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Montag, 29. Dezember 2014: Nerven

Für mich ist es sehr spannend nachzulesen, was vor einem Jahr in meinem Leben los war. Wie gut, dass ich schon damals mein Erlebnisbuch geführt hatte. So kann ich nachspüren, wie es war und was sich verändert hat.

Ein wenig schönes Wiedererkennen ist der Lärm des vorigen Jahres bei der Ruhe in diesem Jahr. Dabei stimmt das nur bedingt, denn der Lärm ist lediglich ein paar Häuser weiter gezogen. Letztes Jahr kam um den Heiligen Abend herum ein Gruppe zumeist junger Menschen mit einer großen und leistungsstarken Musikanlage in Malvinas zu vermietendes Häuschen, das uns genau gegenüber liegt. Dort spielten sie von morgens bis spät abends Technomusik in einer Lautstärke, mit der meine klassische Musik nicht mithalten konnte. Der Spuk dauerte bis nach Silvester und bereitete mir das nervenaufreibendste Jahresende, das ich je erlebt habe. An meinen Aufzeichnungen kann ich das noch sehen und nachempfinden. In diesem Jahr haben die Jugendlichen nicht das Häuschen von Malvina erhalten, sondern ein Haus drei Grundstücke näher zum Strand hin. Die Leute sind dieselben, die Musik ist dieselbe und in diesem Jahr wird das Nachbarhaus beschallt, während wir nur noch im Randgebiet des Lärmteppichs liegen. Das ist aushaltbar, macht mir aber noch einmal mein Leiden vom letzten Jahr bewusst. Dennoch habe ich in Facebook die Frage gestellt, ob es denn nötig sei, dass diese Menschen lediglich immer unsere Straße terrorisieren. Ich denke, dass ich damit auch anderen aus der Seele spreche.

Auch in Bezug auf die Zuverlässigkeit der Menschen bezüglich der Verabredungen habe ich zu einer sehr viel größeren Gelassenheit gefunden. Das liegt wohl vor allem daran, dass wir für unsere Wohnung nicht mehr viele Arbeiten durchzuführen haben. Alles ist jetzt so, wie wir es haben möchten. Wir dürfen also die Freundlichkeit der Menschen in vollen Zügen genießen, ohne von ihnen abhängig zu sein. Auch das macht unser Leben bedeutend einfacher.

So, wie es jetzt ist, ist es hier wirklich ideal und wunderschön. Da inzwischen alle Wohnungen in unserem Haus bewohnt sind, haben sich die Leute wohl auch untereinander ermahnt, nicht solch einen Lärm zu veranstalten. Denn selbst hier im Haus ist es bedeutend stiller geworden, obwohl noch die gleichen „Krachmacher“ wie vor einer Woche hier leben.

Man merkt also, dass wir hier sehr viel deutlicher angekommen sind, mit unserem Bedürfnis nach Stille auch wahrgenommen werden und dass man uns diesbezüglich mehr Respekt zollt als das noch im vorigen Jahr der Fall war. Wie gut ist es, dass Brasilianer keine zwischenmenschlichen Unstimmigkeiten leiden können. So müssen wir nicht viel sagen und werden doch ernst genommen.

Also: Es ist sehr schön, hier zu sein, auch – wenigstens bisher – in der Saison! Es geht uns gut.

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