Zur Hauptseite Döring

Donnerstag, 8. Januar 2015: Sommer

Etwas fällt auf: Jedes Mal, wenn mein Bruder via Skype und Bildtelefon bei mir anruft, bin ich gerade ziemlich ausgezogen. Ich bräuchte mich ja nicht zu melden, aber dann dürfte ich auch nicht mit meinem geliebten Bruder und meiner Schwägerin sprechen und sie sehen. Also melde ich mich und sehe dann schon das fröhliche Gesicht der beiden, die mich in keinem anderen Zustand zu erwarten scheinen als eben in jenem halb nackten, während sie selber umso mehr Kleidung an ihren Leibern tragen. Es ist aber auch recht schnell erklärt, warum das so ist. Nachts sinken die Temperaturen selten unter 28° und heute früh schon um 9 Uhr waren sie weit über 30°. Es ist Sommer!

Das haben wir gemerkt, als wir – nicht etwa zum Strand! – schon um 8 Uhr nach Itapema zum Supermercado Koch fuhren, um dort den Wocheneinkauf zu erledigen. Gegen 7.30 Uhr sind wir los gefahren. Die Sonne scheint, kein Lüftchen rührt sich. Unten auf der Leopoldo Zarling stand schon eine dichte Staubwolke über der löchrigen Fahrbahn. Auto reiht sich an Auto. Jemand lässt uns rein. Wir stehen im Stau(-b). Alle Fenster zu und abwarten, bis man so nach gefühlten 20 Minuten, tatsächlichen 5 Minuten, am Ortseingang ist, wo die schlechte Fahrbahn und der Staubteppich enden. Scheiben reinigen. Dann den Berg hoch in Richtung Porto Belo. Es geht recht zügig, endet aber oben auf dem Pass, weil sich da ein Lastwagen langsam nach unten schraubt und eine lange Schlange hinter sich her zieht. Wir sind das gewohnt. Für die Tageszeit erscheint uns der Verkehr sehr dicht zu sein, aber es ist Sommer, d.h. Saison. Bombinhas hat derzeit sicherlich 100.000 Einwohner. Alle sind jetzt um diese Zeit noch nicht auf der Straße, aber doch etliche. Stopp – go – langsam! – Bremsen – Federbrecher – etwas Gas – bremsen – stopp – go – Vorsicht: tiefes Loch in der Fahrbahn – drum rum lenken – bremsen – Motorradfahrer überholt rechts – Fußgänger überqueren die Fahrbahn (haben wohl schon eine Weile gewartet) – go – Auto von links will rein und wird gelassen – stopp – von hinten überholt ein Pickup – stopp – reiht sich vor mir ein – langsam! – die Frau neben mir ruft: Vorsicht! – ich erschrecke – bremsen – Schlagloch … So könnte ich jetzt 30 Minuten weiter machen, bis wir in die Nähe vom Koch kommen. Wie gewohnt wollen wir abfahren, doch ist da keine Abfahrt mehr. Seit letzter Woche haben sie die Abfahrt um 300 m vorverlegt. Ich hatte noch zu Aurora gesagt: „Schau mal, eine neue Abfahrt!“ – Also auf der Autobahn vorbei an Koch, 5 km weiter, runter, wenden, zurück und dann raus. Es ist jetzt schon brütend heiß. Darum fahren wir gleich auf die Parkebene unter dem Supermarkt, wo es etwas kühler ist. Einkauf, vor allem Getränke. Guaraná trinken wir gerne mit Wasser verdünnt, weil es sonst zu süß wäre. Guaraná ist eine tropische Frucht und ist hier wohl das beliebteste, einheimische Getränk. 16 Flaschen á 2 Liter für 3 Reais pro Flasche. Da kann man nicht meckern. Ansonsten sind die Preise hier mächtig angezogen, woran man ebenfalls merkt, dass es Sommer ist. Das Benzin, das in Deutschland ständig billiger wird, kostet hier jetzt knapp 3 Reais pro Liter. Das sind 30 Centavos mehr als letzte Woche. Schade, dass man kein Guaraná in den Tank schütten kann.

