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Dienstag, 20. Dezember 2014: Weihnachten kommt!

Welch ein traumhafter Tag ist heute: Die Sonne scheint warm, aber es ist nicht zu heiß, weil auch ein kühlender, sanfter Wind weht. Am Strand heute früh war es angenehm, hell, sonnig und es waren schon viele Urlauber da, die auch den durch die Arbeiten am Strandweg wüst gelegten Standabschnitt belebten und bunt färbten. Der Himmel ist blau mit kleinen Schönwetterwölkchen und es ist auf eine erstaunliche und wundervolle Weise ruhig und still. Man kann sogar die Vögel zwitschern hören. Keine Radios und Verstärker mit brasilianischer Popmusik, nur manchmal ein Hämmern oder Sägen von fleißigen Menschen, die nicht allzu weit weg von uns ihr Haus neu aufbauen. Der Pool ist gesäubert, die Terrasse ebenso. Wir beide erledigen Außenarbeiten, die mit Wasser zu tun haben, besonders gerne.
Ich hatte mich nach getaner Arbeit etwas zurück gezogen, um mein Buch zu lesen, als plötzlich ein unglaublicher Lärm draußen begann. Es war ein Hubschrauber, der sich über die Dächer bewegte und im Kreis dicht über unserem Haus flog. ‚Nee, nicht doch!‘ dachte ich und begann mich schon als alter, mürrischer Kautz zu fühlen, als Aurora rief. „Da kommt der Papai Noel, der Weihnachtsmann, mit dem Hubschrauber an den Strand geflogen. Wie schön! Besonders für die Kinder.“ – „Wo? Wo?“ Ich sprang auf, aber der Hubschrauber war schon weg und am Strand gelandet. Die weihnachtliche Stille hatte sich schon wieder über uns ausgebreitet. Ach wenn es doch so bliebe!
Hier in Brasilien kommt der Weihnachtsmann nicht mit Rentieren und mit einem Schlitten. Beides haben die Kinder hier in der Regel noch nie gesehen. Er kommt wie in der DDR das Sandmännchen: mit dem Hubschrauber. Das weiß jedes Kind. Dennoch kommt er auch in cola-roter Kleidung mit Pelzbesatz und Stiefeln, was in diesem Klima ziemlich deplatziert wirkt. Aber so wird er eben geliebt und erwartet. Dass er jetzt mit dem Hubschrauber kommen würde, war zuvor vom Rathaus auf der offiziellen Internetseite angekündigt worden.

Bombinhas Bombinhas

Bombinhas Bombinhas
Bombinhas heute

Bombinhas

Unsere Pläne sind bezüglich des Pantanals schon konkreter geworden. Gestern haben wir unsere Flugkarten gekauft. Wir fliegen vom 5. – 19. April nach Cuiabá.

Zuletzt möchte ich noch ein paar Takte zu dem Buch mitteilen, was mich derzeit fesselt. Es heißt: „Religion fällt nicht vom Himmel – Die ersten Jahrhunderte des Islams“, ist ziemlich dick (491 Seiten) und ist ein Sachbuch auf wissenschaftlicher Basis (enorm viele Anmerkungen mit Belegen). Andreas Goetze, der Verfasser, hat Theologie, Judaistik und Philosophie studiert und dann auch islamwissenschaftliche Studien in Jerusalem und im Libanon betrieben. Er war im März 2012 im Pfarrkonvent, um dieses Buch vorzustellen.
Das Besondere und Einzigartige dieses Buches ist, dass der Verfasser eine Quellenkritik und -analyse der islamischen Quellen durchführt, wie wir das auch bei unserer Bibel gemacht haben und noch machen. Allein das ist schon ein Unterfangen, das ziemlich ungewöhnlich, sogar richtig mutig ist. Aber nicht nur das: Goetze analysiert auch das religiöse Feld, auf dem der Islam entstehen und wachsen konnte. Dazu beschreibt er die christlichen Bewegungen und Theologien, die sich vor allem außerhalb des römischen Reiches und darum auch jenseits der kaiserlich verordneten Dogmatik entwickelt hatten und östlich des römischen Reiches sehr lebendige, große Kirchen hervor brachten.
Bedenkenswert ist, dass die ältesten Handschriften und auswertbare Quellen erst 200 Jahr nach Mohammed entstanden. Laut islamischer Geschichtsschreibung war da Mohammed schon lange tot und die ersten Kalifate samt den großen Eroberungen von Indien bis hin nach Spanien schon abgeschlossen. Wenn man bedenkt, dass es bereits bei den christlichen Quellen Unsicherheiten gibt, obwohl die ersten Schriften schon 15 Jahre nach Jesu Tod entstanden und das komplette neue Testament rund 70 Jahre nach Christi Tod – wenn auch nicht in dieser Zusammenstellung – vorhanden war, kann man sich vorstellen, was das bedeutet, erst 200 Jahre nach Mohammed erste Zeugnisse von ihm zu haben, die außerdem noch alle aus der Feder von Gläubigen Moslems stammen. Ich kann mir vorstellen, dass da so mancher vorhandene und geglaubte Mythos fällt, zumal im Orient das Dichten, Erzählen und Erleben mit Gottes Begleitung einen märchenhaften Schatz gebar. Aber so weit bin ich noch nicht.
Das Buch versteht sich aber nicht als Kampfschrift gegen den Islam, sondern möchte im Gegenteil helfen, den Islam dialogfreundlicher zu machen, indem er sich seiner Wurzeln bewusster als bisher macht. Denn wie kann man mit einer Religion ins Gespräch kommen, wenn sie annimmt, ihre heilige Schrift sei direkt aus dem Himmel gefallen.

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