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Dienstag, 23. Dezember 2014: Vorweihnacht

Ich glaube, es wird in diesem Jahr ein überschattetes Weihnachtsfest geben. Am 25. Dezember wird Aurora nach São Paulo fliegen, weil ihre Mutter im Sterben liegt. Sie befindet sich derzeit im Krankenhaus und schläft sehr viel. Die Ärzte geben ihr keine weitere Behandlung mehr. Inha, Auroras Schwester, ist fast ständig bei ihr. So werde ich Aurora morgens früh zum Flughafen bringen, damit sie eine Woche lang bei ihrer Schwester und Mutter sein kann. Erst am 1. Januar hole ich sie dann morgens früh wieder ab.
Auroras Mutter ist schon sehr alt und ich hoffe für sie und für die beiden Töchter, dass es nun schnell mit ihrem Ende geht. Denn Inha, die sie bisher sehr gut gepflegt hatte, würde eine weitere Intensivierung der Pflegebedürftigkeit der Mutter kaum verkraften. Sie ist schon jetzt häufig an ihrem Limit und darüber hinaus. Die Mutter aber in ein Pflegeheim zu geben, würde sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, zumal hier die Pflegeheime so sind wie in Deutschland vor 50 Jahren.

Der Weihnachtsbaum in der Gemeinde Weihnachtlich ist es aber dennoch – auf brasilianische Weise:
Unser Weihnachtsgottesdienst war schon am Abend des 4. Advent, an dem in unserer Gemeinde jedes Jahr Weihnachten gefeiert wird. Es gab einen schönen Gottesdienst, bei dem Rudi und ich kräftig die Lieder, die auch in Deutschland gesungen werden, auf Deutsch mitsangen. Nach dem Gottesdienst war dann noch ein gemeinsames Essen von Speisen, die die Teilnehmer mitgebracht hatten. Bei dieser Gelegenheit konnten wir dann noch mal mit Gustavo und Ilonca sprechen, die inzwischen in ihr neues Haus gezogen sind. Wir konnten aber auch noch die letzten Details unserer Reise ins Pantanal mit Reginaldo und Maura bereden. Der jetzt fertige Stand der Planung ist so, dass wir am 4. April losfliegen. Die Tickets haben wir schon. Dann übernachten wir in einem Hotel, das ich bereits gebucht habe. Am nächsten Tag werden wir von einem Kleinbus der Pousada, in der wir die nächsten 4 Tag verbringen werden, abgeholt und ins Innere des Pantanals gefahren. Wenn wir von dort zurück kommen, mieten wir ein Auto (ist schon reserviert), mit dem wir dann noch 9 Tage unterwegs sein werden – wohin auch immer. Am 19. April geht dann der Flug zurück.

Die Stadt ist voller Menschen. In unserer Straße merkt man das kaum, aber wenn man auf die Hauptstraße, die Leopoldo Zarling, fahren will, muss man entweder sehr viel Geduld mitbringen, oder nette Menschen haben, die einen in die lange, langsame Schlange von Autos rein winken, oder sich ganz frech rein drängeln, was uns Deutschen vielleicht eher liegt. Da wir aber hier in Brasilien sind, gibt es immer Menschen, die die zweite Möglichkeit zum Reinfahren eröffnen. Der Straßenverkehr ist also schon saisonmäßig. Saisonmäßig ist auch mancher Lärm aus dem Haus. Besonders gegen Mitternacht werden hier gerne Möbel gerückt. Wahrscheinlich muss man das, um für alle Bewohner genug Platz zum Schlafen zu haben. Aber im Verhältnis zu der Lärmbelästigung im vorigen Jahr war es bisher erstaunlich still. Das gilt vor allem für den letztjährigen Lärm von den drei Häuschen gegenüber, die von Malvina und Osvaldo vermietet werden. Noch stehen die Häuser leer, denn Malvina ist noch gar nicht da, weil ihre Mutter krank ist. Auch die Tochter Grazy samt Ehemann André sind noch in den USA unterwegs. So kommt von gegenüber einfach nur erholsame Stille.

Wir haben aus den Erfahrungen des letzten Jahres gelernt, und werden die Stadt morgen vermeiden und daheim bleiben. Heute schon wurden alle Einkäufe erledigt. Unser Metzger bei Schmit hat uns schon 9 Scheiben Rindfleisch zum Grillen mit einem Gesamtgewicht von 3 kg abgeschnitten. Rund 27 Euro habe ich dafür bezahlt und wir haben uns also heute gegenseitig ein schönes Weihnachtsfest gewünscht. Letztes Jahr war ich gegen 8.30 Uhr am Heiligen Abend dort und stand in einer langen Schlange vor der Fleischtheke in einem total überfüllten Supermarkt. Auch heute war der Schmit schon recht voll, jedoch musste ich an der Kasse wegen einer Unklarheit beim Preis warten, was mir die Gelegenheit gab, auch mit Flavia ein wenig zu reden. Sie muss bis auf den 25. Dezember, wenn Schmit geschlossen hat, arbeiten. Dabei, so finde ich, hätte sie Urlaub nötig, weil sie aussieht wie Buttermilch und Spucke.

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