Koch ist bekannt für das gute Obst und Grünzeug. Vor allem deswegen fahren wir die 15 km dorthin. Heute aber gab es zwar Papayas im Sonderangebot, nur gab es realiter nur 11 ziemlich faule und schlechte Früchte. Neue kämen wohl im Laufe des Tages. Bananen – oh, das Regal ist gerade leer, kommt auch im Laufe des Tages. Äpfel? – Ah ja, die sind gerade da und werden ausgelegt. Es ist Sommer, die Straßen sind voll, die Lieferungen kommen verspätet, was zur Folge hat, dass sich etliche Mitarbeiter von Koch mit Palletten von Waren durch die ohnehin engen Gänge schieben. Wo früher Platz war, steht jetzt hoch aufgetürmt Bier in kleinen Dosen. Es ist Sommer. Die Menschen haben Durst. Den Einkaufswagen parkt man am besten in einer Nische und bepackt ihn mit den Sachen, die man zusammen klaubt. Gott sei Dank ist der Supermarkt klimatisiert. Kasse – Schlange stehen, obwohl alle Kassen offen sind und es erst 8.45 Uhr ist. Ich sage was zu Aurora – auf Deutsch. Die Kundin vor mir wird hellhörig, unterhält sich mit dem Kassierer (ein Mann in der Frauenbranche!), beide schauen uns an und lachen – nicht unfreundlich. Ich weiß schon: Gleich wird der Kassierer fragen, woher wir sind. Gleich fragte dann der Kassierer: „Woher seid ihr?“ – Aurora: „Aus Bombinhas!“ – „Ja, aber …“ – „Aus Deutschland!“ – „Ach so! Mein Urgroßvater …“ Wir kennen das schon und honorieren diese Vertraulichkeit mit Freundlichkeit und Lächeln, während wir die Sachen richtig umweltunverträglich in Plastikbeutel packen, um sie so zum Auto zu bringen. – Im Parkdeck schlägt uns die Hitze entgegen. Es ist Sommer! Alles verstaut und dann los. Die Rückfahrt geht wie gewöhnlich. Dieses Mal war auch nicht sooooo viel Verkehr in Porto Belo, der hässlichen Stadt mit dem schönen Namen. Nur den Berg hoch ging es langsam. Oben auf der Spitze ist jetzt seit Neuestem eine Mauterfassungsanlage. Wie genau die funktioniert, weiß ich nicht. Anscheinend wird dort von einer Art Toll-collect erfasst, wer da in den Ort einfährt und von wem man was zu erhalten hat. Da wir einheimisch sind, brauchen wir nichts zu zahlen. Die andern aber müssen pro Tag und Auto mehr als 20 Reais an die Stadtverwaltung abdrücken. Schon oben am Pass bildet sich eine Schlange vor der löchrigen und holprigen Piste in Bombinhas. Wer hier schneller als 10 km fährt, wird sein Auto am Ende der Straße verschrotten müssen. Also fährt man langsamer. Da überholt eine Oma mit Gehhilfe den vor uns fahrenden Porsche, der sich durch die Löcher wippt, während die ganze Szene von einer Staubwolke eingehüllt wird. Bei nächster Gelegenheit biegen wir rechts ab und fahren auf einer leeren, recht gut gepflasterten Straße bis zu unserer Straße vor. Geschafft! – Einparken, denn auf dem Stellplatz neben uns parkt ein Auto aus Curitiba. Es ist Sommer und unsere Gästewohnung ist vermietet. Das bringt uns immerhin 350 Reais pro Nacht. Wir brauchen das Geld, denn demnächst sind mehr als 4.000 Reais für Steuern (IPTU) an unsere geliebte Kommune fällig. Immer am Jahresanfang ist die IPTU fällig.

Auf dem Bürgersteig vor Malvinas Haus sitzen junge Leute und trinken Matetee. Sie sind nur leicht bekleidet, denn es herrscht inzwischen eine Temperatur von weit über 30°. Es ist eben Sommer. Gott sei Dank machen sie – entgegen aller Gewohnheit – keinen Lärm. Der kommt vom Haus neben uns, dessen zufällige Bewohner ebenfalls mit großer Lautsprecherbox auf dem Bürgersteig unter den Bäumen sitzen. Wir laden aus und schwitzen wie die Ochsen. Schnell fahre ich noch los, um das fehlende Obst zu holen. Im Sacolão, dem Grünzeugmarkt, erhalte ich, was ich brauche. Deswegen hätten wir also nicht nach Itapema fahren müssen.

Schnell raus aus den verschwitzten Kleidern. Da kommt die Reinigung des Whirlpools gerade Recht. Der ist wegen des Staubes auch ziemlich schmutzig. Dennoch genieße ich die Arbeit. Es ist Sommer. Da steht man gerne im Wasser und lässt sich erfrischen. Das jedoch wird zunehmend schwieriger, denn das Wasser hat inzwischen ebenfalls eine Temperatur von 30°. Es ist eben Sommer!

Gestern hatte übrigens Marlete, Rudis Frau, Geburtstag und wir waren zusammen im Holzhaus, das jetzt Landhaus heißen soll. Dort gibt es im Sommer viele Viecher und viel Natur. Hier sind einige Eindrücke von gestern:

Ein Leguan wohnt unter dem Haus Marlete und Rudi mit der neusten Katze
Ein Leguan wohnt unter dem HausMarlete und Rudi mit der neusten Katze

Hier ist das vorwitzige Vieh Rings um das Haus ist Urwald
Hier ist das vorwitzige ViehRings um das Haus ist Urwald

Die Terrasse vom Holzhaus Blick von der Terrasse
Die Terrasse vom HolzhausBlick von der Terrasse

Zum Seitenanfang