Erde gekommen.
„Wo bleibt denn da die Planung?“ war meine Frage.
„Planung in diesem Sinn ist hier nicht üblich und etwas Unbrasilianisches.“ ist die Antwort. Dennoch gibt es sowas wie Planung im Chaos: Unsere Hauptstraße wird in diesem Monat noch eine dünne Teerdecke erhalten, die aber nach der Saison wieder abgemacht wird, um dann die Straße zwecks Verlegung der Abwasserrohre neu aufzugraben. Danach kommt dann die richtige Asphaltdecke drauf. Immerhin müssen wir also nicht die ganze Saison den Dreck aushalten, der durch die feldwegartige Hauptstraße aufgewirbelt wird.
Nun ist das nachträgliche Bauen einer Kläranlage und die dahin führenden Rohre eine ziemlich teure Angelegenheit. Woher soll das Geld kommen? Zunächst ist es so, dass wir hier in Bombinhas angeblich die höchsten Kommunalsteuern Brasiliens, die sogenannte IPTU, zahlen. Aber das ist ja nun nicht erst seit gestern. Dieses Geld geht seit Ewigkeiten dafür drauf, den ziemlich umfangreichen Apparat an Mitarbeiterschaft zu finanzieren, die Schulden für das neue Stadtzentrum mit den drei schicken Gebäuden (Gericht, Stadtparlament und Stadtverwaltung) zu begleichen und den Stadträten ihre Autos zu besorgen. Da bleibt wohl nicht viel übrig für anderes, denn wir sind trotz allem nur ein kleiner Ort.
Jetzt hat sich Ana Paula was ausgedacht, was sie in der Ideensubstanz in die Nähe der CSU und ihrer Pkw-Maut rückt: Sie bittet die von außen kommenden Autofahrer zur Kasse. Dass sie, wenn sie hierher in Urlaub fahren, einfach so durch Bombinhas fahren, kann ja wohl nicht sein. Darum gibt es jetzt eine Abgabe für Nicht-Bombinhaner, also Nichtwähler von Ana Paula. Pro Tag müssen sie ab heute 7 Reais (genau weiß ich das nicht, es wird aber so gesagt) pro Auto zahlen. In Anbetracht der vielen Autos, die sich in der Saison tagtäglich durch Bombinhas wälzen, dürfte das eine erhebliche Einnahmequelle werden.
Aber das reicht nicht, denn sie hat sich noch etwas anderes ausgedacht: Sie hat die Straßen der Stadt in Parklücken eingeteilt. Laut Rathaus gibt es jetzt 1.000 ausgewiesene Parkplätze in Bombinhas. Wenn man nun dort sein Auto abstellt, muss man 2,50 Reais pro Stunde zahlen. Das gilt für alle Autos, auch die von Einheimischen. Dazu kommt, dass jetzt bei vielen Straßen auf einer Seite Parkverbot herrscht und nur auf der anderen Seite gegen Bezahlung geparkt werden darf. Heute früh habe ich die neuen Park- und Halteverbotsschilder auch an unserer Straße entdeckt. Wenn ich mich an das Parken letztes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr erinnere, wird also in diesem Jahr mit einer erheblichen Parkplatzverknappung zu rechnen sein. Das bringt der Stadt zweierlei Verdienste. Einmal die Parkgebühren, dann aber auch die Strafzettel für alle, die ihr Auto nicht mit in die Wohnung nehmen können, keinen Parkplatz mehr gefunden haben und jetzt im Parkverbot stehen, wo sie letztes Jahr noch ungestraft standen. Ich vermute, dass alles zusammen einen Millionenbetrag in die klamme Stadtkasse spülen wird. Es wird aber sicherlich auch viel Unmut erzeugen, denn es ist damit zu rechnen, dass viele Autofahrer nicht mehr nach Bombinhas kommen, sondern ihren Urlaub da verbringen, wo es günstiger ist. In Anbetracht der vielen Apartments, die auf Sommergäste warten, kann das zu Mieteinbrüchen führen, was dann Ana Paula bei der nächsten Wahl übel angerechnet werden könnte. Wenn ich aber egoistisch sein will, kann ich das nur begrüßen, denn jeder Urlauber, der seinen Weg NICHT hierher findet, ist ein guter und für uns leiser Urlauber.
Wie nun konnte Ana Paula auf diese gute Idee kommen? – Neulich vermeldete die offizielle Homepage von Bombinhas, dass Ana Paula jetzt zur Eröffnung einer Segelregatta nach Valencia / Spanien gefahren sei. Um die Bevölkerung vor falschen Verdächtigungen zu bewahren, wurde dazu gesagt, dass nicht die Stadtkasse die Reise bezahle, sondern ein halbstaatliches Unternehmen, das von kommunalen Aufträgen lebt. Hier in Brasilien haben solche Arrangements nicht den Verdacht von Korruption mit sich, weil das allgemein so üblich ist. In Facebook las man – außer meiner Anfrage bezüglich dem Bewusstsein über Korruption – nur gute Wünsche und viel Spaß für Ana Paula und dass sie mit guten Eindrücken wieder heim kehren möge. Ich vermute mal – wobei ich keine Belege dafür vorweisen kann, dass sie vielleicht noch nach Frankfurt gefahren ist, um sich dort zu erkundigen, wie man seitens der Stadt an Geld von Autofahrern kommt. Da hat sie dann gelernt, wie man Parkplätze verknappt, die knappen Parkplätze mit hohen Parkgebühren versieht, eine kontrollierende Stadtpolizei organisiert, Knöllchen schreibt und munter kassiert. Denn das, was jetzt hier passiert, erinnert mich sehr an Frankfurter Verhältnisse. Gut, dass ich hier auf mein Auto nicht mehr so angewiesen bin wie dort, als ich noch berufstätig war. Noch eine Hoffnung habe ich: Möge sie nicht gelernt haben, wie man Ampeln in der Stadt verteilt. Denn die „Federbrecher“ reichen mir schon. Wenn es zusätzlich noch diese Ampelflut wie in Frankfurt gäbe, wäre es noch viel schlimmer. Den Nicht-Frankfurtern sei mal gesagt, dass jemand, der in Niederrad wohnt und seinen Sohn in Seckbach am anderen Stadtende besuchen will, auf dem Weg 60 Ampeln gezählt hat. Das ist nicht übertrieben, denn auch ich zählte zwischen meinem Büro in der Stadtmitte und meinem Daheim in der Nordweststadt immerhin 24 Ampeln. Selbst Sackgassen werden mit Ampeln abgesichert. Soweit sind wir hier noch nicht. In Bombinhas gibt es noch keine einzige Ampel.
Also ich glaube, ich würde Ana Paula trotz allem wieder wählen, auch wenn ich so meine Verdächtigungen habe. Aber dazu würde ich sie zuvor noch befragen. Immerhin bewegt sie einiges hier in Bombinhas. Und vielleicht wird ja alles gut – am Ende.

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