Zur Hauptseite Döring

Samstag, 10. Januar 2015: Islam

Gestern habe ich mein Erlebnisbuch redigiert und einige Beiträge wieder entfernt. Darunter auch meine Ausführungen über Andreas Goetzes Buch: „Religion fällt nicht vom Himmel“. Der Grund ist, dass es mich zwar tief bewegt hat, jedoch kein „Erlebnis“ von mir darstellt. Zusammenfassend lässt sich nach diesem Buch über die Anfangsgeschichte des Islams festhalten, dass diese neue, arabische Religion in Mesopotamien unter starken, persischen Einflüssen im 8. – 9. Jahrhundert, also rund 150 – 200 Jahre nach dem angeblichen Leben Mohammeds, entstanden ist als eine religiöse Bewegung der Abbasiden, des zweiten Kalifengeschlechts (nach den Umayyaden), um ihrem Reich eine vereinende Struktur zu geben: Ein Reich (unter den Abbasiden fast der gesamte Mittlere Osten), eine Sprache (Arabisch), eine Nation (Araber), eine Religion (Islam). In allen diesen vereinenden Eigenschaften dieses neu entstandenen, ursprünglich ziemlich bunten Reiches konnte man sich gegen andere Länder absetzen. Und indem man das Festhalten an diesen Werten zur Staatraison erklärte, war jegliche Kritik daran verboten und wurde streng geahndet. Für die Anhänger dieser staatstragenden Idee wurden Gesetze geschaffen, die es ihnen ermöglichte, ein friedliches, sinnvolles, erfülltes Leben zu haben, an dessen Ende das Paradies winkte. Für die Abweichler allerdings wurden brutale Strafen verhängt bis hin zur Folter und Todesstrafe. Die Brutalität wird begründet mit apokalyptischen Gedanken, dass nämlich vor dem Ende der Welt und aller Zeit grauenvolle Dinge passieren (siehe dazu auch die Offenbarung in der Bibel). Die Henker werden auf diese Weise zu Gehilfen Gottes, die dabei helfen, das Paradies herbei zu führen.<

Mir helfen diese Erkenntnisse, mit den heutigen Ereignissen, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, umzugehen. Die „heutigen Ereignisse“ sind vor allem die beiden islamistischen Anschläge in Paris, aber auch der Terror durch den Islamischen Staat, der eben dort errichtet wird, wo der Islam seinen Anfang nahm: In Mesopotamien, dem Zweistromland, heute Syrien und Irak.<

Zunächst kann ich nachvollziehen (nicht entschuligen!), was diese barbarischen Attentäter und Krieger reitet, wenn sie mit großer, in meinen Augen menschenverachtender Weise eine wahrhaft apokalyptische Welt schaffen, in der vor allem „Heulen und Zähneklappern“ herrscht. Wie die Abbasiden sehen sie sich als Gehilfen Gottes, mit dessen Hilfe sie das tausendjährige Reich, das der Wiederkehr des Messias vorausgehen soll, aufbauen. Wer sich im Islamischen Staat unterwirft, wird ein gutes Leben haben, während die anderen auf apokalyptische Weise ermordet werden – im Namen Gottes. Ich sehe, dass es dieses Erbe im Islam auch gibt, wobei ihn das von allen anderen Religionen unterscheidet, deren Gründung nicht mit einer Staatsraison in Verbindung gebracht wird und deren Gründer dann auch keine Feldherren waren, wie es Mohammed einer gewesen sein soll. <

Dennoch verstehe ich auch, dass der Islam seinen Anhängern ein gutes, sinnvolles Leben nahe legt, in dem es Gewalt nicht gibt. In einem religionstoleranten Land kann jeder Moslem immer und überall seinen Glauben leben, kann dort seinem Ziel, die Erreichung des Paradieses, nachgehen. Die Sharia muss kein staatstragendes Gesetz sein, sondern kann für den Gläubigen Moslem ein Verhaltensgesetz sein, das ihn leitet. Genauso sehen es die meisten Moslems und ich bin froh, dass sich viele Vertreter dieser Religion lautstark gegen die Exzesse des Islamismus wenden – unter denen Anhänger ihrer eigenen Religion am meisten leiden. Wie gut, dass es eine gemeinsame Erklärung von Juden, Christen und Moslems zu den Ereignissen der letzten Tage gab. Insofern ist zu hoffen, dass es endlich mal zu einem Dialog mit dem Ziel, gemeinsam gegen die künstlich herbeigeführte Apokalyptik vorzugehen, kommt.<

Pegida und der islamistische Terror sind zwei Ableger eines Un-Geistes, nämlich der interreligiösen Intoleranz. Mögen sie bei uns keine Zukunft haben. Mögen aber auch die Apokalyptiker, die meinen, sich zu Gottes Gehilfen durch grauenvolle, apokalyptische Taten machen zu müssen, keine Zukunft bei uns haben. Wie gut, dass religiöse Toleranz in Deutschland und Brasilien fest verankert sind. Möge die Toleranz auch in islamischen Ländern zunehmen. <

Andreas Goetze schrieb mir in mein Exemplar seines Buches: „Lieber Herr Döring! Glaube und Denken, historische Perspektive und die spirituelle Dimension als Geschwister zu sehen ist für den interreligiösen und interkonfessionellen Dialog inspirierend und zukunftsweisend zugleich. In herzlicher Verbundenheit Andreas Goetze“<

Zum Seitenanfang