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Montag, 19. Januar 2015: Bombinhas!

Was ich nun beschreibe, ist eher ein Projekt als ein Erlebnis: Bombinhas in seiner offiziellen Erscheinung. Für ein deutsches, unsentimentales Gemüt ist das, was sich einem da bietet, wenig nachvollziehbar und ich finde es erst einmal sehr lustig. Man entschuldige also meine possenhafte Darstellung dieser „heiligen“ Dinge. Und wer meint, nicht bei einem Spötter sitzen zu können, möge einen anderen Ort aufsuchen.

Bombinhas ist wie ein kleines Land mit einer eigenen Flagge, einem eigenen Emblem – so eine Art Bundesadler, einer eigenen Hymne und eigenen Symbolen. Ich stelle mir vor, wie eine Nationalhymne von Eschersheim klingen könnte, wo die Menschen ihren Ort ähnlich lieben wie die Einheimischen hier ihre Stadt. Ehrlich gesagt, fällt mir diese Vorstellung für Eschersheim oder Frankfurt-Höchst, wo ich etliche Jahre gerne gelebt habe, schwer. Denkbar wäre es vielleicht noch für Kraichtal, jenem romantischen, aus vielen Dörfern zusammengemischten Ort im Kraichgau, in dem ich jetzt bei meiner Schwester einen deutschen Wohnsitz habe. Aber selbst dort gibt es keine eigene, offizielle Hymne, keine Flagge, keine Symbole. Diese Orte liegen eben alle nicht in Brasilien, wo man ein Gespür für das Sentimentale hat, wo man nur fünf Buchstaben braucht, um seine Exaltiertheit bis zur Ohnmachtsgrenze zu beschreiben: lindo!

Die Flagge von Bombinhas

Sehen wir uns zunächst die Fahne von Bombinhas mit dem Emblem in der Mitte an. Als erstes fällt im Emblem unten ein Schriftband mit dem Namen der Stadt und dem Datum 1. April 1992 auf. Das ist das Gründungsdatum unserer Stadt. Bis dahin war Bombinhas nur ein Stadtteil von Porto Belo, wo sich bis heute noch gewissen Behörden befinden. Damals durfte sich der Ortsteil Bombinhas abspalten und eine eigene Gemeinde werden. Nun feiert Bombinhas jedes Jahr – kein Scherz! – am 1. April seinen Geburtstag.
Des Weiteren sieht man im Emblem einen echten Heraldiker am Werk. Da man es hier weniger mit richtigen Pferden zu tun hat, nimmt man eben die Pferde, die es hier gibt: Seepferde. Rechts und links vom Emblem halten Seepferdchen die Wacht über einem Wappen, das mit maritimem Leben zu tun hat: Delfine, Möwen, Boote, diverse Fische und Krabben gibt es hier. Umgeben sind diese Bilder von einem Schiffstau. Wir sind eben ein Fischerort – oder wir waren es. Was nun die Zinnen ganz oben bedeuten könnten, weiß ich nicht, denn Altes gibt es hier nicht und Burgen schon gar nicht. Vielleicht ist es der Ortseingang auf der Passhöhe zwischen Porto Belo und Bombinhas, wo man heute von den Auswärtigen Maut erhebt. Dann wären die Zinnen eine Art Raubritterburg. Oder sie bedeuten, dass hier in Bombinhas nicht jeder rein kommen kann, der das einfach so will. Wir bewachen und schützen unsere Stadt vor Eindringlingen.
Umgeben wird dieses Emblem von den Farben Gelb – Grün – Gelb mit blauem Feld in der Mitte, bei denen eines Brasilianers Herz in die gleiche Richtung wie das des Deutschen bei Schwarz – Rot – Gold schlägt, nur ungleich heftiger. Ab jetzt sind wir aus Nationalstolz zu Tränen gerührt. Und mit diesem erhebenden Gefühl nähern wir uns nun dem Höhepunkt: der Nationalhymne.

Wenn ich die brasilianische Nationalhymne höre, klingt sie wenig sentimental, eher fröhlich, zackig und nach Karneval. Wir in Bombinhas haben zwar auch Karneval, wenigstens ein wenig mit sehr viel Lärm dabei, aber wir haben die schöne Natur, über die man in unglaublichen Worten Hymnen schreiben kann. Ich habe versucht, die Worte dieser Hymne zu übersetzen, jedoch stößt die Nüchternheit der deutschen Sprache hier schnell an seine Grenzen.

Lesen wir den 1. Vers der Hymne auf Portugiesisch:

Como é bela nossa terra altaneira
Fulgurando entre os meus sonhos
Nas cores de sua bandeira
Que tremula com a brisa da manhã.

Übertragen heißt das ungefähr so:

Wie schön ist unser vielfältig, buntes Land,
Das mir in meinen Träumen funkelnd erscheint
In den Farben seiner Flagge,
Die in einer Brise am Morgen weht.

Es folgt der Refrain:

Terra de Esperança
Cercada de mar
Onde a Natureza
Inteira lhe sorri!

Übertragen:

Land der Hoffnung
Umgeben von Meer
Wo die gesamte Natur
ihm entgegen lächelt

Es folgen die Verse 2 – 3, die ich nur in einer stümperhaften Übertragung wiedergeben kann:

In der Hoffnung eines Volks, das von grünenden Auen träumt und einem Meer mit klarem Wasser, das leuchtet (glänzt) wie sein Frühling.

Dieses Land, das die Mutter tüchtiger Menschen ist, ist gekleidet in Grün.
Du bist die Perle in meinem Brasilien: Bombinhas, tausendfacher Zauber.

Und wer Lust hat, das alles noch zu hören, der folge dem Link Hino Oficial de Bombinhas. Von dieser Website, der offiziellen von Bombinhas, habe ich übrigens auch alle anderen Bilder und Informationen erhalten.

Und nun gestehe der geneigte Leser: Ist das nicht erhebend? Ist das nicht eines solchen Ortes würdig? Allein schon die Begleitmusik - Blasmusik - macht sie uns innerlich vertraut und sooooo sentimental ist die Musik nicht.

Zuletzt folgen noch die drei offiziellen Symbole für unsere Stadt, denn wir haben einen Nationalfisch, den Zackenbarsch (Garoupa), einen Nationalvogel, der ein wenig grimmig drein schaut (Aracua)  und einen sehr hübschen, gelb blühenden Nationalbaum (Guarapuvu). Wie der Vogel und der Baum auf Deutsch heißen, lässt sich leider nicht ermitteln. So weit reichen meine Wörterbücher nicht.

Immerhin! Mit diesen kommunalen Symbolen, Hymne und Fahne ist Bombinhas touristisch hervorragend aufgestellt und ist in Santa Catarina, unserem Bundesstaat, nach der Hauptstadt Florianópolis das zweit meist besuchte Ziel von Touristen.

Zackenbarsch Aracua Guarapuvu
ZackenbarschAracuaGuarapuvu

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