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Freitag, 5. Dezember 2014: Fortschritte in Bombinhas

Also etwas muss man unserer Bürgermeisterin zugestehen: Sie schafft Dinge, die bisher niemand geschafft hat. Darüber hatte ich ja schon berichtet. Jeden Tag gibt es Fortschritte in unserer kleinen Stadt, die bemerkenswert sind, besonders natürlich für die, die hier leben. Dennoch möchte ich auch den anderen die neuesten Entwicklungen erzählen:

Unsere Hauptstraße, die Leopoldo Zarling, erhält gerade eine dünne Asphaltdecke. Die Betonung liegt auf „dünn“, denn bekanntlich soll sie nur bis zum nächsten Frühjahr überleben, um dann wegen der Verlegung der Kanalisation wieder aufgerissen zu werden. Heute waren wir auf unserem morgendlichen Spaziergang Zeuge dieser Bauarbeiten.
Wir trafen außerdem Dona Gisela vor ihrem Geschäft, die sich um die Vermietung auch unserer Gästewohnung kümmert. Die war über die gerade vor ihrem Geschäft laufenden Bauarbeiten ganz erleichtert, weil das vielleicht bedeuten würde, dass es nicht mehr so staubt. Wenn ich mir allerdings die neue Teerdecke anschaue, so vermute ich, dass sie in nur einer Woche Löcher haben wird, durch die sich das blanke Erdreich neugierig nach oben drückt, um dann seine bekannten Staubwolken segnend über die nahe gelegenen Häuser innen und außen zu legen. Aber warten wir mal ab.

Die neuen, nummerierten Parklücken die dünne Asphaltdecke auf der Leopoldo Zarling
Die neuen, nummerierten Parklückendie dünne Asphaltdecke auf der Leopoldo Zarling

Der Strand eine der städtischen Bretterbuden
Der Strandeine der städtischen Bretterbuden

Auch am Strand hat sich seit vorgestern etwas getan, denn die neuen kleinen Bretterbuden, die zwecks Verpflegung dort aufgebaut worden sind, haben einen Anstrich erhalten, so dass sie jetzt hell orange aussehen. Wenn man bedenkt, dass bis voriges Jahr jegliches Aufbauen von Buden am Strand überhaupt verboten war, ist das jetzt eine wirkliche Entwicklung. Da die Häuschen in regelmäßigem Abstand gebaut wurden und nun alle gleich aussehen, vermute ich, dass sie ebenfalls der Stadt gehören, die sich dadurch ein gutes Zusatzgeschäft sichern möchte. Diese Buden werden offensichtlich an Privatunternehmer vermietet.
Ich habe heute Dona Gisela gefragt, welcher Partei denn unsere Bürgermeisterin angehört. Da erfuhr ich, dass sie der PTB, der Brasilianischen Arbeiterpartei, angehört, die zusammen mit Dilmas PT, der sozialistischen Arbeiterpartei Brasiliens, in der Regierung sitzt. Das Konzept entspricht auch dem, was wir aus dieser Ecke erwarten können: Der Staat sucht sich seine Monopole, mit deren Hilfe man viel Geld verdienen kann, das man besonders für die Bedürftigen ausgibt. Klingt eigentlich richtig gut, sogar richtig biblisch, solange man sich auch darum kümmert, dass die Wirtschaft gut läuft. Wenn das nicht der Fall ist wie in Argentinien oder Venezuela, ist dieses Modell gefährlich für eine Gesellschaft, weil diese dann kollabieren kann. So erleben wir es derzeit in Argentinien, wo es zwar keinen Hunger gibt, aber eine sehr weit verbreitete Armut, in die die einstige Mittelschicht zurück geworfen wurde. Nur Unternehmer oder Staatsbeamte haben in Argentinien heute noch genug Geld, um z.B. in Bombinhas Urlaub machen zu können. Bei den Staatsbeamten spielt dabei die Korruption eine große Rolle, denn wenn man das Monopol auf Stempel hat, die Otto Normalargentinier braucht, kann man sich das Stempeln vergolden lassen. Dieses System, das die Armen stark begünstigt, hat auch Ana Paula verinnerlicht. Sie hat Schulbusse eingerichtet, die die Kinder der Armen aus den letzten Winkeln der Stadt abholt und zur Schule bringt und sie lässt die Feldwege, die Straßen sein sollen, wenigstens mit Wasser bespritzen, damit sie nicht so stauben. Die Dankbarkeit und die Wählerstimmen sind ihr dafür sicher. Wenn es ihr dann noch gelingt, ein teures Abwassersystem zu bauen, wäre das wirklich wunderbar. Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen. Vermutlich wird Ana Paula wieder gewählt. Aurora möchte die Opposition wählen, damit diese nicht gänzlich aus dem Bewusstsein der Menschen hier, die ihre Bürgermeisterin lieben, verschwindet.
Übrigens habe ich von Dona Gisela erfahren, dass sich die Stadtverwaltung allein durch die Maut Einnahmen von bis zu 8 Millionen Reais jährlich verspricht. Bei den Parkplätzen allerdings rumpelt es noch etwas bei der Umsetzung, denn die Verfügung sieht vor, dass die, die einen Parkplatz haben, ihn für maximal 4 Stunden anmieten können. Danach müssen sie entweder weg oder erneut einen Zettel, der sie für weitere bis zu 4 Stunden Parkdauer berechtigt. Sind die Leute nun am Strand oder machen gar einen Schiffsausflug, wird das eng. Also kämpfen die Vermieter gerade dafür, dass es auch Tages-Parkscheine geben soll.

Soweit die Politik. Für uns besteht derzeit die Hoffnung, dass wir eine neue Putzfrau finden, denn heute Nachmittag hat sich eine Bekannte von Isa, jener Frau, die einstmals so lange in München als Kindermädchen gelebt hatte und die zu unserer Gemeinde gehört, angemeldet. Sie wird zusammen mit Isa kommen und sich vorstellen.
Die Katzen werden immer dicker. Kein Wunder! Sie kosten im Unterhalt fast so viel wie wir. Gestern haben wir für 70 Euro Katzenfutter und Katzenstreu eingekauft. Das wird dann vielleicht einen Monat halten. Übrigens hat das Katzenstreu, das wir beim Umzug aus Deutschland mitgebracht hatten, bis jetzt gehalten. Wir haben noch einen halben Sack davon. Bezüglich unserer Ernährung kann ich berichten: Ich habe eine Art Pumpernickel, ein dunkles Vollkornbrot, gefunden. Es ist beim Supermercado Koch für 12 Reais / 500 gr. zu bekommen. Das ist zwar richtig teuer, aber ach so gut!
Sodann zeichnet sich für kommendes Jahr ein munteres Urlaubsprogramm ab. Voraussichtlich werden wir mit Maura und Reginaldo, mit denen wir in Florianopolis waren, im April ins Pantanal fahren. Das Pantanal ist das Gebiet mit der größten biologischen Artenvielfalt der Erde. Das halbe Jahr lang ist es eine Sumpflandschaft und das andere halbe Jahr eher eine Steppe. Im April hat die Regenzeit aufgehört und es beginnt dort eine für Tiere besonders angenehme Zeit. Das Gebiet liegt in der Mitte Brasiliens, so dass wir eine lange Anfahrt haben, denn wir planen, gemeinsam mit dem Auto dorthin zu fahren. Am 3. Advent kommen die beiden, damit wir das bei einer Tasse gemütlichem Adventskaffee besprechen.
Ende Mai und im Juni fahren wir dann nach Deutschland, Schweden, Finnland und Estland. Und wenn alles gut geht, fliegen wir dann noch im November nach Süd-Afrika auf Verwandtenbesuch und um die Gegend dort kennenzulernen. Ist das nix? – Das erste Jahr nach der Pensionierung war dem Einleben in Bombinhas gewidmet, das zweite Jahr wird nun für Reisen genutzt. Wer hätte gedacht, dass es mir einmal im Leben sooooo gut gehen würde …

Chico, der Dicke Susi ist anscheinend kühl - bei 30° Außentemperatur
Chico, der DickeSusi ist anscheinend kühl - bei 30° Außentemperatur

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